Dienstag, 28.01.2020

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Raben gegen Tauben

Nützliche Kunst zu Halloween in der Gustavstraße - 29.10.2009

Setzen im Kampf gegen die Taubenplage auf Scharen schwarzer Kunststoff-Raben: Sandra Calabrese, Marcel Schwalme und Jens Graeser (von links). © Mark Johnston


Anders als dem Nürnberger Kunstprofessor Ottmar Hörl, der öffentliche Räume nicht nur mit Hitler-Zwergen, sondern auch mit Hasen, Hermelinen und anderem Getier bevölkert, geht es Schwalme vor allem um den praktischen Nutzen seiner Kunst. Der Hobbykünstler, der bei Siemens im Management für Sales and Marketing arbeitet, bietet in seinem Wohnhaus in der Gustavstraße 42 seit kurzem unter dem Namen «Event Floor» Künstlern Platz für Mini-Ausstellungen und -Projekte. Das Haus bewohnt Schwalme noch nicht lange. Mit Mühe und Liebe haben er und seine Frau das frühere Gasthaus Krone saniert. Auf ihrem Balkon im ersten Stock freilich machten es sich dann erst einmal in penetranter Art und Weise ungebetene Gäste breit: Tauben.

Irgendwann wurde es Schwalme mit deren Präsenz und Hinterlassenschaften zu viel. Er beschloss, zu handeln. Bei Internetrecherchen stieß er, wie er sagt, auf eine Studie der Uni Hamburg, der zufolge naturgetreue Rabenattrappen bei Tauben einen Fluchtreflex auslösen sollen. «Und das schreckt langfristig ab», versichert Schwalme, «anders als Kinderpropeller oder bunte Bänder, die im Wind flattern». Schwalme weiß, wovon er spricht. Er hat sich den «Taubenschreck», wie die Plastikvögel im Verkaufsjargon heißen, aufs Balkongeländer montiert. Der Effekt: «Seit einem Jahr herrscht Ruhe.»

Schwalmes Nachbar Jens Graeser, Inhaber der «Kaffeebohne», hat die Nase auch voll vom «Taubendreck». Und Sandra Calabrese, Pächterin des Cafés Chocolat, erklärt, man müsse ja im Freien stets mit unappetitlichen Klecksen rechnen - auf dem Trottoir, den Schultern der Gäste, schlimmstenfalls in Kaffeetassen.

9,50 Euro pro Vogel

Auf unbestimmte Zeit sollen nun also Scharen von Raben zum Einsatz kommen, die Schwalme angeschafft hat. Am Samstag macht er sich mit Graeser und Calabrese daran, die Vögel in Bäumen, auf Dächern und Mauern zu verteilen und Modelle mit ausgebreiteten Flügeln über die Straße zu hängen. Ab 19 Uhr läuft im Bereich von «Kaffeebohne» und «Chocolat» Hitchcocks Gruselfilm «Die Vögel» unter freiem Himmel. Es gibt Kürbissuppe und eine Halloweenparty im Zelt. Witz und Nutzen wollen Schwalme & Co. vereinen, und Halloween betrachten sie als idealen Termin, weil der Mythos vom Raben als «Hüter des Jenseits» wie das Geisterfest auch im Keltischen wurzeln soll, so Calabrese. Die Stadt jedenfalls hat ihr Okay gegeben. Die Raben dürfen die Altstadt erobern und sind ab sofort übrigens auch zum Selbstkostenpreis, wie Schwalme versichert, zu haben - für 9,50 Euro pro Stück mit Signatur.

Raben kaufen kann man bei Sandra Calabrese unter der Telefonnummer (09 11) 47 84 74 85 oder info@chocolat-fuerth.de

Birgit Heidingsfelder

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