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Protest gegen das XXL-Treibhaus

Bei der Übergabe in Keidenzell musste Landrat Dießl viel über Baurecht reden - 21.06.2020 16:00 Uhr

Im Gewächshaus lassen sich im Fränkischen bereits ab April Tomaten ernten. In Nürnberg-Schnepfenreuth baut die „Höfler Gemüse GbR“ bereits unter acht Hektar Glas Gemüse an. In Keidenzell plant der Familienbetrieb einen zweiten Standort. © Fotõ: Roland Fengler


Mit der Übergabe von 643 Unterschriften aus Keidenzell und den Nachbarorten unterstrich das Trio bei Landrat Matthias Dießl den Protest gegen die Pläne des Nürnberger Gemüsebaubetriebs Höfler. Wie berichtet, will die Inhaberfamilie mit Unterstützung der bereits in Keidenzell ansässigen Agrar-Kompost GmbH als Wärmeversorger auf sechs Hektar Fläche Paprika und Tomaten unter Glas anbauen.

Von Bürgermeister Jürgen Habel, den Dießl zur Unterschriftenübergabe gebeten hatte, Langenzenns Stadtrat und dem Landratsamt fordern die Kritiker, die Ansiedlung "mit aller Macht" zu verhindern. "Dieses Fleckchen Erde muss so attraktiv bleiben wie es ist", sagte Uta Jandl.

Nur, das machte Landrat Dießl bei der Übergabe deutlich, seien dem Landkreis dabei enge Grenzen gesetzt. Das Landratsamt sei nicht in politischer Rolle, sondern als staatliche Genehmigungsbehörde gefragt, die den Bauantrag – den es noch nicht gibt – einer fachlichen Prüfung zu unterziehen habe. Erfülle der Bauherr alle gesetzlichen Auflagen, "müssen wir dem Projekt zustimmen".

Gemüseanbau ist im Baugesetzbuch der Landwirtschaft gleichgestellt und genießt im Außenbereich eine Privilegierung: Da deren Produktion eng mit dem Außenbereich verwoben sei, habe der Eigentümer grundsätzlich Baurecht, so Dießl. Es sei denn, öffentliche Interessen stünden dem entgegen oder die Erschließung sei nicht gesichert.

 

"Alles spekulativ"

 

Doch derlei Fragen stellen sich für die Behörde erst, liegt tatsächlich ein Bauantrag vor. Sie seien im Rahmen des Genehmigungsverfahrens und in enger Abstimmung mit den Fachbehörden zu klären. "Alles andere ist spekulativ. Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nur zusichern, dass wir das Projekt sehr genau prüfen werden", so Dießl.

Die Möglichkeit, auf politischer Ebene Einfluss zu nehmen, hätte der Stadtrat. Im Rahmen der kommunalen Planungshoheit entscheidet er über die grundsätzliche Entwicklung und Gestaltung der Stadt. Er könnte über eine Gestaltungssatzung Konzentrationsflächen ausweisen, die für Gewächshäuser geeignet sind. Obermichelbach hat vor vier Jahren, als dort zwei Knoblauchsland-Bauern ein acht Hektar großes Gewächshaus hochziehen wollten, diesen Weg beschritten.

Eine Bürgerinitiative lief dagegen Sturm und beantragte einen Bürgerentscheid, worauf sich der Investor zurückzog. Der Beschluss für die Gestaltungssatzung fiel trotzdem. Und ist bis heute nicht abgearbeitet, wie Obermichelbachs Bürgermeister Bernd Zimmermann auf Anfrage erklärt. Derzeit werde der Flächennutzungsplan überarbeitet. In diesem Zug ist ein Planungsbüro beauftragt, Gebiete, in denen Gewächshäuser sinnvollerweise untergebracht werden könnten, zu definieren.

Allerdings dürfe so eine Gestaltungssatzung keine "Verhinderungsplanung" werden, erläuterte Markus Sommerhäuser, Leiter der Bau- und Umweltabteilung im Landratsamt. "Sollte die Fläche bei Keidenzell geeignet sein, wird es die Stadt schwer haben, sie auszusparen", so Dießl. Friedrich Schuh hielt dem entgegen, dass es in Langenzenn "genug Flächen gibt, auf denen ein Gewächshaus keinen stören würden". Was Bürgermeister Habel mit den Worten "eine sehr gewagte These" kommentierte.

 

Zwei Treibhäuser bei Hardhof

 

Er bestätigte auf FN-Nachfrage, dass in den vergangenen Wochen nicht nur die Höfler GbR Interesse für einen Gewächshausbau auf Langenzenner Gemarkung angemeldet hat. Bei Hardhof an der alten B 8 will sich ebenfalls ein Knoblauchsland-Bauer ansiedeln. Dort sind gleich zwei jeweils fünf Hektar große Treibhäuser samt Verpackungsstation angedacht. Und der Landwirt, der in Keidenzell bereits ein Gewächshaus betreibt, meldet eine Erweiterung von einem auf zwei Hektar an. Seine Bauvoranfrage wird dem städtischen Corona-Ausschuss in der Sitzung am 24. Juni vorliegen.

Der Frage, ob das nicht Anlass genug sei, über die gezielte Ausweisung von Vorrangflächen nachzudenken, wich Habel aus. Die Stadt habe erst vor wenigen Wochen von den Gewächshaus-Planungen erfahren. "Bisher hat es keine Notwendigkeit dafür gegeben, ob das jetzt anders ist, hat der Stadtrat zu entscheiden", sagte er.

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