Pläne der Stadt

Platznot: Fürth peilt ein viertes Gymnasium an

21.7.2021, 16:00 Uhr
Das alte „Schliemann“ an der Königstraße – hier ein Blick auf den hinteren Trakt mit Schulhof – soll übergangsweise als viertes Gymnasium dienen.

Das alte „Schliemann“ an der Königstraße – hier ein Blick auf den hinteren Trakt mit Schulhof – soll übergangsweise als viertes Gymnasium dienen. © Foto: Wolfgang Händel

Diese Einschätzung von Bürgermeister Markus Braun ist nun im Fürther Schulausschuss mit klaren Worten bestätigt worden von Martin Rohde, dem Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Mittelfranken. Mit Blick auf prognostizierte Schülerzahlen stellte Rohde fest: "Die vorhandenen Raumkapazitäten in Fürth reichen auf keinen Fall aus."

Schon im neuen Schuljahr, das im September beginnt, drängen so viele Fünftklässler an die drei Fürther Gymnasien, dass statt 16 Eingangsklassen 19 gebildet werden müssen. Dieser Ansturm kann, wie berichtet, nur bewältigt werden, indem am Hardenberg-Gymnasium vier Schulcontainer aufgestellt werden. Grund für die höhere Übertrittsquote, so vermutet man bei der Stadt, ist insbesondere ein Corona-Sondereffekt. Kein Schüler solle wegen der Pandemie Nachteile erleiden.


Fürther Gymnasium: Schule muss Container für Schüler aufstellen


Doch: Auch wenn die Coronakrise einst überwunden ist, wird sich die Raumknappheit an den Gymnasien verschärfen. Dafür gebe es drei Ursachen, wie Thomas Friedel von der Dienststelle des Ministerialbeauftragten aufzeigte: Aus demografischen Gründen wird die Zahl der Grundschüler stark zunehmen.

Noch mehr Zulauf

Weil auch von einem weiteren Ansteigen der Übertrittsquote auszugehen ist, werden noch mehr Kinder als ohnehin das Abitur anstreben. Und, als wäre das nicht genug: Die Wiedereinführung des G 9 wird dazu führen, dass im Schuljahr 2025/26 die Zahl der Eingangsklassen voraussichtlich sogar auf 22 steigt – bei einer Raumkapazität von nur 16.

Auch wenn das Helene-Lange-Gymnasium saniert werden soll und neue Gebäude erhält und auch wenn das Schliemann-Gymnasium einen Neubau bekommt, der bis zum Schuljahr 25/26 fertig sein soll: Die Platznot in Fürth wird sich damit allein nicht beheben lassen. Entsprechend lautet das Fazit des Ministerialbeauftragten: "Die Neugründung eines weiteren Gymnasiums scheint angeraten."

Grünen-Stadtrat Philipp Steffen sprach angesichts dieser Einschätzung von einem "Weckruf". Stephan Eichmann, Stadtrat der FDP, die schon vor Jahren für ein weiteres Gymnasium in Fürth plädierte, meinte: "Der Stadtrat ist nun gefordert, schnell zu handeln." Und: "Wir sollten jetzt anfangen, eine Standort-Diskussion zu führen."


Moderne Anlagen: Wie wird an Fürths Schulen künftig gelüftet?


Aktuell fasst das Schulreferat folgende Schritte ins Auge: Im Herbst soll ein Antrag auf ein viertes Gymnasium gestellt werden. Wird dieser bewilligt, so könnte ab dem Schuljahr 23/24 das Schliemann-Gymnasium sogenannte Vorläuferklassen in einer Art Schul-Dependance bilden.

Nach einigen Jahren wird daraus das vierte Gymnasium, das interimsweise im "alten" Schliemann unterkommen soll. 2030 soll dann das vierte Gymnasium seinen endgültigen Standort finden; wo dieser sein wird, ist völlig offen. Für Schulreferent Braun ist aber klar: keinesfalls im Zentrum. Aus seiner Sicht böte sich der Westen oder Norden der Stadt an.

Neues "Schliemann" im Blick

Es sind mächtige Vorhaben, die das Rathaus in den kommenden Jahren zu stemmen hat, um den Ansturm auf die Gymnasien zu bewältigen. Aber Braun sieht einen großen Vorteil darin, dass in einigen Jahren die Kapazitäten des alten Schliemann-Gymnasiums freiwerden und genutzt werden können.

Für das "neue" Schliemann wurde im Ausschuss dann gleich auch noch ein einstimmiger Beschluss gefasst, wonach die Verwaltung nun mit der nächsten Planungsstufe beginnen soll. Der Neubau wird mit Kosten von rund 57 Millionen Euro angesetzt; rechnet man die voraussichtliche Baukostensteigerung mit ein, wird er sogar mit rund 63 Millionen Euro zu Buche schlagen.

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