Ehemaliges City-Center

Schlussspurt im Flair: In zwei Monaten öffnet Fürths neue Shopping-Welt

21.7.2021, 06:00 Uhr
Unter dem bereits neu verglasten und dezent gestrichenen Kuppeldach herrscht Baustellenatmosphäre, schweres Gerät kommt zum Einsatz.

Unter dem bereits neu verglasten und dezent gestrichenen Kuppeldach herrscht Baustellenatmosphäre, schweres Gerät kommt zum Einsatz. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Es fällt schwer, sehr schwer, sich das vorzustellen: Hier soll sich schon in zwei Monaten Fürths funkelnde neue Einkaufswelt auftun? So funkelnd und so gewinnend, dass die Kundschaft sie – glaubt man den vollmundigen Ankündigungen von Investor P & P – am liebsten gar nicht mehr verlassen möchte?

Marcus Gergele reagiert beim Rundgang mit den FN auf vorsichtig geäußerte Zweifel freundlich-gelassen – und ohne jeden Anflug von Zögern: "Zu hundert Prozent sicher" sei der längst verkündete Eröffnungstermin: Am 17. September, bestätigt der 40-jährige Projektleiter, geht es im "Flair" los

Derzeit allerdings bietet sich auf den verbliebenen zwei Etagen des ehemaligen City-Centers mit ihren rund 18.000 Quadratmetern Verkaufsfläche für 60 Geschäfte noch das wirre Bild einer geschäftigen Baustelle. Auf dem rohen Beton werden die ersten Fliesen – Dekor helle europäische Eiche – verlegt, die sich demnächst auf weiten Strecken der künftig stark verbreiterten Einkaufsstraßen durch den Komplex finden; aus den Decken baumeln unzählige Kabel, überall wird geschraubt, gehämmert, gesägt und geflext. Zackige Kommandos schallen hin und her.

Die Visualisierung des Investors gibt einen Eindruck davon, wie das Ambiente im fertigen Center wirken soll – hell und mit Fliesen in Eiche-Dekor.

Die Visualisierung des Investors gibt einen Eindruck davon, wie das Ambiente im fertigen Center wirken soll – hell und mit Fliesen in Eiche-Dekor. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Keine Frage: Hier wird auf Hochtouren gearbeitet; wenn es eng wird, müssen zur allerletzten Not halt ein paar Nachtschichten eingelegt werden, heißt es. Marcus Gergele ist die ungebremste, fast fiebrige Euphorie anzumerken, seit Anfang 2018 hat der gebürtige Thüringer das Vorhaben unter seinen Fittichen. Auch nach 20 Jahren in der Branche und elf Jahren als Entwickler von Einzelhandelsprojekten ist das für ihn noch ein wilder Ritt.


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Bis er in zwei Monaten zu Ende geht, müsse auf der Zielgeraden noch einmal richtig Gas gegeben werden, sagt er. Mit den dicken Brocken Heizung, Sanitär und Elektrik sei man durch, jetzt folgt der Innenausbau – auf den Gemeinschaftsflächen durch P & P, in den Ladenbereichen durch die jeweiligen Betreiber.

Durchaus prickelnd sei es, die unterschiedlichen Interessen so zu koordinieren, dass man sich dabei nicht in die Quere kommt. Bis zu 1000 Menschen werden im Endausbau zugange sein.

Komfortableres Parken

Nahezu alle Flächen, versichert Gergele, sind vermietet, lediglich für das halbe frühere Basement des City-Centers ist man offenbar noch nicht ganz handelseinig; die andere Hälfte hat P & P zur zusätzlichen Parkhausfläche umfunktioniert. Dank breiterer Buchten werde das Abstellen der Fahrzeuge weit komfortabler möglich sein als bisher.

In den beiden Verkaufsetagen, der Projektleiter beschwört es einmal mehr, sollen Unterhaltung und Familienfreundlichkeit die Leitlinien sein. Mit Riesenaquarium, mit Spielbereichen und Spieltischen für Familien, mit Fitness-Parcours, mit einer Rutsche über zwei Ebenen, mit einem fünf Meter hohen, künstlichen Baum, mit künstlichem Moos an manchen Brüstungen und mit Stegen. Naturgefühle will P & P in einem Teil der Shopping-Welt schaffen, eine "Wohlfühlatmosphäre".


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Das Ziel: In einer Zeit, in der – wie Kritiker meinen – Einkaufszentren dieses Zuschnitts eigentlich Auslaufmodelle sind, soll sich das Fürther Projekt partout von der Masse abheben. Deshalb habe man, so Gergele, auch darauf geachtet, neben gängigen Ankermietern wie H & M und Kult auch Geschäfte an Land zu ziehen, die es in der Region noch nicht an allen Ecken und Enden gibt. Zuvorderst nennt er die "Hologate World", die auf stattlicher Fläche ein virtuelles Spielerlebnis bietet. Ja, es gebe schon etliche Hologate-Engagements in Einzelhandelsprojekten, wischt Gergele den Einwand beiseite, aber nirgends biete das Münchener VR-Unternehmen ein Familienkonzept, wie es in Fürth vorgesehen ist.

Ausblicke aufs Theater

Viel Raum nimmt auch die Gastronomie ein: Im Eckgebäude, das an der Hallstraße die C & A-Filiale ersetzt hat, wird der "Food-Court" untergebracht, mit diversen Anbietern schneller Gerichte und Außenflächen. Gleich daneben schließt sich das als "panasiatisch" firmierende Restaurant "KoKoNo" an, mit zwei Etagen, bodentiefen Fenstern und schönen neuen Ausblicken aufs Stadttheater nebenan.

Viel werden die Fürtherinnen und Fürther von ihrem alten City-Center aus den 80ern nicht mehr erkennen, eines aber hat Bestand: die Glaskuppel, die den Komplex überspannt. Auch wenn sie neues, wärmeabsorbierendes Glas und einen dezenteren, cremefarbenen Anstrich bekommen hat – sie bleibt das unverwechselbare Markenzeichen.

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