Pop-up-Ateliers: In Fürths Leerstände soll Kultur einziehen

29.4.2021, 21:00 Uhr
Leerstände in Fürths Innenstadt sollen in Pop-up-Ateliers und -Theater verwandelt werden. „Zwei bis drei Läden“ möchten die Kulturamtsleiterin und die Innenstadtbeauftragte den Künstlern zur Verfügung stellen.

Leerstände in Fürths Innenstadt sollen in Pop-up-Ateliers und -Theater verwandelt werden. „Zwei bis drei Läden“ möchten die Kulturamtsleiterin und die Innenstadtbeauftragte den Künstlern zur Verfügung stellen. © Foto: Wolfgang Händel

Ausstellungen, Konzerte, Theater, Lesungen mitten in der Stadt? Schön wär’s natürlich, aber noch ist die Pandemie stärker. Sobald jedoch der Einzelhandel wieder auf Touren kommt, soll eine Idee Wirklichkeit werden, für die das Kulturamt und das Wirtschaftsreferat abermals Hand in Hand gehen.

In leerstehenden Läden in der Innenstadt bekommen Künstlerinnen und Künstler, die laut Ausschreibung "im Großraum Fürth und Umgebung leben und arbeiten", die Möglichkeit, sich und ihre Werke zu präsentieren – jeweils zwei Wochen lang. Das Pop-up-Format ist vorerst bis Ende dieses Jahres geplant, den Teilnehmenden winkt eine Vergütung in Höhe von 500 Euro. Bewerbungen? Ab sofort an die Mailadresse kultur@fuerth.de

"Wir wollen", sagt Kulturamtschefin Gerti Köhn, "darauf aufmerksam machen, dass Kunst und Kultur die Innenstadt bereichern können." Was wie eine Binse klingt, bekommt 2021 insofern eine neue Dringlichkeit, als die Fürther Innenstadt Bereicherung in der Tat nötig hat.

Mehr als nur ein Schaufenster

Zwar beklagt die Innenstadt-Beauftragte Karin Hackbarth-Herrmann nicht alarmierende 18 Leerstände in der City wie aktuell Nürnberg, wo zurzeit die ersten Pop-up-Läden an den Start gehen, "doch verzeichnen derzeit auch wir mehr als in anderen Jahren". Da komme die Aktion des Kulturamts zur rechten Zeit, denn: "Alles ist besser als ein Leerstand."


Fürther Innenstadt: 30 Prozent Leerstand befürchtet


Hackbarth-Herrmann und Köhn sind in diesen Tagen auf der Suche nach Schauplätzen, die erstens gähnend leer sind und deren räumliche Zuschnitte zweitens für künstlerische Geistesblitze taugen würden. Es soll nämlich nicht lediglich ein schönes Schaufenster das erste und einzige Kriterium sein – Köhn: "Wir wollen, dass man auch drinnen den Künstlern bei der Arbeit über die Schulter schauen kann."

Was die Sache allerdings logistisch so herausfordernd macht, ist rasch erklärt. Mit einem kurzen Telefonat beim Eigentümer eines aktuell leerstehenden Ladens – das Wirtschaftsreferat zahlt für die Nutzung des Raums, während das Kulturamt die Künstler honoriert – ist es nicht getan. Vielmehr sollte der Laden auch dann (noch) leer sein, wenn harte Lockdowns und eisenharte Notbremsen zum Fall von gestern werden.

Mitte April 2021 fallen also zwar einige Läden ins Auge, in denen sich nichts tut. In den allermeisten Fällen, so Hackbarth-Herrmann nicht ohne Erleichterung, gebe es aber bereits Anschlussverträge mit neuen Mietern, die in wenigen Wochen einzögen. Das gilt etwa für zwei Geschäfte in der Blumenstraße; das gilt für die "Weltbild"-Filiale in der Schwabacher Straße, in der sich bald ein Café breit macht; und das gilt auch für das HiFi-Geschäft Schnatzky, dessen letzte Stunde im vergangenen Sommer schlug. Die Flessa-Bank, bislang in der Friedrichstraße, zieht hierher.

Zwei bis drei Flächen wären ideal

Ein Laden-Leerstand genügt, so lautete das Kalkül der Organisatorinnen anfangs. Inzwischen halten sie "zwei bis drei" Läden für optimal, denn es soll darum gehen, möglichst vielen Künstlern, reichlich Bewerbungen vorausgesetzt, Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen – in einer Zeit, die für die Kreativbranche bekanntermaßen alles andere als leicht ist.

Infrage kommen könnten dem Vernehmen nach die ehemalige Berolina-Apotheke in der Königstraße oder ein – leider ebenfalls "ehemaliges" – Reisebüro in der Nähe. Bestätigen möchte Köhn dies nicht, Gespräche laufen jedoch.

Die innerstädtische Pop-up-Kulturaktion ist Teil des "kultur.lokal-fürth"-Programms, das sich aus Mitteln finanziert, die die Kleeblattstadt für ihre Beiprogramm-Projekte aufgewendet hätte, wäre Nürnberg Kulturhauptstadt geworden. Der Stadtrat billigte Ende 2020 jedoch, den 130.000 Euro umfassenden Etat beizubehalten, um in der Pandemie der Kultur- und Kreativbranche beizustehen.

Bereits im Vorjahr hatten Kulturamt und Wirtschaftsreferat mit der Innenstadt-Reihe "Kultur am Freitag" – mit Walking Acts, Gauklern und Performances in der Fußgängerzone – Doppelpass gespielt.