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Rangau-und Zenngrundbahn sollen bis Nürnberg fahren

Hauptbahnhof als Endstation - Landkreis Fürth will die Weichen stellen - 23.06.2013 10:00 Uhr

Endstation Fürth, Gleis sieben: Der Landkreis fordert auch für die Cadolzburger Rangaubahn die Weiterfahrt zum Nürnberger Hauptbahnhof. © Scherer


Ein von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) in Auftrag gegebenes Gutachten beschäftigt sich mit der Verbesserung des Schienen-Personen-Nahverkehrs im sogenannten „Korridor Sektor West“. Die Belange des Landkreises sind dabei aber nicht wie gewünscht berücksichtigt.

Für die Langenzenner ist seit Sommer 2012 zumindest schon teilweise Realität, was sich viele Nutzer der Rangaubahn noch wünschen: In den Zug steigen und geradewegs zum Einkaufen oder Arbeiten nach Nürnberg fahren. Diese „Durchbindung“ der Linien, einhergehend mit Verbesserungen bei der Taktung, will der Landkreis realisiert sehen. Das machte Landrat Matthias Dießl im Umwelt- und Verkehrsausschuss deutlich.

Das Problem: Die BEG hat zwar ein auf vier Gruppen verteiltes Variantenspektrum entwickelt und dieses einer Grobbewertung unterzogen. Doch im nächsten Schritt, in dem es nun darum geht, die Vorschläge in einer Standardisierten Bewertung auf ihren Nutzen-Kosten-Faktor, also ihre Wirtschaftlichkeit, zu prüfen, ist keine der vom Landkreis gewünschten Lösungen für Zenngrund- und Rangaubahn mehr berücksichtigt.

Frühzeitig aussortiert

Schon frühzeitig aussortiert, so heißt es in der Pressemitteilung des Landratsamtes, wurde etwa die Variante D1, die einen 30-Minuten-Takt und die jeweilige direkte Anbindung beider Bahnen nach Nürnberg beinhaltet hätte. Begründung: eine fehlende freie Trasse zwischen Fürth und Nürnberg. Das gleiche Problem ließ die zwei Versionen mit 20-Minuten-Takt – A 2.1 (keine Durchbindung der Rangaubahn) und B 2.1 (mit Durchbindung der Rangaubahn) – aufs Abstellgleis fahren.

Die Probleme fehlender Gleiskapazitäten im Bereich Nürnberg/Fürth und der nur in Teilen gegebenen Barrierefreiheit des Fürther Hauptbahnhofs sei auch Inhalt eines Gesprächs mit Staatssekretär Andreas Scheuer vom Bundesverkehrsministerium gewesen, berichtete Dießl, dabei habe er entsprechende Investitionen gefordert. Der Schienen-Korridor Sektor West und insbesondere die Strecke Nürnberg – Neustadt/Aisch – Würzburg gelten bereits heute als derart belastet, dass weder die prognostizierten Steigerungen im Güterverkehr verkraftbar noch der erforderliche Ausbau für den Personennahverkehr möglich ist.

Im Laufe des Verfahrens entwickelte die BEG noch die sogenannte Variante E 1, die sie jetzt favorisiert und auch näher beleuchten will. Diese sieht einen 30-Minuten-Takt auf Zenngrund- und Rangaubahn vor, allerdings soll nur die Verbindung über Langenzenn direkt nach Nürnberg durchrollen. Daneben ergäben sich unter anderem bessere Verbindungen – statt einem dann zwei Züge pro Stunde – von Siegelsdorf nach Nürnberg sowie kürzere Reisezeiten für Nutzer der Rangaubahn mit dem Ziel Erlangen.

Der Landkreis hatte die BEG vor vier Wochen darum gebeten, auch die Alternative C 4 in der Standardisierten Bewertung zu berücksichtigen. Demnach würden Zenngrund- und Rangaubahn am Fürther Hauptbahnhof gekoppelt und von dort nach Nürnberg fahren. Die BEG habe das Ansinnen abgelehnt, sagte der Landrat und erläuterte, dass diese „Flügelung“ der Linien insbesondere bei Verspätungen problematisch sei. Wenn ein Zug auf den anderen warten müsse, führe dies zu Unmut bei den Fahrgästen.

Näher untersucht wird dagegen auf Wunsch der Stadt Nürnberg ein Vorschlag, der Jahrzehnte alte Planungen aufwärmt: die Anbindung der Rangaubahn über die Gleise der Ringbahn zum Nürnberger Nordostbahnhof und weiter nach Gräfenberg (die FLN berichteten). „Etwas überraschend“ sei die Angelegenheit gekommen, räumte Dießl ein. Der Landkreis sei im Vorfeld nicht informiert gewesen.

„Kombilösung“ ohne Chance

Daran anknüpfend stellten nun Bündnis 90/Die Grünen im Verkehrsausschuss noch ein weiteres Modell zur Diskussion. Die „Kombi-Lösung“ sieht vor, dass Zenngrund- und Rangaubahn abwechselnd von Fürth aus zum Nordostbahnhof beziehungsweise zum Nürnberger Hauptbahnhof fahren. Kreisrätin Marianne Schwämmlein verwies auf Möglichkeiten für Pendler und einen vom Verkehrsclub Deutschland ermittelten Kosten-Nutzen-Faktor von 1,57.

Dagegen regte sich Widerspruch: „Die Gräfenbergbahn ist keine Alternative“, sagte Michael Bischoff (SPD). Zwar gebe es keine belastbaren Daten, aber seiner Kenntnis nach wollten die Leute, nicht zuletzt mit Blick auf den fehlenden ICE-Halt in Fürth, zum Nürnberger Hauptbahnhof.

Matthias Dießl riet dazu, sich als Landkreis klar zu positionieren. Schließlich sei man nicht Herr des Verfahrens und werde von der BEG über den Zweckverband Verkehrsverbund Großraum Nürnberg „nur gehört“. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss beschloss denn auch einstimmig, weiterhin auf der direkten Verbindung für beide Linien nach Nürnberg zu beharren. Die Variante E 1 könne nur „als Zwischenschritt mit ersten Verbesserungen“ betrachtet werden. Nichts kann der Landkreis Fürth der Verknüpfung von Rangau- und Gräfenbergbahn abgewinnen. Derzeit sei kein verkehrlicher Mehrwert zu erkennen, heißt es in dem Beschluss: „Davon ist deshalb abzusehen.“

Mit heißer Nadel wird bei den Neuerungen ohnehin nichts gestrickt. Der Planungshorizont, schreibt die Verwaltung, beziehe sich auf die Jahre 2025 und folgende.

Harald Ehm

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