Mittwoch, 03.03.2021

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Radler werden in Fürth oft ausgebremst

Diskussion zeigt: Es fehlen durchgängige Radweg-Verbindungen - 23.10.2015 06:00 Uhr

Vom Idealzustand in Sachen Radwegenetz ist Fürth noch weit entfernt.

22.10.2015 © Hans-Joachim Winckler


Was Gerd Wassenaar vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) aus Nürnberg mit seinem Videovortrag eingangs der Diskussion im Gasthof Zum Tannenbaum vor Augen führt, ist ein Idealzustand, von dem Fürth noch weit entfernt ist. Radler, die prinzipiell Vorfahrt haben, gehören zu den Trümpfen der Niederlande. Markierungen auf der Fahrbahn ersetzen dort häufig Vorfahrt-Schilder und Ampeln, das Rechtsabbiegen an Kreuzungen wird Radlern wie bei der Grünpfeil-Regelung hier zu Lande häufig gestattet. Die ebenso verwirrende wie konfliktträchtige Vielfalt kombinierter Fuß- und Radwege kennt man im nordwestlichen Nachbarland nicht.

„Die Einzigen, die bremsen müssen, sind die Autos“, beschreibt Wassenaar den Radlkomfort dort. Die Schlussfolgerung, die Fürths Baureferent Joachim Krauße nach der Präsentation zieht: „Es gibt zu wenig ungestörte Direktverbindungen für Radler in Fürth.“ Als Pfleger der Radwege regt Stadtrat Harald Riedel, Fraktionsvorsitzender der Grünen, zur besseren Südstadt-Anbindung das Ausweisen der Ludwigstraße zur Fahrradstraße an. Autos wären dann zwar noch zugelassen und könnten auch parken, aber Radfahrer seien bevorrechtigt.

Nach dem Einbiegen in die bereits mit Radstreifen versehene Karolinenstraße könnten sie dann weiter zur Siebenbogenbrücke und Uferpromenade, zu den Bahnviadukten Schwabacher Straße und Jakobinenstraße oder zu den Fußgängerunterführungen am Bahnhofshochhaus und in Verlängerung der Luisenstraße, um in die Innenstadt zu kommen. Am Bahnhofshochhaus-Tunnel sollen heuer noch Schieberampen Radlern das Überwinden der Treppen erleichtern.

Am Luisentunnel gibt es sie bereits. Hier hätte der ADFC allerdings langfristig lieber befahrbare Rampen. Die Radler-Organisation regt zudem an, in der Jakobinenunterführung auf beiden Seiten der Fahrbahnen Radwege abzumarkieren. Den Platz dafür könnte man bei einem Verzicht auf die nur wenig genutzten Linksabbiegerspuren gewinnen. Auch in der Schwabacher Unterführung kann sich Riedel nach dem Abbau des seitlichen Rammschutzes aus Betonelementen Radwege vorstellen.

Besorgt ist der Fahrradbeauftragte über das Beschneiden der Innenstadt-Radachse zwischen Theater und Hauptbahnhof durch den neuen Einkaufsschwerpunkt Neue Mitte, die mögliche Verlagerung des Wochenmarktes an die Adenaueranlage und den Engpass im Zuge des Umbaus des Wöhrl-Hauses an der Freiheit. Krauße jedoch rät zur Geduld. Schließlich würden im neuen Verkehrsentwicklungsplan auch Problemlösungen für Radler gesucht.

Allzu perfekt

CSU-Fraktionschef Dietmar Helm sieht allerdings im Perfektionismus einen Hemmschuh. Mit Abstrichen an der Ausführung könnte mancher Radweg seiner Meinung nach vielleicht schneller realisiert werden. Durchaus vorstellen kann sich Helm wie auch Riedel und SPD-Stadtrat Benedikt Döhla einen vom ADFC angeregten Beitritt Fürths zur Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlichere Kommunen in Bayern (AGFK). Der Landkreis ist bereits Mitglied. 4000 Euro im Jahr würde das kosten. Im Gegenzug müsste die Stadt beim Radwegebau jedoch nachprüfbar Gas geben.

Zur Diskussion geladen hatte ADFC-Kreisvorsitzender Olaf Höhne mit Blick auf die anstehenden Haushaltsberatungen in Fürth. Zwar gibt ein Entwicklungskonzept bereits die Marschrichtung beim Radwegebau vor, für den 100 000 Euro jährlich plus 20 000 Euro für Renovierungen zur Verfügung stehen, das ist den organisierten Radlern jedoch nicht genug. Höhne verweist auf München, wo der Radverkehrsanteil mit einer 2,5 Millionen Euro teuren Marketingkampagne in zwei Jahren von 10 auf 17 Prozent gesteigert werden konnte. In Fürth bewege er sich noch bei 11 Prozent.

Volker Dittmar

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