Schädlinge: Der Buchsbaumzünsler quält die Gärtner

16.8.2017, 11:00 Uhr
Sie fressen Buchsbaumbüsche kahl, legen Eier und verkleben die Pflanzen mit ihren Fäden: Dass sich der Buchsbaumzünsler gut tarnt, macht ihn umso unsympathischer für viele Gärtner.

Sie fressen Buchsbaumbüsche kahl, legen Eier und verkleben die Pflanzen mit ihren Fäden: Dass sich der Buchsbaumzünsler gut tarnt, macht ihn umso unsympathischer für viele Gärtner. © Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Jedes Jahr machen die Eichenprozessionsspinner pünktlich zum Sommerstart Schlagzeilen, und das vielerorts. Heuer aber suchten sich die Raupen einen besonders prominenten Tatort aus: Bei Rock im Park meldeten sich Anfang Juni mindestens 13 Festivalbesucher, die eine allergische Reaktion zeigten.

Die giftigen, feinen Brennhaare machen die Raupen des Nachtfalters zur Plage: Besonders viele Härchen verlieren sie im Mai und Juni, wenn sie sich gierig auf die Eichen stürzen, um die Blätter zu fressen. Die Gifthaare werden vom Wind in die Umgebung getragen; wer an einer Eiche mit Gespinstnest vorüberspaziert, kann mit Haaren in Berührung kommen.

Nürnberg scheint heuer besonders gequält worden zu sein: Bis Ende Juni hatte die Stadt schon mehr Nester entfernt als 2016. Im Fürther Landkreis kämpft in diesem Sommer Obermichelbach gegen die Raupen, eine Fachfirma wurde mit der Beseitigung beauftragt. Das Landratsamt warnte zudem davor, dass einige Eichen am Hainberg befallen seien.

In Fürth hingegen habe man diesmal zum Glück keine größeren Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner, sagt Stadtförster Martin Straußberger. Detlef Post vom städtischen Grünflächenamt macht dafür die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren verantwortlich. Man kenne die Standorte der Raupen, so können Spezialfirmen bereits frühzeitig die Bäume von den Nestern befreien, bevor die Tiere die Härchen bilden.

Sollten die Witterungsbedingungen in den kommenden Monaten günstig für die Paarung und fürs Eierlegen sein, drohe 2018 eine massivere Ausbreitung, so Straußberger. Um die zu verhindern, werden jedes Jahr im Winter Zweigproben von den Eichen genommen. Damit können Prognosen für den folgenden Sommer gemacht werden.

Gut getarnt und versteckt

Für mehr Furore in und um Fürth sorgt im Moment der Buchsbaumzünsler. Der Schädling, der, weil er sich gut tarnt und sich von innen nach außen frisst, bei einem Befall erst relativ spät zu erkennen ist, taucht an immer mehr Orten auf – auch versteckte Hinterhöfe der Fürther Innenstadt sind nicht sicher.

Besonders leidet zurzeit Erlangen: Im gesamten Erlanger Stadtgebiet klagen Gartenbesitzer über den Befall ihrer Buchsbaumbüsche und -hecken. Eine Familie musste wegen der grünen Raupen bereits eine vier Meter lange Hecke entfernen.

In Cadolzburg ist es besonders schlimm

Das Fürther Fachgeschäft "Gartenwelt Dauchenbeck" kennt die Plage seit einigen Jahren: Viele Buchsbäume seien betroffen, die Kunden wüssten aber mittlerweile über die Anfälligkeit der Pflanze Bescheid, heißt es auf Nachfrage.

Vor drei Jahren hat sich der Buchsbaumzünsler im Landkreis das erste Mal gezeigt, damals vor allem in der Gegend um Oberasbach. Wie Landschaftsgärtner Mathias Bauer sagt, ist die Lage in Cadolzburg besonders schlimm: " Man kann Buchsbäume im Moment einfach nicht verkaufen." Kaum ein Buchsbaum im Landkreis bleibe verschont, allein in Cadolzburg sitzt auf nahezu jedem Bäumchen einer der großen Falter und legt seine Eier.

Was hilft?

Doch was kann man gegen den lästigen Buchsbaumzünsler tun? Es hilft, mehrmals in der Woche mit der Hand über die Blätter zu gehen und den Schädling zu entfernen. Allerdings übersieht man einzelne Raupen leicht. Die zweite Möglichkeit, der "Bacillus Thuringiensis", ein biologisches Spritzmittel, sei da schon deutlich effektiver, so der Landschaftsgärtner.

Auch mit diesem Insektizid ist die Bekämpfung der Schädlinge sehr aufwendig, die Bäume sollten mindestens einmal in der Woche damit besprüht werden. Bei richtiger Anwendung sind die Erfolgsaussichten allerdings sehr gut. Wird ein Buschsbaum doch mal vom Zünsler verschont, tritt übrigens oftmals ein anderes Problem auf: das sogenannte Buchsbaum-Triebsterben. Ein Pilz namens Cylindrocladium buxicola, der meist an feuchtwarmen Sommern entsteht, dringt dabei über die Blätter in die Pflanze ein und tötet sie mit der Zeit komplett ab.

Wer sich den Kummer und die Mühe sparen möchte, der kann sich nach Alternativen umsehen: Eine dem Buchsbaum nahestehende Pflanze ist beispielsweise die Europäische Eibe, die ähnliche Bedingungen wie der Buchsbaum benötigt.

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