Schluss mit dem Schandfleck

Schwabacher Straße: Unterführung wird von Taubenkot befreit

Alexandra Voigt
Alexandra Voigt

Redaktion Fürth

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23.7.2021, 06:00 Uhr
Zentimeterdicker Taubenkot: Eine Spezialfirma wird die ätzenden Exkremente in der Unterführung an der Schwabacher Straße demnächst beseitigen.

Zentimeterdicker Taubenkot: Eine Spezialfirma wird die ätzenden Exkremente in der Unterführung an der Schwabacher Straße demnächst beseitigen. © Foto: Wolfgang Händel

Vor sechs Wochen ging bei den FN die Beschwerde eines Anwohners ein, der die Unterführung nahezu täglich durchqueren muss. Seine Forderung: "Hier muss man alles gründlich abstrahlen und desinfizieren. Der jetzige Zustand ist unserer Stadt unwürdig, er ist widerlich, ekelerregend und bestimmt auch gesundheitsgefährdend!" Damit hat er sicher vielen Fürthern aus der Seele gesprochen.

Jürgen Tölk, Leiter des Amtes für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz, prophezeit jedoch, dass langfristige Veränderungen wegen der "Gemengelage an Zuständigkeiten" nicht einfach umzusetzen sind. Für die Reinigung von Gehweg und Betonpfeilern ist die Stadt zuständig, für die Vergrämung der Tauben aber die Deutsche Bahn, der die Brücke gehört.

Die Kommune will nun ihren Anteil des Problems schnell lösen: Man hat eine Spezialfirma beauftragt, "um den Schandfleck zu beseitigen", wie der Leiter des Tiefbauamts sagt. "Unsere Leute können das nicht selbst machen. Der Vogelkot ist ätzend und potenziell mit Krankheitserregern belastet. Ich würde fast sagen, er ist toxisch", so Hans Pösl. Wenn er mit Hochdruckreinigern entfernt wird und haufenweise Partikel aufgewirbelt werden, braucht man eine Spezialausrüstung.

Nur ein Bewerber

Damit kann die Stadt Fürth nicht dienen. Und wohl auch viele Reinigungsunternehmen nicht. Denn auf die Ausschreibung hat sich nur eine Firma beworben. "Da haben wir wirklich Glück gehabt", sagt Pösl, der bereits vor Wochen vorhergesehen hatte, dass es schwierig werden könnte, einen Dienstleister für diese delikate Aufgabe zu finden. Die Arbeiten sollen vom 29. bis 31. Juli über die Bühne gehen.

Danach wollen Ordnungs- und Tiefbauamt die Lage vor Ort begutachten und überlegen, was man tun kann, damit die Unterführung künftig sauber bleibt. Im nächsten Schritt ist die Bahn gefordert: Sie soll Maßnahmen durchführen, die die Tauben fernhalten.

Bei den neueren städtischen Brücken wurden laut Tiefbauamtschef Pösl von Anfang an Vorrichtungen zur Taubenabwehr eingebaut – so geschehen etwa bei der Vacher Regnitztalbrücke, die 2016 fertiggestellt wurde, sowie bei der Bremerstaller Brücke zwischen Stadeln und Eigenem Heim, die Fußgänger und Radler seit 2020 nutzen können.

"Das ist auch sinnvoll, weil immer wieder Brückenprüfungen anstehen. Da ist es erfreulich, wenn man sich nicht durch Kotberge wühlen muss", stellt Pösl fest. Eine wirksame Vergrämung macht das Sitzen und Brüten an den betroffenen Plätzen für die Tiere unattraktiv, fügt ihnen aber kein Leid zu.

Bereits mehrfach wurde in Fürth das Aufstellen von Taubenhäusern angeregt. Hier können die Tiere ihre Eier legen, die dann entnommen und durch künstliche ersetzt werden. So ließe sich die Vermehrung eindämmen, glauben die Befürworter. Die Stadt Augsburg etwa vertraut auf ein solches "Taubenmanagement". Die Vogelhäuser werden vom örtlichen Tierschutzverein betreut. Auch in Nürnberg läuft die Suche nach einem passenden Standort für einen betreuten Taubenschlag.

In Fürth hatten die Grünen im Februar 2020 einen Vorstoß für Quartiere zur Bestandskontrolle unternommen. Doch die Verwaltung lehnte ab. So würden nur zusätzliche Vögel angelockt, hieß es. Die Tiergesundheit leide zudem durch Stress. Weil Tauben nach der erfolglosen Brut die künstlichen Ersatzeier verlassen und unverzüglich nachlegen, könne dies zur völligen Erschöpfung führen. Nur mit dem Einschränken von Futterangebot und Nistgelegenheiten lasse sich das Problem in den Griff bekommen.

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