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Probleme bei Pÿur: 500 Fürther Haushalte tagelang ohne TV

Mitten im Lockdown: Mieter der Wohnungsgenossenschaft Fürth-Oberasbach hatten keinen Empfang - 21.01.2021 13:00 Uhr

Plötzlich war das Bild weg: Mitten im Lockdown mussten rund 500 Fürther teils tagelang auch auf die Abwechslung verzichten, die das Fernsehen bietet.

20.01.2021 © Foto: imago/Panthermedia AndreyPopov


Es war Freitagnacht, als bei Adolf Georg Reichel plötzlich der Bildschirm schwarz wurde. "Aus, vorbei, kein Signal mehr", berichtet der 65-Jährige. Daran habe sich bis zum Dienstagabend nichts geändert.

Reichel wohnt mit seiner Frau am Espan, in einem Haus der Wohnungsgenossenschaft Fürth-Oberasbach. Wie ihm ging es vielen Menschen im Viertel um das Kavierlein und die Wiesen- und die Widderstraße neben dem Frankenschnellweg.

"Rund 500 unserer Wohnungen am Espan waren betroffen", sagt Roland Breun, geschäftsführender Vorstand der Wohnungsgenossenschaft, die in der Stadt und im Landkreis Fürth rund 1300 Wohnungen besitzt. Für manche Nachbarn, klagt Reichel, sei das "die Krise hoch fünf" gewesen.

Einsame Stunden im Lockdown

Insbesondere die Älteren und noch dazu Alleinstehenden unter ihnen, Leute, die nicht auf Alternativen wie das Streamen von Filmen zurückgreifen können, hätten von Freitag an im ohnehin kontaktarmen Lockdown einsame Stunden erlebt. "Die fühlten sich ziemlich abgeschnitten vom Rest der Welt." Der ein oder andere habe sich darüber beklagt, "jetzt gar nichts mehr mitzukriegen".

Wie viele Betroffene wandte sich Reichel zunächst an den Vermieter, die Genossenschaft, dem er wie andere auch monatlich mit der Miete einen Betrag für den TV-Empfang überweist. Die Genossenschaft wiederum verwies an den Provider Pÿur, eine Marke der Tele Columbus AG und neben der Telekom und Vodafone einer der großen Anbieter von Kabelanschlüssen in Deutschland.

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Recht schlau seien er und die anderen Betroffenen aus den Auskünften der Beschäftigten im Callcenter nicht geworden, sagt Reichel. Mal wurde gesagt, man nehme die Meldung auf, dann wieder habe es geheißen, dass es gar keine Störung gebe.

Roland Breun sagte nun auf Nachfrage: "Sie glauben gar nicht, wie sehr uns das ärgert." Er versichert, auch die Wohnungsgenossenschaft habe bei Tele Columbus nachgehakt und die Beschwerden ihrer Mieter weitergegeben: bei der Hotline, beim Kundenbetreuer, bei der Geschäftsführung. "Aber bei so einem Riesenunternehmen mit tausenden Kunden, da gehen Sie halt unter."

Von NEFtv zu Tele Columbus

Seine Gesellschaft, so Breun, sei vor knapp 20 Jahren Vertragspartner des Regionalanbieters NEFtv geworden. Nach Fusionen und Umstrukturierungen in der Branche sei man dann bei Tele Columbus gelandet.

Von den 500 Mietern erlebten laut Breun manche Teilausfälle beim Fernsehempfang, andere hatten richtig Pech und mussten komplett auf TV und vereinzelt auch auf Internet und Telefon verzichten. Erst am Dienstagabend – nach vier Tagen oder rund 90 Stunden – war es vorbei mit der Dunkelheit auf den Bildschirmen am Espan.


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"So eine lange Ausfallzeit hatten wir noch nie", schimpfte Breun, der am Mittwoch noch nicht wusste, was eigentlich schief gelaufen war und sich verärgert über das "unbefriedigende Krisenmanagement" zeigte: "Wir behalten uns vor, eine Abmahnung zu schicken."

Pÿur: Es tut uns sehr leid

Pÿur-Sprecher Sebastian Artymiak erklärte die Störung auf Nachfrage zunächst mit Wettereinflüssen wie Schnee, Temperatur und Feuchtigkeit. Auf erneute Nachfrage nannte er zwei aufeinanderfolgende Überspannschäden als Ursache.

Den ersten habe man durch die Aktivierung von Sicherungen beheben können, dann aber sei der zweite gefolgt. Netzkomponenten seien beschädigt worden. Seine Firma habe alle Hausverteiler austauschen müssen. Viele Bewohner hätten die Arbeiten der Techniker mitbekommen.

Die besondere Situation im Lockdown "ist uns absolut bewusst", sagte Artymiak, und er versicherte: "Uns tun die Störungen natürlich sehr leid."

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