Run auf Schließfächer

16.1.2017, 06:00 Uhr
Begehrte Schatzkammern: In einzelnen Fürther Bankfilialen sind Schließfächer bereits knapp, so etwa in der zentral gelegenen Sparkassen-Hauptstelle in der Maxstraße. Zutritt haben die Kunden in den Tresorraum nur zusammen mit einer Bankmitarbeiterin, die die Fächer aber nicht öffnen darf und nur für das Foto so tut, als würde sie aufsperren.

Begehrte Schatzkammern: In einzelnen Fürther Bankfilialen sind Schließfächer bereits knapp, so etwa in der zentral gelegenen Sparkassen-Hauptstelle in der Maxstraße. Zutritt haben die Kunden in den Tresorraum nur zusammen mit einer Bankmitarbeiterin, die die Fächer aber nicht öffnen darf und nur für das Foto so tut, als würde sie aufsperren. © Foto: Edgar Pfrogner

Bei der Sparkasse Fürth ist man entspannt: Von den 6600 Schließfächern seien aktuell noch 2300 frei. Gleichwohl sei in einzelnen der 27 Filialen in Stadt und Landkreis Fürth bereits nahezu Vollbelegung erreicht, allen voran in der Hauptstelle in der Maxstraße, berichtet Cornelia Seifert, die bei dem Kreditinstitut für Marketing und Kommunikation zuständig ist. „Die Schließfächer dort sind zentral gelegen und gut mit dem Bus zu erreichen“, sagt Seifert. „Für viele Kunden scheint das wichtiger zu sein, als das Schließfach dort zu mieten, wo sie ihr Konto haben.“

Stillschweigen über Inhalt

Auch lagerten Kunden in den Tresorräumen der Bank keineswegs nur Brillanten, Schmuck und andere teure Dinge ein, räumt die Sparkassen-Mitarbeiterin mit einem verbreiteten Klischee auf. Von Kollegen wüsste sie etwa, dass viele einfach ihre Auto- und Ausweispapiere sowie Versicherungspolicen in Schließfächern deponierten. Was tatsächlich darin liegt, wissen die Banken aber nicht. Das ist rechtlich verboten – ebenso wie es nicht erlaubt ist, Drogen, Waffen und explosive Gegenstände in den teils schrankgroßen Safes zu hinterlegen.

Angespannter ist die Schließfach-Situation bei der CVW-Privatbank in Wilhermsdorf. „In zwei unserer drei Filialen sind wir praktisch ausgebucht“, berichtet Vorstandsvorsitzender Stephan Gehlert. „Aber wir sind ja nur eine kleine Bank.“ Um wieder freie Kapazitäten bieten zu können, hat das Finanzinstitut neue Tresore bestellt, die in den nächsten Tagen eintreffen sollen und etwa 100 zusätzliche Safes bieten werden. Diese seien der höchsten Sicherheitsstufe zuzuordnen und nicht nur gegen Diebstahl, sondern etwa auch gegen Hochwasser bestens geschützt, sagt Gehlert und erklärt: „Wir legen Wert auf extrem hochwertige Schließfächer.“

Attraktiver für Neukunden

Durch diese Investition könne die CVW-Bank nun an allen Standorten den hohen Anforderungen gerecht werden, die Versicherungen stellten, wenn beispielsweise Kunden ihre bei der Bank eingelagerte, wertvolle Uhrensammlung mit einer Police schützen wollen. Der Tresorkauf sei zum einen wegen der deutlich gestiegenen Nachfrage erfolgt, zum anderen mit dem Hintergedanken, für potenzielle Kunden aus Fürth, Erlangen und Nürnberg attraktiver zu werden, erläutert der Vorstandsvorsitzende.

Die Volksbank-Raiffeisenbank (VR-Bank) in Fürth ist den Umstand des knapper werdenden Tresorraums von der anderen Seite her angegangen und hat vergangenes Jahr – wie viele andere Finanzinstitute auch – ihre Safe-Gebühren erhöht. „Manche Kunden haben dann offenbar festgestellt: So wertvolle Sachen habe ich doch nicht und ihren Vertrag gekündigt“, berichtet Vorstand Klaus Gimperlein.

Mit aktuell 422 freien von insgesamt 1545 Schließfächern und damit einer Auslastung von circa 70 Prozent liegt das Finanzinstitut im bundesweiten Mittel, den das Handelsblatt in seiner Umfrage unter 25 Geschäftsbanken, Sparkassen und Volksbanken ermittelt hat. Bei der Stadtsparkasse München sind demnach 95 Prozent der Schließfächer ausgebucht, bei der Sparda-Bank West in Düsseldorf sogar 98 Prozent.

Bei der Sparda-Bank in Fürth gibt es indes aktuell noch keine Schließfächer. Allerdings beobachte das Kreditinstitut aus Nürnberg seit einiger Zeit ebenfalls eine steigende Nachfrage nach Tresorraum, wie Pressesprecher Frank Büttner berichtet.

Wartelisten sind noch selten

Wartelisten seien trotzdem meist noch nicht nötig. Sie gebe es bislang lediglich an einigen prominenten Standorten, wie in der Nürnberger Eilgutstraße. Ob und wie der Inhalt eines Schließfachs versichert ist, variiert von Kreditinstitut zu Kreditinstitut. Die VR-Bank in Fürth etwa hat 2016 im Zuge der Preiserhöhung auch die eingeschlossene Standardversicherung ausgeweitet. Diese erstrecke sich jetzt auf Gegenstände im Wert von bis zu 15 000 Euro – statt von vormals 10 000 Euro, so Gimperlein.

Laut Bankenverband ist ein kleines Schließfach, das etwa die Größe eines Aktenordners hat, ab 30 Euro im Jahr zu haben. Diese Gebühr erhöht sich entsprechend, wenn der Tresorraum nicht nur während der Öffnungszeiten des Finanzinstituts, sondern rund um die Uhr zu erreichen ist.

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