Gute Bedingungen für die Schädlinge

Schneckenplage: Was Gärtner tun können

Gwendolyn Kuhn
Gwendolyn Kuhn

Lokalredaktion Fürth

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14.8.2021, 09:00 Uhr
Der Anblick dieser Roten Wegschnecke lässt viele Garten- und Pflanzenliebhaber erschaudern. Dabei ist ihr Verwandter aus Spanien die noch größere Plage. Er hat auch kaum Fressfeinde.

© Foto: Imago Images Der Anblick dieser Roten Wegschnecke lässt viele Garten- und Pflanzenliebhaber erschaudern. Dabei ist ihr Verwandter aus Spanien die noch größere Plage. Er hat auch kaum Fressfeinde.

Es könnte ein unvergesslicher Sommer für Gartenfreunde sein: Kein lästiges Gießen und keine Wasserrechnung, die einem die Tränen in die Augen treibt. Dafür glückliche Pflanzen, die das Nass im Überfluss von oben lieben und deshalb heuer besonders gut gedeihen.

Plagegeister aber gibt es auch in diesem Jahr: Schnecken und die richtigen Strategien für ihre Bekämpfung dürften unter Hobbygärtnern derzeit das Thema Nummer eins sein, sind die schleimigen Gesellen doch in diesem Sommer so zahlreich unterwegs wie schon lange nicht mehr. Unaufhaltsam fressen sie sich mit ihren Raspelzungen durch das zarte Grün, hinterlassen nur Stümpfe vom sorgsam gepäppelten Salat, schreddern Funkienblätter weg, bevor sie sich entrollen konnten, und höhlen Kohlrabis bereits im Sommer aus, als wären es Halloween-Kürbisse.

Eier trockneten nicht aus

Dass die Tiere heuer gar so zahlreich in den Gärten einfallen, hat damit zu tun, dass mehrere Witterungsfaktoren zusammenkommen. Ein nicht zu frostiger Winter, den die Schneckeneier, die im Herbst gelegt werden, problemlos überdauerten. Es folgte ein nasses Frühjahr, das dazu führte, dass die Jungtiere zahlreich schlüpften und nicht auszutrocknen drohten. Und auch das Sommerwetter zeigt sich ideal: feucht-warm, und viele Regengüsse lassen die Tiere ausgiebig auf Wanderschaft nach Nahrung gehen.


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"Wir waren in den vergangenen Jahren, was Schnecken betrifft, wohl sehr verwöhnt", sagt Angelika Nelson. Auch der Biologin vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) sind in letzter Zeit viele Exemplare aufgefallen. Sie ist oft mit Kindern unterwegs, die kürzlich eine ganze Armada unterschiedlicher Gehäuseschnecken bestaunen durften, die sich auf einem Bohlenweg unweit eines Tümpels versammelt hatten.

Vor ihnen muss sich übrigens kein Gärtner fürchten. Sie leben von toten Pflanzen, Flechten und Moosen. Weinbergschnecken mit ihrem noch größeren Haus richten auch keinen Schaden an; sie stehen zudem unter Naturschutz und dürfen nicht bekämpft werden, erklärt die Biologin.

Schon anders sieht es bei den Nacktschnecken aus, die man in Schnegel und Wegschnecken unterscheiden kann. Besonders fies ist die Spanische Wegschnecke. Seit den 1970er Jahren, sagt Nelson, ist sie bei uns heimisch. Vermutlich kam sie mit dem Gemüse von der Iberischen Halbinsel zu uns – und hat sich seitdem maßlos ausgebreitet. Ihr deutsches Pendant, die Rote Wegschnecke, dagegen ist selten geworden.

Bitterer Schleim

Natürliche Feinde hat die Spanische Wegschnecke wenige, was auch an dem bitteren Schleim liegt, den sie absondert. Dennoch rät Nelson dazu, den Garten möglichst naturnah zu gestalten. "Dann fühlen sich dort auch Igel, Blindschleichen und Eidechsen wohl, die die Schnecken und ihre Eier fressen."


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Auch einen Artverwandten, den Tigerschnegel, der aussieht wie eine Nacktschnecke im Leopardenanzug, sollte man hegen. Er, so hat das auch LBV-Sprecher Markus Erlwein kürzlich beobachtet, macht kurzen Prozess zumindest mit den Roten Wegschnecken. Sowohl ausgewachsene Exemplare als auch deren Eier und die Jungtiere verspeist er genüsslich.

Auf Schneckenkorn sollte man deshalb verzichten, würde es doch Nützlinge und andere Tiere ebenfalls töten. Außerdem, gibt Nelson zu bedenken, gehören auch Schnecken zu unserem Ökosystem und haben deshalb ihre Daseinsberechtigung.

Ein paar Tipps, der Plage Herr zu werden, hat sie dennoch. Etwa Schneckenbleche oder -zäune, die rings um besonders begehrte Pflänzchen aufgestellt werden können. Sie sind ein schwer zu überwindendes Hindernis. Auch bestimmte Pflanzen wie Zwiebeln oder Knoblauch schrecken die Tiere ab; ebenso duftende Kräuter. Manch einer setzt auf Thymian zwischen den Salatpflanzen.

Zur früher viel gepriesenen Bierfalle, in die die Schnecken fallen und ertrinken sollen, wird heute kaum mehr geraten. Hat man doch herausgefunden, dass sie Tiere aus bis zu 50 Metern Umkreis anlocken. Landen nicht alle in der Hopfenkaltschale, droht neues Ungemach.

Geruch schreckt ab

Dann lieber eine Jauche aus Brennnesseln oder Rhabarberblättern ansetzen und damit die Erde rund um die zu schützenden Pflanzen besprühen. "Der Geruch schreckt ab." So mancher Gärtner lässt es sich auch nicht nehmen, die Tiere frühmorgens oder am Abend aufzusammeln. Bloß – wohin dann damit?

Sie zum Nachbarn zu werfen, ist weder besonders nett noch hilfreich, kriechen die Schnecken doch im Zweifelsfall zurück. Sie im Wald auszusetzen, bringt das Ökosystem durcheinander und sie werden dort zur Plage. Manch einer weiß sich da nicht anders zu helfen und greift beherzt zur Gartenschere.

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