Saisonprojekt

Schon bald: Fürth soll Sommerstraßen bekommen

10.5.2021, 11:00 Uhr
Beispiel Schindelgasse: Das Altstadt-Sträßchen war im vergangenen Sommer kurzzeitig schon mal in Kinderhand.

Beispiel Schindelgasse: Das Altstadt-Sträßchen war im vergangenen Sommer kurzzeitig schon mal in Kinderhand. © Foto: Armin Leberzammer

Es ist ein Experiment, soll schon in Kürze Wirklichkeit werden, und Fürth will klein anfangen. Wenn alles kommt wie gedacht, verwandeln zwei Straßen(abschnitte), durch die sonst Autos fahren, für zehn Wochen ihr Gesicht. Von Mitte Juli bis Mitte September werden sie dann für den Auto- und Radverkehr gesperrt und zur Spielstraße umfunktioniert. Kurzum: Sie werden zu Sommerstraßen.

Speziell in dicht besiedelten Quartieren wie der Innenstadt können so Wunschorte entstehen, Treffpunkte für Alt und Jung, für Kinder und Nachbarn, die plaudern und picknicken wollen – unter freiem Himmel und vor der eigenen Tür.

Rollern, Schussern, Wabbeln

Möchten es die Bewohner besonders hübsch haben, kann die Aufenthaltsfläche vorübergehend mit Pflanzkübeln gestaltet werden, heißt es im Vorschlag der Stadtverwaltung. Parklets seien denkbar, leicht auf- und abbaubare Stadtmöbel, die Sitzgelegenheiten bieten, eventuell auch Regenschutz, Beleuchtung und Pflanztröge. Alles ist ein Kann, kein Muss.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene dürfen dann mitten auf der Straße Roller oder Inlineskates fahren, mit Straßenkreide malen, Hüpf- und Ballspiele spielen oder jonglieren.

Im besten Fall entsteht also Raum für Aktionen, die auf Spielplätzen oft nicht möglich sind – und die Ältere womöglich in Erinnerungen an ihre eigene Jugend schwelgen lassen, als es in Fürth noch üblich war, "drunten auf der Strass" die Zeit mit "Himmel und Hölle", mit Gummihupf’m, Schussern oder Wabbeln totzuschlagen, einem Spiel, bei dem Münzen an eine (Haus-)Wand geworfen werden und der gewinnt, dessen Geldstück am nächsten zur Wand liegen bleibt.

Begegnung im Freien

Gerade jetzt, in der Corona-Pandemie, sagt Stadtplanungsamtschef Jonas Schubert, könnten Sommerstraßen ein attraktives Angebot gerade für Familien sein, die womöglich wieder nicht verreisen können.

Immerhin böten sie die Chance zur Begegnung im Freien, wo die Ansteckungsgefahr als gering gilt, wenn man auf die Abstandsregeln achtet. Schöner Nebeneffekt: Stark frequentierte Freiflächen wie der Stadtpark werden entlastet – wenn auch bei nur zwei Vorhaben nicht im großen Stil.

Mit ihrem Vorstoß greift die Stadt nicht nur Beispiele aus den Metropolen auf, sondern geht – auch dies im bescheidenen Projektrahmen – auf Forderungen zur Umnutzung von Stadträumen ein, die im Zeichen des Klimaschutzes immer lauter werden.

Und sie baut aus, was 2020 in einem Altstadt-Sträßchen schon erprobt wurde. Im Rahmen einer Aktion des Netzwerks Kinderfreundliche Stadt war die Schindelgasse da für kurze Zeit in Kinderhand.

Vorschläge zu den Sommerstraßen erhofft man sich aus der Bevölkerung. Zwar gibt die Verwaltung Kriterien vor. So soll es sich möglichst um Wohnstraßen mit wenig Durchgangs- und ohne Busverkehr handeln.

Doch auch wenn Kopfsteinpflaster anders als ein Asphaltbelag hinderlich ist für Aktivitäten wie Inlineskaten: Harte Ausschlusskriterien gibt es laut Schubert vorerst nicht.

Im Rathaus ist man nun gespannt, ob "fünf oder 500" Vorschläge und Bewerbungen eintrudeln. Zu richten sind sie bis 13. Juni per Mail an fussverkehr@fuerth.de oder per Post an das Stadtplanungsamt, Hirschenstraße 2, 90762 Fürth.

Schubert empfiehlt Interessenten, sich bei den Nachbarn umzuhören, ob diese mit von der Partie wären und das, wenn machbar, mit Unterschriftenlisten zu verdeutlichen.

Kartenspiel als Entscheidungshilfe

Für ein Kartenspiel, das bei der Entscheidungsfindung helfen soll, hat ein Münchner Unternehmen eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die vom Wirtschaftsreferat München unterstützt wird. Die benötigten 3600 Euro sind allerdings bei weitem noch nicht erreicht.

Anwohnern von Sommerstraßen werden in den zwei Monaten übrigens keine Ersatzparkplätze angeboten, heißt es in Fürth. Der Aufwand stünde in keinem Verhältnis zum Nutzen. Auch Anwohnerparkausweise können temporär nicht genutzt werden, nur Rettungskräfte und Feuerwehr haben freie Zufahrt.

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