Schummrige Unterführungen: Stadt will genau hinsehen

14.12.2018, 12:08 Uhr

© Foto: Hans-Joachim Winckler

Der Leiter des Stadtplanungsamts, Dietmar Most, kündigte nun auf Nachfrage eine "abendliche Begehung" aller Bahnunterführungen zwischen Jakobinenstraße und Schwabacher Straße an. Zusammen mit Vertretern der für die Straßenbeleuchtung zuständigen infra und des Tiefbauamts wolle er sich "in naher Zukunft" selbst ein Bild von den Lichtverhältnissen machen, sagt er, um — gegebenfalls — nachzubessern. Konkret ist die Rede von den Unterführungen Jakobinenstraße, Luisentunnel, Bahnhofsunterführung und Schwabacher Straße.

Most weist allerdings auch darauf hin, dass die Stadt in jedem einzelnen Fall vor etwaigen Veränderungen an der Beleuchtung Rücksprache mit der Deutschen Bahn halten müsste. Denn: Nur wenn der Konzern als Eigentümer der Bahnanlagen grünes Licht gibt, dürfen sich Monteure der infra an Tunneldecken, -wänden und -stützen zu schaffen machen. Lichtquellen im Gehsteigpflaster wiederum sind laut Most keine Alternative. Denn: Bodenstrahler seien nicht nur anfällig für Schwitzwasser und deshalb oft kaputt, sie seien auch wegen ihrer Blendwirkung problematisch.

Die Berichterstattung der FN über eine Attacke auf einen 22-Jährigen, der am letzten Freitag im November in der Unterführung Jakobinenstraße von einem Unbekannten unvermittelt brutal zusammengeschlagen worden war, hat im Internet zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Im Zentrum der Kommentare steht, wie bereits berichtet, das massive Unbehagen vieler Menschen in düsteren Bahntunneln und anderen schummrigen Ecken der Stadt. Beschwichtigend hieß es dazu von der Polizei, man könne sich in Fürth problemlos bewegen: die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verbrechens zu werden, sei sehr gering.

Rechtliche Voraussetzung für eine Videoüberwachung ist, dass es an der betreffenden Stelle immer wieder zu Vorfällen oder Straftaten kommen muss wie etwa in der Königstorpassage am Nürnberger Hauptbahnhof. Solche Orte gibt es in Fürth aber nicht.

Noch zu wenige Delikte?

In den Online-Kommentarspalten der FN taucht die Forderung nach Kameras dennoch immer wieder auf — und Unverständnis über die restriktive Handhabung. "Unser Freistaat hat ein Polizeiaufgabengesetz eingeführt, welches vorsieht, dass Bürger auf Verdacht ausgespäht oder sogar in Haft genommen werden können", schreibt beispielsweise ein User und fährt fort: "Im gleichen Freistaat soll es nicht möglich sein, Kameras an Unterführungen anzubringen, weil dort noch zu wenigen Bürgern etwas passiert ist? Ernsthaft?"

Andere Kommentatoren wünschen sich ausdrücklich, dass die dunkle Seite der Stadt besser ausgeleuchtet wird. "Wie wäre es, endlich mal auch die Kerzen aus der Straßenbeleuchtung gegen ordentliches Licht auszutauschen?", fragt jemand. Immer wieder ist die Rede vom persönlichen Sicherheitsgefühl. Mehr Beleuchtung und mehr Polizeipräsenz könnten dieses ebenso wie die tatsächliche Sicherheit an den betreffenden Stellen deutlich erhöhen, glaubt ein anderer. Frauen schreiben, dass sie dunkle Wege alleine meiden. Einzelne denken öffentlich über die Organisation eines Geleitschutzes nach oder klagen, ab 17 Uhr traue sich "keiner mehr auf die Straße".

Stadtplanungsamtschef Most ist bewusst, dass es für Angst und Unbehagen keine Messlatte gibt, dass sich der eine fürchtet, wo der andere sorglos bleibt. Bei Entscheidungen über Straßenbeleuchtungen, erklärt er, spiele das Sicherheitsgefühl dennoch sehr wohl eine Rolle. Es gelte, stets abzuwägen zwischen den genormten Mindestvorgaben für eine verkehrssichere Ausleuchtung, "einem Plus für das Sicherheitsgefühl" von Radfahrern und Fußgängern, den Bedürfnissen von Anwohnern sowie finanziellen und ökologischen Aspekten. 2005 hat sich Fürth einen Rahmenplan für die lichttechnische Gestaltung der Innenstadt gegeben. Es geht um Optik, um die Präsentation von Fassaden und um eine "dezente Verteilung von Licht über die Stadt", die laut Most ihrerseits ein Wohlgefühl erzeugen kann. Die Bahnunterführung bei der Comödie soll demnach abends heller erleuchtet sein, als das zurzeit der Fall ist. 2013 wurden dort nach den Worten von Mosts Mitarbeiterin Yvonne Oppermann die vormals "dunkler wirkenden orangefarbenen durch weiße Leuchten ersetzt".

Um den Tunnel noch freundlicher zu gestalten, wollte die Stadt zusätzlich farbige Beleuchtungsakzente im Gehwegbereich setzen. Doch dieses Vorhaben liegt auf Eis, solange das Okay der Bahn für den Abbau der Betonwände aussteht, die hier seit Jahren als provisorischer Aufprallschutz für die Stützen des Bahnübergangs dienen.

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