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Mittwoch, 03.06.2020

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Schrottplatz noch keine Endstation

Die Firma Adamec investiert in eine Anlage zur Verwertung - 19.04.2008

Berge von Elektronik-Schrott kommen bei der Firma von Thomas Adamec (im Bild) zusammen. © Mayer


Röntgentechnik und Sensoren sind im Spiel. Mehr Details will Thomas Adamec aber nicht verraten - schließlich handelt es sich um eine einzigartige Innovation, und der Patentantrag läuft noch.

Aber die Planung steht: Die Adamec Recycling GmbH an der Stadtgrenze in Fürth errichtet im Nürnberger Industriegebiet Schmalau eine automatische Recyclinganlage für Elektronik- und Elektrogeräte, mit der noch mehr Kunststoffe als bisher möglich zurückgewonnen werden können. Das Investitionsvolumen liegt bei rund sechs Mio. Euro.

Rund 1,5 Mio. Euro stellt das Bundesumweltministerium dafür aus dem Umweltinnovationsprogramm zur Verfügung. Mitte 2009 soll die Inbetriebnahme der Recyclinganlage mit einer Fläche von 2000 Quadratmetern erfolgen. Dadurch werden elf neue Arbeitsplätze geschaffen - zusätzlich zu den aktuell 35 Mitarbeitern.

Zwei Millionen Tonnen

Jährlich sind es in Deutschland rund zwei Millionen Tonnen Waschmaschinen, Kühlschränke, Fernseher, Computer oder Handys, die entsorgt werden müssen. Der Kunststoffanteil darin liegt bei schätzungsweise 400 000 Tonnen.

Die neue - bundesweit einmalige - Anlage der Firma Adamec ist auf eine Verarbeitungskapazität von jährlich mehr als 35 000 Tonnen Elektroaltgeräte ausgelegt. Dahinter stecken rund zehn Jahre eigener Entwicklungsarbeit, berichtet der Geschäftsführer Thomas Adamec. In mehreren Schritten erfolgt die Zerkleinerung der Altgeräte bis auf Größen von weniger als einem Millimeter. Nach jedem Zerkleinerungsprozess folgt ein Trennvorgang, der die unterschiedlichen Materialien sortenrein abliefert. Durch die neue Anlage können rund fünf Prozent mehr Kunststoffe für die Wiederverarbeitung gewonnen werden als bei der bisherigen Zerlegung per Hand.

Am Ende bleibt nur noch ein Staubgemisch, das derzeit noch der thermischen Verwertung zugeführt wird. Um neue Verwertungsmöglichkeiten zu finden, arbeitet Adamec mit dem Fraunhofer Institut zusammen. Am Ende soll eine Recyclingquote von annähernd 100 Prozent erreicht sein.

Mit oder ohne Flammschutz

Technisch die schwierigste Aufgabe ist es, Kunststoffe mit Flammschutz von solchen ohne zu trennen. Die Ersteren sind in Elektro- und Elektronikgeräten wichtig, aber eben giftig. Insbesondere bei Geräten aus Fernost «weiß niemand, welches Material verwendet wurde», sagt Adamec.

Das Unternehmen ist seit 1996 ein zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb. Gegründet wurde er 1956 vom Vater des heutigen Inhabers. Thomas Adamec absolvierte bei Grundig eine Lehre als Nachrichtengerätemechaniker und Funkelektroniker, bevor er die Firma 1988 übernahm. Das Geschäft mit Elektronikschrott ging dann 1989/90 richtig los. Thomas Adamec sagt: «Mit dem Bau der neuen Anlage leisten wir einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz. Darüber hinaus stärken wir mit dieser Investition die Kompetenz der Region Nürnberg und schaffen neue Arbeitsplätze».

Die Schrotthalden auf dem Firmengelände sind damit nur eine Zwischenstation in einem sehr langen Fertigungsprozess. Nach den Vorschriften müssen die Hersteller und Importeure der Geräte die gleiche Menge entsorgen, die sie neu verkaufen. Das tun sie nicht selber, sondern beauftragen damit Logistik-Firmen. Die Daten laufen in einem Registeramt zusammen, das in Zirndorf angesiedelt ist.

Dorthin gelangen auch die Daten von den (über 5000) kommunalen Sammelstellen. Sind deren Container voll, geht die Order zur Abholung an die Logistik-Firmen. Diese arbeiten mit den eigentlichen Verwertern zusammen - wie Adamec. Regionale Unterscheidungen gibt es dabei nicht. So landet bei der fränkischen Firma auch manchmal Elektronikschrott aus Norddeutschland - er kam sogar schon bis aus Spanien sowie aus Portugal.

Wolfgang Mayer

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