Mittwoch, 23.10.2019

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Planespotter: Foto-Jagd auf den Flughäfen dieser Welt

Ein Zirndorfer reist als Planespotter um die Welt, um Flugzeugfotos zu machen - 12.10.2019 21:00 Uhr

Am Flughafenzaun stehen die Planespotter, ihre Kameras immer griffbereit, um ein ungewöhnliches Flugzeug mit einer besonderen Lackierung für die Sammlung zu fotografieren. © Foto: Mathias Henig


In seinem Archiv, das 15 000 Dias und 25 000 digitale Bilder umfasst, finden sich gut 10 000 verschiedene Flugzeugmodelle. "Ich fotografiere auch Militärmaschinen, wenn ich welche erwische", scherzt der 44-jährige IT-Spezialist, der in Zirndorf wohnt und arbeitet. Viele seiner Fotos hat er bei Airliners.net eingestellt, einer internationalen Flugzeug-Fotoplattform mit Wissensdatenbank.

Seine Leidenschaft für die Fliegerfotografie entdeckte Henig als 15-Jähriger. "Ich radelte mit einem Freund am Flughafen vorbei und sah dort einige Leute, die auf Leitern standen und über den Zaun Flugzeuge fotografierten", erinnert er sich. Die Jungs kamen mit einem Spotter ins Gespräch und fanden dessen Erläuterungen ausgesprochen interessant. "Da habe ich die ersten Kontakte geknüpft und gehörte dann zur seinerzeit recht überschaubaren Gruppe der Planespotter." Auch seinen Wehrdienst hat er bei der Luftwaffe abgeleistet. Populär wurde die zeitintensive Freizeitbeschäftigung durch die digitale Fotografie. Inzwischen gibt es etwa 50 Spotter in Nürnberg, darunter auch einige Jugendliche.

Mathias Henig ist immer auf Motivsuche für sein Hobby Planespotting. © Foto: M. Henig


Auf gut 120 Flughäfen dieser Welt hat er schon jede Menge Zeit verbracht. Er lag in Miami, Los Angeles und San Francisco, aber auch in Peking, Hongkong oder Bangkok auf Lauer nach Fliegern. "Und in jedem Urlaub ist ein Besuch auf dem Flughafen Pflicht", erzählt der Vater einer fünfjährigen Tochter, der für sein Hobby auch "schnell mal nach Wien oder Amsterdam" fährt, um dort eine besondere Maschine zu erhaschen. "Bei jedem neuen Flugzeugmodell oder jeder neuen Lackierung geht die Jagd von vorne los."

Wo sich welches Flugzeug gerade befindet, verfolgt Henig übers Internet. Dennoch verspricht nicht jeder Beobachtungsposten auch zwingend Erfolg, denn es kann sein, dass das Objekt der Spotter-Begierde gar nicht auftaucht, weil der Flug umgeleitet wird oder stundenlang verspätet ist. Nicht umsonst scherzt man in Insider-Kreisen: Die Hälfte seines Lebens wartet der Spotter vergebens.

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Concorde und Co.: Zirndorfer Planespotter fotografiert Legenden der Lüfte

Mathias Henig hat sie alle, die Legenden der Lüfte: Der Planespotter aus Zirndorf fotografiert große, kleine, schnelle, schwere oder neue Flugzeuge, darunter die Airforce One, die Concorde nach ihrem letzten Flug und viele andere beeindruckende Flugzeuge.


Ein Ereignis hat sich besonders in Mathias Henigs Gedächtnis eingeprägt. "Das war 2010 in Prag, wo sich alle politischen Größen dieser Welt zu einem Gipfeltreffen versammelten." Auf dem Flughafen der tschechischen Hauptstadt fotografierte er neben der Airforce One, der Maschine des amerikanischen Präsidenten, oder der russischen Regierungsmaschine auch die Tupolew Tu-154 der polnischen Regierung mit dem damaligen Staatspräsidenten Lech Kaczynski an Bord. "Tags darauf, am 10. April, stürzte die Maschine in Russland ab."

 

SABINE BECK

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