Salimi und Körbl: Fraktionschefs gehen in Fürth an den Start

Wolfgang Händel
Wolfgang Händel

Leiter Lokalredaktion Fürth

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29.4.2020, 16:00 Uhr
In Fürth halten die Diskussion über politische Machtoptionen an.

In Fürth halten die Diskussion über politische Machtoptionen an. © Hans-Joachim Winckler

Kamran Salimi heißt der neue Chef bei den Grünen. Einstimmig sei der OB-Kandidat seiner Partei von der nun zehn Köpfe umfassenden Fraktion ins Amt gewählt worden, heißt es in einer Mitteilung – nachdem der bisherige Fraktionsvorsitzende Harald Riedel aus freien Stücken und "im besten Einvernehmen", wie er auf FN-Nachfrage beteuerte, verzichtet hatte.

Neu an der Spitze der Grünen-Fraktion: Kamran Salimi.

Neu an der Spitze der Grünen-Fraktion: Kamran Salimi.

Interessanter als das offiziell Verlautbarte ist, was Salimi, ebenfalls auf Nachfrage unserer Redaktion, am Dienstag zum Thema dritter Bürgermeister zu sagen hatte. Für die Grünen stelle dieser Posten, der laut OB vor allem repräsentative Aufgaben umfassen soll, keine Option dar. "Kokolores" sei ein derartiger "Grußonkel", so Salimi, "Inhalte sind uns wichtiger als Händeschütteln".

Als künftig zweitstärkste Kraft auf Fürths politischer Bühne stelle man sich vielmehr ein reinrassiges Umweltreferat vor, für dessen Leitung die Grünen das Vorschlagsrecht haben müssten und in dem die Themen Klimapolitik und Verkehrswende vorangetrieben werden. Es soll aus dem bisherigen Referat III, zuständig für Umwelt, Klimaschutz, Recht und Ordnung, herausgelöst werden.

Salimi zufolge gibt es indes seitens SPD und CSU bisher keine Bereitschaft, diesem Wunsch zu entsprechen. Kaum verwunderlich bei einem SPD-Oberbürgermeister, der aus seinem erheblichen Fremdeln mit den Grünen kein Hehl macht.

Die CSU wiederum darf sich begründete Hoffnung auf ein geplantes drittes Bürgermeisteramt machen. 

"Große Sympathien"

Die Linke beantragt eine Verschiebung des Votums in den künftigen Rat, alles andere sei "undemokratisch". Man habe, sagt Salimi, "große Sympathien" für diese Haltung, es handle sich schließlich "um eine weitreichende Entscheidung" – und die müsse der neue Stadtrat treffen.

Unabhängig davon hat die Grünen-Fraktion ihre Ziele für ihre weitere Ratsarbeit definiert. Neben dem Klimaschutz und der Verkehrswende werde man vor allem "nachhaltiges Wirtschaften und eine aktive Stadtentwicklung mit bezahlbarem Wohnen" im Blick haben. Zudem setze man sich den "Schutz der vielen Baudenkmäler, die Förderung von Kultur und Bürgerbeteiligung sowie eine gute Bildung und Kinderbetreuung" zum Ziel. Stellvertreterin des gelernten Krankenpflegers Salimi (50), der inzwischen als Personalrat am Klinikum arbeitet, wird die neu in den Rat gewählte, studierte Wirtschaftswissenschaftlerin Gabriele Zapf (62) sein.

Keine Überraschungen gab es unterdessen bei der Fraktionsvorsitzenden-Wahl der SPD: Realschullehrer Sepp Körbl, der das Amt bereits seit 2008 bekleidet, wurde bei nur einer Nein-Stimme sowie einer Enthaltung wiedergewählt. Als Stellvertreterinnen und Stellvertreter bestätigte die SPD-Fraktion Birgit Arnold, Benedikt Döhla, Maurice Guglietta und Maria Ludwig.

Wie gehabt Chef der SPD-Fraktion: Sepp Körbl.

Wie gehabt Chef der SPD-Fraktion: Sepp Körbl.

Einig waren sich die Genossen bei einer weiteren zentralen Personalie: Markus Braun soll dem Stadtrat erneut als Bürgermeister vorgeschlagen werden. Da die SPD mit 22 Sitzen nicht mehr über die absolute Mehrheit verfügt, ist Braun diesmal allerdings auf Stimmen aus anderen politischen Lagern angewiesen.

 

"Seriöser Umgang"

 

Mit Blick auf die Herausforderungen infolge der Corona-Krise zeigte sich Körbl von der eigenen Leistungsfähigkeit überzeugt: "Wenn eine Partei im Fürther Stadtrat bewiesen hat, dass sie sich aufs Meistern großer Herausforderungen versteht, dann ist es die SPD", so der 58-Jährige.

Das vom OB in den vergangenen Jahren vorangetriebene und von der SPD-Fraktion mitgetragene Ziel der Schuldentilgung stehe "beispielhaft für einen seriösen und verantwortungsbewussten Umgang mit den städtischen Finanzen – ohne dabei soziale und ökologische Aufgabenfelder aus den Augen zu verlieren".

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