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Montag, 08.03.2021

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Protest in Fürth: Bei den Landwirten ist das Fass voll

Gemeinsam gegen die Düngeverordnung: Bauern fühlen sich im Bürokratie-Dschungel allein gelassen - 22.02.2021 11:00 Uhr

Fürths BBV–Obmann Peter Köninger (li.) überreicht Behördenchef Horst Krehn die Beratungsanträge seiner Kollegen.

19.02.2021 © Foto: Lorenz Märtl


Die Behörde wird in den kommenden Wochen und Monaten eines bekommen: sehr viel Arbeit. Denn die Obmänner überreichten Amtsleiter Horst Krehn jede Menge Anträge, in denen Landwirte angesichts der Verordnung Einzelberatungen für ihre Höfe anfordern. Nach eigener Einschätzung sehen sie sich mit unzumutbaren Auflagen sowie Maßnahmen konfrontiert und vor enorme Probleme gestellt.

Ist jetzt plötzlich alles falsch?

Der Fürther Kreisobmann Peter Köninger stellte klar, dass sich die Aktion nicht gegen die Behörde richte. Was ihn aber besonders ärgert, ist die Tatsache, dass in Sachen Düngung plötzlich alles in Frage gestellt werde und falsch sein solle, obwohl die Landwirte nur das gemacht hätten, "was wir gelernt haben und was uns vorgegeben wurde". Statt Rückendeckung gebe es seitens der Politik nur immer mehr und neue Einschränkungen.

Für Behördenchef Krehn war klar, bei dem Thema gehe es um ein Miteinander und nicht um ein Gegeneinander. Er zeigte sich sogar ausgesprochen dankbar für die Aktion, die er als "echte Unterstützung" bei seinem Ringen "um mehr Personal" betrachtet. Schließlich sei die Beratungskapazität nicht ausreichend. Die Anträge der Landwirte sollen nun gesammelt und das weitere Vorgehen überlegt werden.


Düngeverordnung: Den Bauern stinkt die drohende Novelle


Unisono machten Peter Köninger, Robert Ort (Erlangen) und Thomas Schneider (Nürnberg) deutlich, dass die Anträge keinen Symbolcharakter hätten, man will die Termine auch einfordern. Für die Zukunft erwartet das Trio außerdem Beratung und Hilfestellung statt überzogener Kontrollen und unsinniger Vorschriften. Außerdem, so eine weitere Forderung: Jedem Landwirt soll das richtige Vorgehen erklärt werden, um die neuen Vorgaben ordnungsgemäß umzusetzen. Nicht nur die Landwirtschaft, auch die zuständigen Behörden und damit der Staat müssten sich der Verantwortung stellen und diese übernehmen.

Besonders beeinträchtigt sehen sich die Landwirte von den sogenannten "Roten Gebieten": Dort müssen die Bauern wegen der Nitratkonzentration im Grundwasser strenge Vorschriften einhalten.


Düngeverordnung: Gemüseanbau künftig nur noch im Gewächshaus?


Im Bereich der drei Kreisverbände gibt es den rund 119 Quadratkilometer großen Grundwasserkörper "Sandsteinkeuper – Forst Tennenlohe". Hier dürfen die Betriebe nur noch 20 Prozent unter dem eigentlichen Bedarf düngen.

In der Existenz bedroht

Darüber klagen beispielsweise Gemüseerzeuger im Knoblauchsland – betroffen sind rund 80 Betriebe, deren 1800 Hektar Freilandanbauflächen im Roten Gebiet liegen. Sie sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Thomas Schneider sagt: "20 Prozent weniger düngen ist für uns der K.o. So können wir das Qualitätsgemüse nicht erzeugen, das der Lebensmittel-einzelhandel fordert." Mit fachlicher Praxis habe das nichts zu tun. Man stoße an Grenzen.

Dies könnte auch bald bei den anderen Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Mittelfranken der Fall sein, dann nämlich, wenn sie von Beratungsanfragen überrollt werden. Die Aktion in Fürth hatte der Vorsitzende des hiesigen Maschinenrings, Herbert Engelhardt, angeregt. Andere BBV-Kreisverbände wollen diese Form des Protests ebenfalls aufgreifen.

Lorenz Märtl

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