Schliemann-Gymnasium: Umzug zur Wolfsgrubermühle?

11.10.2016, 11:36 Uhr
Auf dem baumbestandenen Gelände neben dem markanten Backsteingebäude an der Mühlstraße kann sich die Stadt das neue Schulgebäude vorstellen. Es wäre nur einen Steinwurf vom alten Standort des Schliemann-Gymnasiums entfernt, das hinter den Gebäuden oben rechts liegt.

Auf dem baumbestandenen Gelände neben dem markanten Backsteingebäude an der Mühlstraße kann sich die Stadt das neue Schulgebäude vorstellen. Es wäre nur einen Steinwurf vom alten Standort des Schliemann-Gymnasiums entfernt, das hinter den Gebäuden oben rechts liegt. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Im Grunde durfte man mit Fug und Recht annehmen, die Angelegenheit habe sich erledigt. Ende Februar des Jahres beugte sich die Stadt dem massiven Widerstand von Kollegium, Schülern, Eltern und einflussreichen Ex-Schülern, die sich mit klarer Mehrheit gegen Umzugspläne gestemmt hatten. Einen Neubau, noch dazu weit weg vom traditionellen Schulquartier im denkmalgeschützten Haus an der Königstraße – das wollten die Betroffenen nicht.

Stattdessen sprachen sie sich für den Weg aus, der seit vielen Jahren vorgezeichnet schien, um die chronische Raumnot endlich zu beseitigen: Das Schliemann bleibt an bewährter Stelle, hinzu kommen neue Flächen in der alten Wache gleich nebenan, die in naher Zukunft von der Feuerwehr geräumt wird, und in einem Anbau im Schliemann-Hof.

Alle Widrigkeiten – Umzüge innerhalb der Gebäude, weniger Platz als in einem neuen Domizil, vor allem aber jahrelanger Baubetrieb während des laufenden Unterrichts – war man bereit, dafür in Kauf zu nehmen.

Die Chefetage im Rathaus nahm’s zähneknirschend zur Kenntnis, einen „Schulkrieg“ schließlich wollte man nicht riskieren – hielt sich aber dennoch ein kleines Schlupfloch offen. Es gebe da, sagte Bürgermeister und Schulreferent Markus Braun den FN um die Jahreswende, noch eine weitere Option in der Innenstadt. Eingeweihte wussten schon damals: Es handelte sich um jenes 5000 Quadratmeter große Grundstück an der Mühlstraße unterhalb des Sozialrathauses, auf dem ein Backsteinbau von 1948 seit Jahrzehnten vor sich hin dämmert.

Doch um die Verhandlungen nicht zu gefährden und den Preis nicht zu treiben, wollte man dies ungern öffentlich kommuniziert sehen. Zudem schien es eher unwahrscheinlich, dass sich die Stadt das Areal leisten könnte, auf dem schon Kino, Altenheim und Wohnungen vorgesehen waren.

Nun hat man sich mit dem Eigentümer, ein Unternehmen in der Oberpfalz, aber offenbar doch über mögliche Konditionen verständigt. Die Kommune konnte sich bis zum Jahresende die Kaufoption für das Innenstadtgelände sichern, verlautete am Montag per kurzer Mitteilung aus dem Rathaus. Und: „Diese Fläche würde für einen Neubau des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums ausreichen.“ Entstehen würde er neben dem historischen – und denkmalgeschützten – Gebäude, das nach Stand der Dinge nicht einbezogen werden kann. Man fordere nun „die Schulfamilie, die Stadtratsfraktionen und die Stadtgesellschaft zu einer intensiven Diskussion“ darüber auf. Eine Entscheidung – Neubau oder Sanierung am bisherigen Standort – soll in der Sitzung des Stadtrats am 21. Dezember fallen.

„Zehn Jahre Umbau“

Auf Nachfrage unserer Redaktion ließ Oberbürgermeister Thomas Jung keine Zweifel daran, dass er die Neubauvariante favorisiert. Die koste zwar ebenso wie eine Modernisierung um die 30 Millionen Euro, doch stehe damit eine makellose Lösung in Aussicht. Im Altbau hingegen müsse man „zehn Jahre umbauen und bekommt doch nichts Perfektes“, warnt der Rathauschef. „Kein wünschenswerter Zustand für die Schüler“, findet Jung.

Auch Carsten Böckl, Direktor des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums, hielt auf FN-Anfrage mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg – die er allerdings ausdrücklich als seine ganz persönliche deklariert; der „Schulfamilie“ wolle er keinesfalls vorgreifen. Der Neubau, ist der 45-Jährige überzeugt, wäre für das Gymnasium „eine sehr, sehr gute Lösung“. Denn anders als beim ersten Anlauf würde er „nur unwesentlich entfernt vom jetzigen Standort“ liegen. Die Tradition der Innenstadt-Einrichtung sei dadurch gewahrt.

Was den Direktor ebenso wie den OB ganz besonders zur modernen Variante neigen lässt: „Der Umbau bei laufendem Betrieb würde uns erspart bleiben.“ Zudem erhalte man eine „Schule aus einem Guss“, mit maßgeschneiderten Räumen und zeitgemäßer Ausstattung. Ob das die Schulfamilie ähnlich sieht, die gerade am Schliemann-Gymnasium stark der Tradition verhaftet ist, bleibt abzuwarten.

Noch im Lauf des Oktobers ist eine Dienstbesprechung im Haus angesetzt, mit Kollegium, Bürgermeister sowie Vertretern von Schülern und Eltern. Am 7. November wird sich dann eine Delegation von Lokalpolitikern und Schule auf den Weg nach Neumarkt machen, um sich dort über den Neubau des ebenfalls sehr traditionsreichen Willibald-Gluck-Gymnasiums zu informieren.

Die gewünschte intensive Diskussion wird allerdings kaum so lange auf sich warten lassen. Sie ist seit Beginn dieser Woche eröffnet. Und der OB macht klar: Auch diesmal werde er sich der Mehrheitsmeinung beugen.

21 Kommentare