Freitag, 22.11.2019

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«Privatisierung des Klinikums ist kein Thema»

Den Personalrat des Krankenhauses erbost die brodelnde Gerüchteküche - Mitarbeiter verunsichert - 27.01.2010

Vertraglich gebunden: Das Klinikum Fürth - hier eine Aufnahme von der OP eines Unterarmbruchs - bleibt bis mindestens 2015 in kommunaler Trägerschaft, heißt es. © Hans-Joachim Winckler


Eigentlich hatten sie öffentlich gar keine Stellungnahme abgeben wollen, doch am Ende hielten es Kamran Salimi und Carola Schröder nicht mehr aus. Die Privatisierungsgerüchte um das Klinikum hätten viele Angestellte tief verunsichert, klagen die beiden Personalvertreter.

Immer wieder würden Pfleger und Schwestern von Patienten auf das Thema angesprochen, was, so Schröder, für die Motivation der Mitarbeiter alles andere als förderlich sei. Dass die Stadt, wie schon mehrfach in den FN zu lesen war, ein Sparpaket im Umfang von zehn Millionen Euro schnüren wird, habe zusätzlich zur Verunsicherung beigetragen. Vorläufiger Höhepunkt: Vor einigen Tagen habe eine «hochqualifizierte Fachärztin», die eigentlich nach Fürth wechseln wollte, dem Klinikum abgesagt. Ihre Begründung: Das Haus werde ja vielleicht privatisiert.

«Dabei», sagt Kamran Salimi und schüttelt den Kopf, «gibt es dafür nicht einen begründeten Verdachtsmoment.» Besonders sauer sind ihm einige Leserbriefe in den FN zu diesem Thema aufgestoßen. «Da haben offensichtlich viele außenstehende Leute mehr Einblick ins Krankenhaus als wir Beschäftigte», sagt Salimi mit viel Ironie in der Stimme.

Vertraglich geregelt

Er und Schröder verweisen darauf, dass der Verbleib des Klinikums in Trägerschaft der Stadt Fürth vertraglich festgeschrieben ist. Wie mehrfach berichtet, hatten sich die Beschäftigten im so genannten Zukunftssicherungsvertrag (Zusi) bereit erklärt, für den Zeitraum von zweieinhalb Jahren auf drei Prozent ihres Gehalts zu verzichten, um ihrem Arbeitgeber wichtige Investitionen zu ermöglichen, die das Haus mittelfristig aus den roten Zahlen führen sollen. Im Gegenzug versprach die Stadt, mindestens bis zum Jahr 2015 alles zu unterlassen, was zu einer Privatisierung führen könnte.

Salimi beteuert, als Personalvertreter habe er in all den Verhandlungen mit der Kommune in den vergangenen 20 Jahren nie den Eindruck gehabt, dass ein Verkauf des Krankenhauses ernsthaft im Gespräch war. «Das Tafelsilber zu verscherbeln, wäre auch in der Tat sehr kurzsichtig», stellt Salimi klar. Selbst wenn es irgendwann Bestrebungen geben sollte, das Klinikum zu privatisieren, wäre das kaum umsetzbar. «Die Stadt hat es ja nicht einmal geschafft, die Entwässerung zu privatisieren», sagt Salimi. Im Falle eines Falles würde er mit «genügend Leuten» rechnen, die dagegen auf die Straße gingen. «Da haben wir ganz schnell ein Bürgerbegehren bei der Hand.»

So weit werde es aber nicht kommen, denn auch Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung hatte eine Privatisierung unlängst ins Reich der Fabeln verwiesen. Offensichtlich liegt ihm das Thema am Herzen, denn für die heutige Stadtratssitzung setzte er es kurzfristig auf die Tagesordnung. «Wir erwarten uns ein eindeutiges Bekenntnis zum Klinikum", sagen Salimi und Schröder unisono – auch wenn es nach ihren Worten nur eine Bestätigung der bisherigen Politik wäre.

Zusätzlich hat Carola Schröder Jung zur Personalversammlung des Krankenhauses Anfang März eingeladen. Auch dort soll der Oberbürgermeister noch einmal Stellung zu den Privatisierungsgerüchten nehmen. «Dann sind unsere Kollegen hoffentlich beruhigt», sagt Schröder. Und was wird nach 2015 sein? «Das weiß natürlich keiner», sagt Salimi. Aber 2009 habe das Klinikum erstmals ein kleines finanzielles Plus erzielt. «Wenn das so bleibt, sehe ich keinen Grund, warum uns die Stadt loswerden sollte.»

Johannes Alles

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