Schnabuliermarkt: Kritiker mahnen zur Vorsicht und bringen Alternativen ins Gespräch

24.5.2014, 11:00 Uhr

© Scherer

Reinhard Scheuerlein schüttelt verständnislos den Kopf und sagt: „Für mich ist das Ganze eine Phantomdiskussion.“ Der Chef des Fürther Bundes Naturschutz ist der festen Überzeugung, dass es die stattlichen Bäume im Mittelteil der Konrad-Adenauer-Anlage nicht überleben würden, wenn man hier einen Markt etabliert, wie ihn sich der Fürther Unternehmer Jochen Schreier vorstellt. Und deshalb kann man sich in seinen Augen weitere Debatten darüber schenken.

Alle Beteuerungen Schreiers und seines Landschaftsarchitekten, die Bäume würden, etwa dank sogenannter Wurzelbrücken, keinerlei Schaden erleiden, können Scheuerlein nicht besänftigen. Die Erfahrung seines Verbands zeige, dass dergleichen nicht funktioniert. Er geht fest davon aus: „Aufgrabungen von knapp einem halben Meter“ wären im Erdreich der Anlage nötig, „das erwischt die Feinwurzeln und das verkraftet kein Baum“. Zudem sei das Risiko für den Markt bei Stürmen viel zu groß. „Dieses Risiko wird niemand übernehmen wollen“, ist sich der BN-Vorsitzende sicher.

Die Schreier-Pläne seien schlichtweg „nicht zu Ende gedacht“. Man dürfe jetzt „nichts überstürzen“ und müsse „alles beleuchten“ – auch andere mögliche Standorte in der Innenstadt, wie etwa die kleine Freiheit. Sie schlug, wie berichtet, unlängst der Architekt Christofer Hornstein vor, der durch die Verschiebung des Paradiesbrunnens vor die AOK hier Raum für eine Markthalle französischen Schnittmusters schaffen möchte.

Allianz geschmiedet

Ohnedies ist für Scheuerlein die Preisgabe einer Innenstadt-Grünzone dieses Kalibers, die eminent wichtig sei für Klima und Erholung, ein absolutes Tabu – das gelte sowohl für den Mittelteil, den Schreier ins Auge fasst, als auch für den Fontänenhof, den die Stadt als Wochenmarkt-Standort, nun sogar mit Markthalle, ins Gespräch gebracht hat.

Mit dem Fürther Verleger Lothar Berthold hat sich der BN-Mann zusammengetan, um Parallelen zur Diskussion um den Bahnhofplatz Anfang der 1980er Jahre aufzuzeigen. Damals habe die Stadt in ersten Planungen für eine Verkehrsdrehscheibe vom üppigen Baumbestand kaum etwas übriglassen wollen; erst massiver Widerstand der Bürgerschaft habe zum Einlenken geführt und das Grün bewahrt, was heute zu sehen ist.

Massiver Bürger-Widerstand ist freilich bislang in Sachen Schnabuliermarkt nicht erkennbar – eher das Gegenteil. Doch Scheuerlein und Berthold meinen eine ähnliche Gefährdung für eine bedeutende Grünanlage zu erkennen. „Ich halte den Rückblick für wichtig“, sagt Scheuerlein, weil es für ihn nicht vertretbar sei, Ähnliches in der „hochverdichteten Innenstadt“ noch einmal anzubahnen.

Eine „klare Absage“ erteilt dem Schreier-Konzept für die Adenaueranlage unterdessen auch der Verein „Wir sind Fürth“, bekannt geworden durch seinen vehementen Widerstand gegen den Abriss des Park-Hotels. „Dieser Ort der Erholung ist in vielerlei Hinsicht zu wertvoll, um ihn durch ein Experiment zu gefährden, dessen Ausgang ökologisch wie ökonomisch vollkommen offen ist“, formulieren der Vorsitzende Kamran Salimi, seit März für die Grünen im Stadtrat vertreten, und Thomas Heyden im Namen des Vereins.

Der Park dürfe „nicht zur Kulisse einer Schlemmermeile degradiert werden“. Die Anlage habe vielmehr „eine gärtnerische Aufwertung verdient, statt sie einem Projekt zu opfern, das einen der letzten innerstädtischen Freiräume kommerzialisiert und instrumentalisiert“. Auch nach Ansicht des Vereins darf die Diskussion nicht auf die Adenaueranlage konzentriert werden. Neben der kleinen Freiheit sei der Bahnhofplatz, derzeitiger Standort des Wochenmarkts, bestens geeignet – allerdings an anderer Stelle: Hier lasse sich „in einer der beiden seitlichen, kleinen und eher unansehnlichen Parkflächen ein permanenter Markt mit festen Ständen installieren“, meinen Salimi und Heyden.

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