Montag, 17.02.2020

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Ringen um den Fürther Wochenmarkt geht in die heiße Phase

Grundsatzbeschluss soll die Standortsuche auf Adenaueranlage und Bahnhofplatz beschränken — Neues Gutachten wird heftig kritisiert - 18.01.2015 10:00 Uhr

Derzeit werden Obst und Gemüse noch immer provisorisch neben dem Centaurenbrunnen am Bahnhofplatz angeboten, künftig sollen sich Standort, Umfang und Attraktivität ändern. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Welchen Standort in der Innenstadt man auch immer bevorzugt, Einigkeit besteht in einem Punkt: Es muss ein festes Quartier sein, endlich ein Ende haben soll das jahrzehntelange Nomadendasein der Obst- und Gemüsehändler. Von ihrem angestammten Quartier auf der Freiheit mussten sie zuletzt sage und schreibe 28 Wochen des Jahres weichen, weil auf Fürths zentralstem und größtem Platz mehr und mehr Veranstaltungen stattfanden.

Keine große Lösung

Seit 2013 sind die Stände der derzeit zwölf Beschicker deshalb neben dem Centaurenbrunnen auf dem Bahnhofplatz gruppiert – mehr schlecht als recht, denn im Grunde sollte auch dies ein Provisorium bleiben, bis man eine adäquate Fläche gefunden hat. Nun rückt die Entscheidung näher, und sie birgt durch den Vorstoß des Fürther Unternehmers Jochen Schreier mehr Konfliktpotenzial denn je. Wie mehrfach berichtet, hatte Schreier im Frühjahr 2014 völlig überraschend einen großangelegten „Schnabuliermarkt“ angeregt, der den gesamten Mittelteil der Adenaueranlage in Beschlag nehmen würde.

Schnell wurde viel Sympathie geäußert, aber auch viel Kritik von jenen, die sich den Eingriff in die Grünanlage verbitten. Von der opulenten Schreier-Lösung, das darf inzwischen als sicher gelten, hat sich das Rathaus bereits verabschiedet, doch der begehrliche Blick auf ein kleineres Angebot an dieser Stelle bleibt.

Auch die von der Stadt in Auftrag gegebene Expertise des Büros „SK Standort & Kommune“ lenkt nun das Augenmerk auf die Adenaueranlage. Für eine Befragung über Nutzungsverhalten und Erwartungen, die als Basis dient, hatte man 4000 Innenstadt-Haushalte angeschrieben, 20 Prozent reagierten; die Meinungen von Passanten, der Markt- und der Innenstadthändler wurden eingeholt, zudem Vergleiche mit anderen Städten ähnlicher Größe angestellt, in denen das Angebot durchweg üppiger ausfällt.

Fazit und Empfehlung von „Standort & Kommune“: In Fürth sei das Potenzial für einen Markt bei weitem nicht ausgeschöpft. Man solle das Spektrum deshalb auf zunächst rund 20 Stände (späteres Ziel: 30) mit zusätzlichem Anreiz wie regionalen Spezialitäten und Gastronomie ausweiten – und: Wegen der Nähe zu und der Wechselwirkung mit der innerstädtischen Einkaufslandschaft komme dafür allein die Adenaueranlage in Frage. Alle anderen untersuchten Standorte – Bahnhofplatz, Freiheit, Breitscheidstraße entlang der Adenaueranlage und Grüner Markt – genügen nach Ansicht des Expertenbüros aus verschiedensten Gründen nicht den Ansprüchen.

Die Stadtspitze folgt dem zum Teil, aber nicht vollständig. Am Montag soll beschlossen werden: Gesucht wird ein fester Standort mit „echtem Marktcharakter“ in städtischer Regie, er umfasst „15 bis 25 Stände“, durchschnittlich 25 bis 30 Quadratmeter groß. Ein Wochenmarkt dieses Umfangs, so der zuständige Wirtschaftsreferent Horst Müller auf FN-Nachfrage, sei aber sowohl in der Adenaueranlage als auch in den seitlichen Trakten des Bahnhofplatzes vorstellbar, die der Verein „Wir sind Fürth“ als Alternative ins Gespräch gebracht hat.

Deshalb, so der Beschlussvorschlag, sollen diese beiden Varianten bis zum Herbst in einer Machbarkeitsstudie untersucht werden. Verworfen habe man jegliche Art von Markthalle, wie sie ein Architekt an Stelle des Paradiesbrunnens angeregt hatte. Es gebe, so Müller, „in ganz Süddeutschland keine Halle, die funktioniert“. Auch alle Versuche, doch noch den Standort Freiheit zu retten, sind in seinen Augen fruchtlos; die Konflikte mit den Veranstaltungen könne man einfach nicht aus der Welt schaffen.

„Externer Sachverstand“

Müller betont: In den Entscheidungsprozess soll nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch „externer Sachverstand“ eingebunden werden, zudem die „Stadtgesellschaft“. Müller kann sich etwa ein regelmäßig tagendes „Forum mit öffentlicher Diskussion“ vorstellen – in dem dann auch die Kritiker einer Nutzung der Adenaueranlage zu Wort kommen könnten.

Die haben sich freilich schon vorab in sehr scharfer Form positioniert: Das „Bündnis für Innenstadtgrün“, in dem unter anderem der Bund Naturschutz, das Sozialforum und der Seniorenrat vertreten sind, lehnt einen Grundsatzbeschluss zum jetzigen Zeitpunkt als verfrüht ab, liege das Gutachten doch gerade einmal ein paar Tage vor.

Zudem enthalte die Untersuchung „eine Reihe nicht nachvollziehbarer Bewertungen und Widersprüche“. So steht auch die im jetzigen Ausmaß geplante Nutzung der Adenaueranlage nach Einschätzung des Bündnisses „im krassen Gegensatz“ zur Zusage des Oberbürgermeisters, die Grünfläche bleibe vollständig erhalten und Boden werde nicht versiegelt. Die Kritiker fordern den OB auf, vor weiteren Schritten zunächst eine Bürgerbeteiligung zu ermöglichen, in der die Expertise hinterfragt werden kann.

 

WOLFGANG HÄNDEL

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