Donnerstag, 01.10.2020

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Prunk und Gold im Treppenhaus

Königswarterstraße: Wandmalereien waren 40 Jahre hinter Platten verborgen - 23.11.2007

Nein, nicht Versailles, nur Fürth: Der Eingangsbereich des Evora-Hauses erstrahlt in neuem Glanz.

© Ralf Rödel


Es hat schon etwas Fürstliches. Wer zum ersten Mal die Tür zur Königswarterstraße 52 öffnet, hält unwillkürlich den Atem an. Stuck und Säulenkapitelle glitzern und funkeln. «Nur echtes Gold glänzt so, das sieht man sofort», sagt die ehemalige Stadtheimatpflegerin Barbara Ohm, die sich anlässlich einer kleinen Feier im Hausgang eingefunden hat.

Gefeiert wird das Ende der Restaurierung. Neun Monate hat der Nürnberger Künstler Ludwig Aschenbrenner investiert, damit das Haus wieder in altem Glanz erstrahlt. Aschenbrenner belegte nicht nur die Stuckarbeiten mit 22-karätigem Blattgold, sondern griff vor allem zum Pinsel. Eigentlicher Hingucker im Eingangsbereich sind nämlich die Wandgemälde: Im Auftrag des Bauherren und Brauereibesitzers Wilhelm Evora hatte sich hier im Jahr 1893 ein vermutlich aus Italien stammender Künstler mit zwei Bildern verewigt: Sie zeigen eine toskanische Villa sowie eine Rom-Ansicht samt Engelsburg und Petersdom.

Elektriker beschädigten Bild

In den 60er Jahren verschwanden die Gemälde jedoch hinter unansehnlichen Plastikplatten. Farbe beige. Nach den Worten von Bernd Uwe Schinzel, dem eine der fünf Wohnungen im Haus gehört, scheuten die damaligen Besitzer die kostspielige Restaurierung der inzwischen abblätternden Malerei.

40 Jahre später ist das anders: Schinzel und die anderen Eigentümer haben die Wiederherstellung komplett aus eigener Tasche bezahlt. Zuschüsse der öffentlichen Hand gab es nicht. Die Arbeiten erwiesen sich als aufwändige Angelegenheit, denn die Bilder hatten stark gelitten. Der Klebstoff, mit dem die Platten befestigt waren, hatte seine Spuren hinterlassen. Zudem schlugen Elektriker vor vielen Jahren einen Schlitz quer durch eines der Gemälde, um ein Kabel zu verlegen.

Das Ergebnis von Aschenbrenners Arbeit kann sich jedenfalls sehen lassen und macht auch auf den Oberbürgermeister Eindruck. «Ich kenne hier kein Treppenhaus, das schöner ist», lobt Thomas Jung und fragt sich, in wie vielen Häusern Fürths derartige Schätze schlummern.

Zu Gesicht bekommt man den Eingangsbereich des Evora-Hauses allerdings kaum. Weil es sich um ein privates Wohnhaus handelt, bleibt die Tür in der Regel verschlossen. Ausnahmen könnten jedoch für Gruppen gemacht werden, die beispielsweise im Rahmen einer Stadtführung unterwegs sind. JOHANNES ALLES

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