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Radweg kontra Bibertbahn

Planungen sollen starten: CSU und SPD wollen in Oberasbach Fakten schaffen - 20.11.2011 13:00 Uhr

Die Bibertbahn im Modellformat auf der alten Trasse: Geht es nach CSU und SPD in Oberasbach, werden über das Gleisbett nie mehr Züge rollen, dafür aber Radfahrer und Busse. © Hans-Joachim Winckler


Ein Flugblatt fand jeder Stadtrat pünktlich zu Beginn der Sitzung auf seinem Platz. Die Interessengemeinschaft Bibertbahn (IGGB) hatte alle Argumente zusammengefasst, die ihrer Meinung nach gegen die von der CSU forcierte Entscheidung noch in diesem Jahr sprachen: Die laufenden Gespräche mit dem Investor, der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE), der sich derzeit für eine Reaktivierung auf eigene Rechnung interessiert. Der Hinweis auf die Kosten für einen solchen Radweg und die dafür zu erwartende, nach Meinung der IGGB kaum spürbare Entlastung (100 Radfahrer?) der Rothenburger Straße. „Bitte überlegen Sie genau, bevor Sie abstimmen“, appellierte die IGGB an den Stadtrat. „Geben Sie der Vernunft und nicht nur der Polemik Einzelner eine Chance.“

Alles gesagt ist zu diesem Thema aber nach Meinung der CSU. Von einer „Geisterbahn“ sprach Jürgen Schwarz-Boeck mit Blick auf eine mögliche Reaktivierung der Bibertbahn. Da das Staatliche Bauamt Nürnberg im nächsten Jahr die Sanierung der Fernabrücke über die Rednitz plane, müsse man versuchen, darauf Einfluss zu nehmen. Dabei geht es speziell um die Anschlüsse der neuen Trasse, auf der nicht nur Radfahrer, sondern eventuell auch Busse rollen sollen, Richtung Nürnberg. Was die Seriosität des Investors RSE an-

geht, äußerte der Fraktionssprecher „größte Bedenken“. Ganz klar sei: Seitens der CSU gebe es für die Reaktivierung der Bibertbahn „keine Stimme“.

Auch für die SPD ist das Thema laut Peter Heinl „ausdiskutiert. Wir sollten handeln“. Seine Parteikollegin Heidi Chille fand es an der Zeit, dass auch Oberasbach einmal vom Landkreis partizipiere, eben in Form des besagten Radwegs.

Sowohl Franz X. Forman (Freie Wähler) als auch Norbert Schikora (Grüne) hielten den Zeitpunkt, in derartige Planungen einzusteigen, für verfrüht. Forman verwies auf das Interesse des Investors, und wandte sich dagegen, diesen „schlecht zu reden“. Man solle eine mögliche Lösung nicht gefährden und lieber noch ein Jahr warten.

Diese Zeitschiene befürwortete auch Schikora, der zudem die Kosten des Radwegs thematisierte, die enorme Dimensionen annehmen könnten. Als Beispiel führte der 3. Bürgermeister den Radweg Langenzenn—Raindorf an, der den Landkreis rund eine Million Euro gekostet habe. Thomas Peter (FDP/FOB) würde zwar die Nutzung der Trasse durch einen Bus befürworten, befürchtet aber, dass ansonsten eine „Geisterstrecke für Radler entsteht. Wir werfen Geld zum Fenster hinaus“.

Damit könnte der Liberale richtig liegen. Schließlich ist die Trasse derzeit eisenbahnrechtlich gewidmet. Dass dies weiter so bleiben soll, dafür hatte sich der Oberasbacher Stadtrat übrigens erst vor wenigen Monaten einhellig — also auch mit den Stimmen der CSU — ausgesprochen. Zwar ist es aktuell möglich, das Areal anders zu nutzen, beispielsweise einen Lagerplatz zu errichten, ein Radweg ist jedoch tabu. Dazu bedürfte es einer straßenrechtlichen Widmung. Dafür müsste die Stadt vorher einen Antrag beim Eisenbahnbundesamt auf Entwidmung der Trasse stellen. „Die Stadt kann natürlich planen, was sie möchte“, sagt Markus Steinbach von der Nürnberger Außenstelle des Eisenbahnbundesamtes auf FN-Anfrage. Vor der Umsetzung steht aber besagter Antrag: „Wenn das nicht passiert, ist das hinausgeschmissenes Geld.“

Laut Allgemeinem Eisenbahngesetz erfolgt eine solche Freistellung von Bahnbetriebszwecken übrigens nur, „wenn kein Verkehrsbedürfnis mehr besteht und langfristig eine Nutzung der Infrastruktur im Rahmen der Zweckbestimmung nicht mehr zu erwarten ist“.

So lange allerdings ein ernsthafter Interessent für eine Reaktivierung parat steht, sei damit nicht zu rechnen, sagt Steinbach. Denn: „Sobald er den Schraubenschlüssel ans Gleis legt, hat er das Recht auf seiner Seite.“

  

Harald Ehm

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