20°

Montag, 06.04.2020

|

zum Thema

Rechtsextreme Demonstration in Fürth

Neonazis hatten offenbar über Nacht einen Umzug angemeldet, Polizei sah keine Handhabe dagegen - 19.02.2012

Neonazis veranstalteten überraschend eine Demonstration in Fürth. © News5


Laut dem seit einiger Zeit liberalisierten Versammlungsrecht habe man  die Demonstration genehmigen müssen, sagte Polizeisprecher Robert Sandmann im Gespräch mit den Fürther Nachrichten. Man habe lediglich mit Auflagen reagieren können; so sei die gewünschte Route durch die Fußgängerzone abgelehnt worden, stattdessen zogen die Rechtsextremen laut Sandmann von der Stadthalle aus durch die Hirschenstraße und die Maxstraße über den Bahnhofplatz bis zur Freiheit.

Angemeldet worden sei die Demo von einem bekannten Vertreter des "rechten Spektrums im Großraum", so Sandmann, dessen Namen er  jedoch nicht nennen wollte. In den Reihen der Teilnehmer befanden sich allerdings etliche Vertreter des  rechtsextremen "Freien Netzes Süd" um den Stadelner Matthias Fischer.

Hintergrund war ein für diesen Samstag in Dresden geplanter Aufmarsch von Neonazis, gegen den Tausende auf die Straße gingen und der  wieder abgesagt worden war. In Fürth war deshalb auch die Bombardierung Dresdens vor 67 Jahren zentrales Thema auf Spruchbändern und in einschlägigen Redebeiträgen.. Aus diesem Anlass waren bereits am vergangenen Montag etwa 1.600 Rechte in der sächsischen Hauptstadt aufmarschiert.

In der Nacht nach der Demonstration von Rechtsextremisten wurde ein Anschlag auf den antifaschistischen Infoladen Benario verübt. © News5


Die Veranstaltung in Fürth sei "störungsfrei" verlaufen, so die Polizei, bei der Bevölkerung sei sie "nur auf geringes Interesse" gestoßen. Wegen der Kurzfristigkeit kam es offenbar auch nicht  zu Gegendemonstrationen im üblichen Ausmaß - der Auftritt der rechten Szene war schlichtweg kaum bekannt. Lediglich an der Fürther Freiheit hätten laut Polizei etwa 50 Passanten ihrem Unmut  durch Zwischenrufe Luft gemacht.

Anschließend habe die Schlusskundgebung vor dem Fürther Hauptbahnhof stattgefunden. "Nach mehreren Redebeiträgen war die Veranstaltung gegen 14.15 Uhr beendet", vermerkt das Polizeiprotokoll.

Vorwürfe aus Antifa-Kreisen, die Polizei habe versucht, „den Gegenprotest im Keim zu ersticken“, weist Sprecher Sandmann, der selbst vor Ort war,  zurück. Davon könne nach seinen Erkenntnissen keine Rede sein.

Bestätigen kann die Polizei dagegen, dass in der Nacht zum Sonntag eine  Scheibe des „Infoladens Benario“, eines  Treffs der Fürther Antifa-Szene in der Nürnberger Straße, eingeworfen und der Rollladen demoliert wurde. Für die  Betreiber des Ladens steht fest, dass die Täter aus dem Neonazi-Lager stammen. Die Polizei hat Spuren gesichert und ermittelt auch in diese Richtung, hieß es am Sonntag auf FN-Anfrage. Anwohner gaben an, gegen zwei Uhr einen Knall gehört zu haben, danach sei ein dunkel gekleiderter Mann davongerannt. Mögliche Zeugen werden gebeten, sich unter der Rufnummer (0911) 21123333 zu  melden.

In den vergangenen Monaten waren, wie berichtet, auf das Eigentum von Antifaschisten in der Region mehrere Anschläge  verübt worden, die dem rechten Spektrum zugerechnet werden.

Wolfgang Händel

102

102 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth