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Raitersaich: Neuer Protest gegen Stromtrasse

Bürgerinitiative fürchtet Leitung nach Clarsbach mit 60 Meter hohen Masten - 18.08.2017 16:00 Uhr

Die Abkürzung zwischen Raitersaich und Clarsbach zeigt die rote Linie. Die Bürger fürchten, die neue Stromleitungs-Trasse könnte zwischen den beiden Dörfern gebaut werden und ihnen so die Entwicklungsmöglichkeiten nehmen. © FN


Leben mit Blick auf Strommasten und Umspannwerk – das ist man im Dorf gewohnt. Die Leitungen verlaufen im Westen an Raitersaich und im Norden auch am Nachbarort Clarsbach vorbei. Direkt neben dem S-Bahnhalt befindet sich ein für die Stromversorgung der ganzen Region bedeutendes großes Umspannwerk.

Der Netzentwicklungsplan 2030 sieht einen sogenannten "Neubau in bestehender Trasse" vor. Das bedeutet: Die existierende 220 Kilovolt Wechselstromleitung wird abgerissen und statt ihrer eine 380 kV-Leitung gebaut. Die Masten dafür werden vermutlich höher als die bisherigen ausfallen, ausgegangen wird von 60 Metern. Im Vergleich dazu: Der Turm der Roßtaler Laurentiuskirche ist 52 Meter hoch.

Der kürzeste Weg führt durch den Wald

"Wir hätten nichts dagegen, wenn die Aufrüstung nicht kommt", räumt Andrea Platzer, Sprecherin der BI, ein. Im Dorf könnte man den Umbau zwar tolerieren, doch die Anwohner befürchten, dass die neue Trasse einen anderen Verlauf nimmt: den kürzesten Weg durch den Wald zwischen den beiden Dörfern Raitersaich und Clarsbach.

Die Folgen wären, dass die Leitungen sehr nah an die schon bestehende Bebauung heranrücken und weitere Entwicklungsmöglichkeiten beschneiden. Denn zwischen den beiden Orten gibt es nur einen Korridor von etwa 800 Metern Breite.

Auch das schon vorhandene Umspannwerk müsse möglicherweise erweitert werden, befürchtet die BI. "Raitersaich muss durch das Umspannwerk und die Bahnlinie sowieso schon eine hohe Belastung tragen", argumentiert die BI-Sprecherin.

Bereits im Mai 2016 gab es zu dem Vorhaben in Raitersaich einen Infotermin, bei dem Vertreter des "Bürgerdialog Stromnetz" vor Ort waren. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert diesen Dialog zwischen Bürgern und Vertretern der Stromanbieter, in diesem Fall Tennet, dem Betreiber des Übertragungsnetzes. "Wir wünschen uns einen tatsächlichen Dialog", sagt Andrea Platzer dazu, nur informiert zu werden, genüge nicht. "Wir sind bereit, an der Trassenfindung mitzuarbeiten."

Man muss auf der Hut sein

Auch wenn der Neubau erst 2026 abgeschlossen werden soll, müsse man rechtzeitig auf der Hut sein, meint Platzer. Stehe einmal ein Plan fest, sei es kaum mehr möglich, noch Einfluss zu nehmen. Weitere Ortschaften, die von der Aufrüstung betroffen sind — beispielsweise Ezelsdorf, das zu Burgthann im Landkreis Nürnberger Land gehört, oder Postbauer-Heng in der Oberpfalz — reagieren jetzt schon schärfer. Sie haben Widerstand gegen die Pläne angekündigt und lehnen die Aufrüstung komplett ab.

Gefordert wird dagegen eine dezentrale Stromversorgung, ein Gedanke, der auch in Raitersaich gut ankommt. Möglicherweise schließt man sich der Allianz gegen das Projekt Stromleitungsverstärkung an.

Söder steht im Wort

Alle Orte berufen sich in ihrer Argumentation auf eine Aussage von Finanz- und Heimatminister Markus Söder, der im März dieses Jahres eine bürgerfreundliche Gestaltung der Stromleitungen gefordert hatte: ein Mindestabstand von 400 Metern zwischen Wohngebäude und Stromleitung. Eine Distanz, die in dem Korridor zwischen Clarsbach und Raitersaich nicht eingehalten werden könnte. Allerdings ist Söders Aussage nur eine Forderung, in ein Gesetz gegossen wurden sie nicht.

Im Dorf wird nun die heute beginnende Kirchweih genutzt, um alle Bürger über die neuesten Trassenpläne zu informieren. Auf Plakaten können sich die Raitersaicher und ihre Gäste ansehen, was auf sie zukommen könnte. Außerdem wird die BI Unterschriftenlisten auslegen, in der die Forderung nach einem echten Bürgerdialog mit Mitspracherecht aufgestellt wird. Wenn danach die Clarsbacher Kärwa feiern, wird auch dort informiert.

BEATE DIETZ

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