Keine Perspektive mehr

Schließung in Fürth: Bei Saturn geht Ende September das Licht aus

26.6.2021, 10:00 Uhr
Der Saturn-Markt am Kulturforum hat 2008 eröffnet, nun naht sein Ende. Wie das hochwertige Gebäude genutzt werden könnte, steht noch in den Sternen.

Der Saturn-Markt am Kulturforum hat 2008 eröffnet, nun naht sein Ende. Wie das hochwertige Gebäude genutzt werden könnte, steht noch in den Sternen. © Hans-Joachim Winckler, NN

Die Information erreichte die Redaktion diese Woche unter der Hand, sie sei zwar „belastbar, aber noch intern“, hieß es – man möge die Quelle deshalb tunlichst ungenannt lassen. Die offizielle Bestätigung indes kam auf Nachfrage der FN postwendend aus dem Rathaus: Ja, die Saturn-Dependance schließt; am 25. September ist letzter Verkaufstag am Kulturforum.

Das überrascht, hatte die Stadtspitze doch noch Anfang April auf Anfrage beteuert: Fürth sei von der gerade laufenden Ausdünnung der Elektronikmarkt-Kette Media-Markt-Saturn nicht betroffen, der 13 von insgesamt 419 deutschen Filialen mit rund 1000 Beschäftigten bis Ende 2022 zum Opfer fallen.

Das war, betont der städtische Wirtschaftsreferent Horst Müller, damals sein Kenntnisstand – obwohl längst Argwohn geweckt hatte, dass 2019 gut die Hälfte der Verkaufsfläche eingespart worden war. Dennoch ging auch Jörg Philips nach eigenem Bekunden lange davon aus, dass in Fürth alles beim Alten bleibt.

Philips ist seit 2016 Geschäftsführer der örtlichen Saturn-Niederlassung, und er beteuert: Dass es jetzt anders kommt, liege nicht etwa, wie alle Welt vermutet, an mangelnder Nachfrage. Vielmehr seien es "die Rahmenbedingungen", die Saturn hier den Garaus gemacht hätten.

Schließung "leider alternativlos"

Der Standort Fürth sei "nach wie vor attraktiv", bestätigt auf FN-Anfrage eine Sprecherin der Media-Saturn-Holding in Ingolstadt. Dennoch gebe es trotz aller Bemühungen von Geschäftsführung und Mitarbeitenden "keine wirtschaftlich zufriedenstellende Fortführungsperspektive für den Markt". Die Schließung sei deshalb "leider alternativlos".

Eine andere geeignete Immobilie am attraktiven Standort Fürth ist offenbar nicht in Sicht. Saturn wird deshalb in der Kleeblattstadt ab Oktober Geschichte sein. Von der Schließung sind 30 Beschäftigte betroffen, mit denen man sich in Gesprächen befinde. Ziel sei es, "für alle eine sozial verträgliche Lösung zu finden" – auch per Weiterbeschäftigung in anderen Märkten der Unternehmensgruppe.

Was genau für die Fürther Schieflage gesorgt hat, dazu will man sich beim Unternehmen nicht äußern. Immerhin ein bisschen mehr kann im Gespräch mit den FN Horst Müller berichten: Die Miete, die Saturn für den 2008 erbauten, damals rund zehn Millionen Euro teuren Markt zahlen müsse, sei sehr hoch – nach Informationen des Wirtschaftsreferenten handelt es sich um "den teuersten Standort des Unternehmens in ganz Deutschland".


Eröffnungstransparent sorgt für Wirbel


Wer der Vermieter ist, auch dazu war am Freitag aus Ingolstadt nichts zu erfahren, man werde die Auskunft aber nachreichen. Wichtig ist sie auch für Müller, denn er will rasch Kontakt aufnehmen – schließlich ist die Stadt an einer sinnvollen Nachnutzung der Immobilie am Eingangstor zur Altstadt höchst interessiert.

Vorstellen, sagt er, könne man sich viel, wegen der Nähe zum Kulturforum etwa auch eine kulturelle Nutzung – "doch irgendwer muss das ja bezahlen". Und wenn die Mietkonditionen ungünstig sind, wird das kaum die Stadt sein, darf man getrost vermuten.

Auch Einzelhandel sei grundsätzlich wieder denkbar, aber nicht zwingend. Was definitiv nicht in Frage kommt, sei ein Abriss, denn das Gebäude sei "teuer und hochwertig". Möglichst erhalten bleiben soll auch die von der Infra betriebene Tiefgarage; sie, meint Müller, könnten möglicherweise auch Gastronomen aus der Altstadt gut für ihre Kundschaft brauchen.

So betrübt das Saturn-Aus im Rathaus zur Kenntnis genommen wird, so sehr freut man sich über eine andere Nachricht: Fürth wird wieder einen Elektronik-Markt bekommen, wie die Stadtspitze bestätigt – im ehemaligen City-Center, das am 16. September unter dem neuen Bezeichnung "Flair" eröffnen wird.

Tevi "ein Glücksfall"

Zu Namen verlautet noch nichts, doch viele Optionen gibt der Markt nicht her: Dem Vernehmen nach soll es sich um Expert-Tevi -Kette handeln, mehr werde in Kürze "Flair"-Investor P & P verkünden. Müller zeigt sich erleichtert: "Fürth wäre wohl die einzige deutsche Großstadt in Deutschland ohne Elektronik-Markt gewesen."


Fürther Einkaufszentrum füllt sich: Sieben neue Mieter für das


Er spricht deshalb von einem "Glücksfall", denn eigentlich sei die Ansiedlung im "Flair" doch bereits vom Tisch gewesen. Dass sich der Standort nun auch noch mitten im Zentrum und nicht mehr, wie bei Saturn, in der problematischeren Zentrumsrandlage befinden wird – es ist ein durchaus willkommener Nebeneffekt.

In der Saturn-Filiale bereitet man sich unterdessen auf die letzte Etappe vor: Ab Mitte Juli, so Geschäftsführer Philips, werde es einen Abverkauf und "spezielle Aktionen" geben. Schließlich, findet er, "sollen die Fürther ihren Saturn in guter Erinnerung behalten".

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