Elektromarkt-Leerstand

Saturn: Kriegt Fürth noch einen Lebensmittel-Hotspot?

Matthias Boll
Matthias Boll

Lokalredaktion Fürth

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9.10.2021, 11:00 Uhr
Das war’s: Ende September schloss die Saturn-Filiale in der Würzburger Straße.

Das war’s: Ende September schloss die Saturn-Filiale in der Würzburger Straße. © Foto: Wolfgang Händel

Seit 27. September ist die Fürther Saturn-Filiale in der Würzburger Straße nach 13 Nutzungsjahren ein Fall von gestern.

Groß ist seit Juni, als die Nachricht vom Saturn-Abflug infolge der Ausdünnung der Media-Markt-Saturn-Kette die Runde machte, die Hoffnung, dass in dem ausladenden Gebäude – Nutzfläche: 7500 Quadratmeter – die Kultur einzieht. Direkter Nachbar, so argumentierte die Fürther Grünen-Stadtratsfraktion seinerzeit, sei das Kulturforum. Was läge näher, anstelle eines deprimierenden Saturn-Leerstands Künstlerateliers und Proberäume zu etablieren.

Ein Traum, der natürlich zu romantisch ist, um wahr zu sein, auch wenn Stadtrat Felix Geismann betont, dass die Grünen weiterhin an ihrer Kultur-Forderung "voll und ganz" festhalten. "Ich kann den Eigentümern nichts vorschreiben", sagt Wirtschaftsreferent Horst Müller, der seit Juli in Kontakt mit der Activest Fondsgesellschaft in Unterföhring steht. Ein Kauf der kompletten Immobilie durch die Stadt sei eh ausgeschlossen, schon der Mietzins für die Saturn-Filiale soll atemberaubend gewesen sein. Doch zeichnen sich jetzt, im Oktober, immerhin Konturen einer möglichen Lösung ab.

Nicht noch ein E-Center

So berichtete Müller jetzt im Wirtschaftsausschuss, dass der Eigentümer auf eine "schnelle Nachnutzung" dränge und mit einem potenziellen Hauptmieter "aus dem Handelsbereich" fürs Erdgeschoss verhandle – was bedeuten kann, dass dem XL-Bau entgegen mancher Unkenrufe nicht die Abrissbirne droht.

Ein Hauptmieter aus dem Handelsbereich? Den FN sagt Müller, er habe dem Eigentümer Firmen genannt, "die wir in Fürth noch nicht haben"; es könne jetzt, zumal nach der Flair-Eröffnung vor wenigen Tagen, nicht sein, "dass eine in 15 Jahren wiederbelebte Innenstadt nun wieder Druck von außen bekommt", sprich: Vermeiden will Müller unbedingt, dass am Saturn-Standort, am Einfallstor zur Innenstadt, zum Beispiel auf vier bereits existierende E-Center das fünfte folgt.

Die Initiative des Referenten sei auf offene Ohren gestoßen – und in der Tat verhandelt der Eigentümer nun mit einem Vollsortimenter-Platzhirsch der Lebensmittelbranche. Um den Erfolg dieser Verhandlungen nicht zu gefährden, nennt Müller keinen Namen, doch zumindest im Ausschuss legte er den Mitgliedern eine bislang ungeknackte Rätselnuss hin mit den Worten: "Wir haben in Fürth alle Großen im Lebensmittelsegment – bis auf einen." Dass es zu einem raschen Verhandlungserfolg kommt, wagt aber auch Müller nicht zu prognostizieren.

Dramatische Parksituation

Dennoch bleibt die Stadt Fürth am Ball, denn im zweiten Obergeschoss des Saturn-Gebäudes stehen Büros und Schulungsräume leer – Räume, die zudem keinen Lebensmittel-Big-Player interessieren dürften. Hier könnte sich dem Referenten zufolge eine Chance für eine kulturelle Nutzung auftun, "ich lote gerade die finanziellen Bedingungen aus".

Und was sagen die Nachbarn? "Natürlich stellen wir uns alle hier die Frage, mit was und wem dieses riesige Gebäude wieder zum Leben erweckt werden kann", sagt Kulturforum-Programmchefin Annette Wigger. "Kultur wäre selbstverständlich ein Traum, aber das wird, insbesondere nach der wirtschaftlich herausfordernden Pandemie, wohl ein solcher bleiben."

Dramatischer sei derzeit die Schließung der Parkgarage, die mit der Saturn-Schließung einherging. "Wo sollen die Gäste unserer Veranstaltungen und des Restaurants parken?", fragt Wigger auch vor dem Hintergrund des wegen des Hotel-Neubaus geschrumpften Stadthallen-Parkkontingents auf der anderen Seite der Maxbrücke. Klar, es gebe Busse und eine U-Bahn, die vor der Tür hält; dennoch "wird uns die Schließung langfristig Besucher kosten". Auch erschwere sie die Bemühungen, das Publikum nach der Pandemie zurückzuholen, immens.

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