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S-Bahn-Bau: Fürth lässt nicht locker

Gegner des Verschwenks durchs Knoblauchsland fordern Fortsetzung des Dialogs - 02.02.2011 22:00 Uhr

Der Streit um den Fürther "Verschwenk" hält bereits seit Jahren an. © Winckler


Wie mehrfach berichtet, hatte eine neue Nutzen-Kosten-Analyse für die von Freistaat und Bahn favorisierte Strecke mit dem Schwenk über einen neuen Haltepunkt bei Steinach einen Indikator von 1,18 ergeben. Der von Fürth bevorzugte S-Bahn-Verlauf entlang der bestehenden Strecke nach Erlangen mit dem Erhalt des Bahnhofs Vach verfehlte dagegen knapp den notwendigen Nutzen-Kosten-Indikator von 1,0.

Die zuständige Staatssekretärin im bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium, Katja Hessel, ist deshalb der Ansicht, die Angelegenheit sei „nunmehr entscheidungsreif“, der S-Bahn-Verschwenk „alternativlos“. Weitere Verzögerungen des Projekts müssten verhindert werden, so die FDP-Politikerin. Nächster Schritt sei deshalb ein Erörterungstermin für das Vorhaben, der bereits für dieses Frühjahr terminiert werde.

Breite Unterstützung

Das aber lehnen die Gegner entschieden ab. Nach Ansicht des Aktionsbündnisses und der Stadt besteht „weiterhin umfangreicher Gesprächs- und Klärungsbedarf“. Die Ergebnisse des Gutachtens seien keineswegs „so eindeutig, wie dies von Seiten der Staatssekretärin vermittelt wird“, finden die beiden Sprecher Harald Riedel und Lothar Wüstner. So erreiche der Ausbau der Bestandsstrecke einen Nutzen-Kosten-Faktor von 0,97 – und liege somit „provozierend nahe“ an dem für eine Förderfähigkeit erforderlichen Wert von 1,0, sagt OB Thomas Jung.

Zudem sei der Faktor „durch einen Kunstgriff“ gedrückt worden: In der Expertise tauche unter „Unvorhergesehenes“ ein Posten in Höhe von fünf Prozent der gesamten Baukosten auf, die keine der vorhergehenden Untersuchungen enthalten habe. Bündnis und OB verlangen vom Wirtschafts- und Verkehrsministerium „eine plausible Erklärung“ dafür.

Die Stadt Fürth hat angekündigt, die Ergebnisse durch eigene Gutachter überprüfen zu lassen, auch den Klageweg hält sich die Kommune offen. Sie kann dabei weiterhin auf breite Unterstützung aus allen politischen Lagern bauen: Sowohl die beiden Landtagsabgeordneten von SPD und CSU als auch die drei Bundestagsabgeordneten von SPD, CSU und Grünen sowie alle Stadtratsfraktionen haben sich dem Widerstand gegen den S-Bahn-Verschwenk angeschlossen.

Das Aktionsbündnis hat inzwischen Petitionen an den bayerischen Landtag und den Bundestag gerichtet. Die Abgeordneten sollen zu einem Vor-Ort-Termin in den Fürther Norden eingeladen werden.

Fürths Rathauschef nutzte bereits den Neujahrsempfang am Montag, um den „auswärtigen Gästen“ zu erklären, warum man so konsequent gegen die Planungen der DB ins Feld zieht. Der Verschwenk sei in keiner Weise nachvollziehbar, denn er zerstöre nicht nur Landwirtschaft und Natur, sondern führe auch zu längeren Fahrzeiten und höheren Baukosten. Zudem verschlechtere er die Versorgung der Bahnkunden, weil der vorgesehene Haltepunkt Steinach „ohne jede Erschließung fernab von Wohngebieten und Gewerbe im Ackerland liegt“, wie Jung moniert.

Das nächste Treffen des Aktionsbündnisses findet diesen Donnerstag um 19.30 Uhr im Gasthaus Weigel, Kronacher Wende 2, in Fürth-Kronach statt. Weitere Informationen im Internet unter www.pro-s-bahn.fuerth.org

  

Wolfgang Händel

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