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Pünktlich zur Kirchweih: Fürths Polizei trägt bald Bodycams

Die kleinen Kameras sollen Gewalt gegen Beamten reduzieren - 20.08.2019 06:00 Uhr

Die neuen Polizeikameras sind wegen der gelben Signalfarbe gut erkennbar. Sie sollen potenzielle Gewalttäter abschrecken. © Foto: Peter Kneffel/dpa


Die Bodycams sind schon eingetroffen in der Fürther Polizeiinspektion (PI) an der Kapellenstraße, eingesetzt aber werden sie noch nicht. In den nächsten Wochen werden die Beamten, die sie tragen sollen, zunächst dafür geschult. Sie müssen wissen, wann die Kamera eingeschaltet werden darf und wann nicht, wie die Videos abgespeichert werden und wer die Aufnahmen sehen darf.

Spätestens zur Michaelis-Kirchweih, sagt Fürths Polizeichef Michael Dibowski auf FN-Nachfrage, sollen Streifen die Bodycams dabei haben. Nicht, weil es auf der Kärwa besonders nötig sei – sondern weil man die Gelegenheit nutzen möchte, viele Menschen mit dem Anblick vertraut zu machen.

Die leuchtend gelben Geräte sollen gut sichtbar an der Schutzweste oder Jacke getragen werden; sie blinken, wenn sie eingeschaltet werden. In Zukunft soll jede Streifenbesatzung eine Kamera mitnehmen.

Dibowski verspricht sich viel davon. In München, wo er tätig war, bevor er im April 2018 in die Fürther PI wechselte, konnte er den einjährigen Pilotversuch verfolgen. In der Landeshauptstadt sammelte die Dienststelle, die für die Altstadt zuständig ist, Erfahrungen mit den Kameras. Die Rückmeldungen, sagt Dibowski, seien durchweg positiv gewesen – sowohl aus der Bevölkerung als auch aus den Reihen der Polizisten. Getestet haben die neuen Hilfsmittel daneben Beamte in Augsburg und Rosenheim.

Hemmschwelle erhöht sich

Es habe sich gezeigt, dass die Geräte in Konfliktsituationen deeskalierend wirken, sagt Dibowski. Sie erhöhen offenbar die Hemmschwelle, rabiat zu werden. Aggressionen gegenüber Polizisten seien deutlich zurückgegangen. Das betonte auch Mittelfrankens Polizeipräsident Roman Fertinger beim Pressetermin zur Einführung der Bodycams am Freitag.

Dort schilderte er, wie häufig Polizisten inzwischen mit gegen sie gerichteter Gewalt, Beleidigungen und Widerstandshandlungen konfrontiert seien. Nahezu täglich gehen im Präsidium am Jakobsplatz entsprechende Meldungen ein. Immer wieder kommt es zu Prellungen, offenen Wunden oder gar Knochenbrüchen.

Bereits im April, bei der Vorstellung der Fürther Kriminalstatistik, hatte Dibowski die Hoffnung geäußert, dass die Bodycams helfen werden, eine "wahnsinnig bedenkliche Entwicklung in unserer Gesellschaft" zu stoppen. Attacken auf Polizisten und Rettungskräfte haben auch in der Kleeblattstadt – sicherste Großstadt Deutschlands – zugenommen. 2018 wurden 42 Fälle registriert, 30 mehr als im Jahr 2017. Neben Polizisten wurden zwei Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes angegangen, zwei Kräfte des Rettungsdienstes und ein Mitarbeiter der Fischereiaufsicht.

Bei Beschwerden

Für die Bürger wiederum kann es ebenfalls von Vorteil sein, wenn eine hitzige Situation aufgezeichnet wird, sagt Dibowski. Gibt es Beschwerden über das Verhalten von Polizisten, könne man die Vorwürfe prüfen, falls die Kamera eingeschaltet war.

Bayernweit hat das Innenministerium 1400 Bodycams angeschafft, für rund 1,8 Millionen Euro. Die Aufnahmen können auch als Beweismittel herangezogen werden, wie Fertinger sagt. Die Speicherung erfolge verschlüsselt, das Bildmaterial könne nur mit einer speziellen Software angesehen, aber nicht manipuliert werden. 

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