Hohe Corona-Zahlen

Ratloses Rathaus: Warum ist die Inzidenz in Fürth so hoch?

12.5.2021, 06:00 Uhr
Trotz aller Vorschriften und Sicherheitsmaßnahmen ist die Inzidenz in Fürth noch immer ungewöhnlich hoch. Eine Erklärung dafür hat niemand. 

Trotz aller Vorschriften und Sicherheitsmaßnahmen ist die Inzidenz in Fürth noch immer ungewöhnlich hoch. Eine Erklärung dafür hat niemand.  © Foto: Wolfgang Händel

Nachdem die Zahlen zuletzt leicht gesunken waren sind sie jetzt sogar wieder etwas gestiegen – auf 197,7 am gestrigen Dienstag. Die Gründe dafür? Unbekannt! Selbst in der städtischen "Elefantenrunde", in der sich der OB und seine Referenten immer dienstags treffen, war man gestern ratlos.


Kurve zeigt nach oben: Fürths Inzidenz steigt weiter


Es gebe keine Hotspots, die häufig für eine Zunahme des Infektionsgeschehens verantwortlich sind – weder in Firmen noch in Kindertagesstätten, sagt auch Christian Ell, der als Pressesprecher des Landratsamts Fürth für Stadt und Landkreis zuständig ist.

Doppelzählungen, die jüngst das Ergebnis in Nürnberg verfälscht haben, seien für Fürth ebenfalls auszuschließen – man habe das überprüft, so Ell auf FN-Nachfrage. Und auch Altenheime seien dank der Impffortschritte kaum betroffen.

Deshalb bliebt es bei der reichlich vagen und unbefriedigenden Antwort, verantwortlich für die hohe Inzidenz sei ein "diffuses Infektionsgeschehen". Das heißt: Die Menschen stecken sich schlicht untereinander an – seit sich die englische Virusmutation durchgesetzt hat, die als besonders ansteckend gilt, noch schneller als vorher. "Jetzt sind nicht mehr nur ein oder zwei Personen aus einer Familie betroffen, sondern gleich alle", so Ell.

Die berühmten Brennpunkte, die es in anderen Städten gibt und in denen sich Corona aufgrund von Armut und Enge besonders leicht verbreitet – sie fehlen nach allgemeiner Einschätzung in Fürth. Das Gesundheitsamt hat zwar bei einer Auswertung nach Postleitzahl festgestellt, dass die Fallzahl im Bereich 90763 am höchsten ist – das ist die Fürther Südstadt. "Aber in der Südstadt leben einfach auch bei weitem die meisten Menschen", sagt Stadtsprecherin Susanne Kramer.

Die Konsequenz aus der gleichbleibend hohen Inzidenz: Die besonders strikten Beschränkungen in Fürth wurden bis zum 15. Mai verlängert. Als die Zahlen am 26. April den vorläufigen Höchstwert von knapp über 300 erreichten, hatte die Stadt in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt nachjustiert – und eine Allgemeinverfügung mit Maßnahmen erlassen, die noch über die Regelungen der sogenannten Bundes-Notbremse und der zwölften Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung hinausgehen.

Strengere Bestimmungen

"Aktuell hat Fürth strengere Bestimmungen als die meisten anderen Kommunen in Bayern", bestätigt Jürgen Tölk, Leiter des Ordnungsamts. So gilt für Beschäftigte in Büros mit mehr als zwei Personen eine Maskenpflicht auch am Arbeitsplatz; der Verkauf von offenen alkoholischen Getränken im Stadtgebiet ist untersagt, Versammlungen müssen "ortsfest" stattfinden, Demonstrationszüge sind nicht erlaubt.

Weggefallen ist nur die Regelung, wonach die Notbetreuung dem Nachwuchs von Eltern vorbehalten bleibt, die in systemrelevanten Berufen – etwa in der Pflege oder bei der Polizei – arbeiten. Jetzt können wieder alle Kinder kommen, für die es keine andere Möglichkeit gibt.

Die Stadt plant nun – zusätzlich zum Info-Material, das schon seit Beginn der Pandemie an verschiedenen Stellen ausliegt – eine Aufklärungskampagne: Man will die Bevölkerung dazu aufrufen, sich impfen zu lassen. Mehrsprachige Videoclips sollen gedreht werden, um auch Menschen mit Migrationshintergrund zu erreichen, bei denen noch Sprachbarrieren bestehen. Auch die Vorsitzenden von Religionsgemeinschaften und Verbänden will man gezielt ansprechen.

"Damit verbunden ist noch einmal der Appell, vorsichtig zu sein, Abstands- und Hygieneregeln zu beherzigen", sagt Susanne Kramer. Am Beispiel von Bundesinnenminister Horst Seehofer könne man schließlich sehen, wie leicht man sich sogar nach der ersten Impfung noch anstecken kann...