15°

Dienstag, 20.08.2019

|

Seit 2004: Storch ist Stammgast auf Vachs Brauereidach

Beringte Vögel verraten einige Details aus ihrer Lebensgeschichte - 15.07.2019 16:00 Uhr

A1821 steht auf dem Ring des Vacher Storchs. Er kommt seit sage und schreibe 16 Jahren immer wieder zurück an seinen Horst. Das Bild stammt aus dem Jahr 2007. © Foto: Günter Distler


Gewiss hat sich der Storch längst an den Ring gewöhnt, der sein klapperdürres Bein umschließt. Immerhin trägt er ihn seit 17 Jahren. Wer nahe genug herankommt, kann auf dem Ring einen Buchstaben und mehrere Zahlen erkennen: A1821.

Weil A1821 kein schöner Name für einen Storch ist, nennen wir ihn in diesem Text kurzerhand Konrad – nach dem früheren Besitzer der längst vergangenen Brauerei Dorn. Auf ihrem Dach in Vach nistet der Storch schon seit vielen Jahren.

Alles, was wir über das Tier wissen, verdanken wir seiner Nummer, mit der es sich quasi überall auf der Welt ausweisen kann. Die A1821 ist bei der Vogelwarte Radolfzell registriert. Weil man dort gerne Auskunft gibt, lässt sich schön nachvollziehen, was Konrad in den letzten Jahren so getrieben hat. Zugegeben, ein wenig lückenhaft, schließlich ist die Vogelwarte darauf angewiesen, dass Naturfreunde – am besten mit einem Fernglas – gezielt auf Ringnummern schauen und den Standort der Tiere anschließend melden.

Jahrgang 2002

Konrad, so viel steht fest, ist Schwabe. Stuttgarter! Er schlüpfte im Jahr 2002 im zoologisch-botanischen Garten Wilhelma. Dort nisteten Störche über viele Jahre auf der historischen Damaszenerhalle. Allerdings hing Konrad nicht an seiner Heimat. Schon 2004 wurde er beim Nisten auf der Vacher Brauerei beobachtet. Auch für 2011, 2016 und 2017 verzeichnet die Vogelwarte Sichtungen.

Auf FN-Fotos aus den Jahren 2007 und 2010 ist die A1821 ebenfalls zu erkennen. Nur hat sich damals niemand die Mühe gemacht, die Nummer in Radolfzell zu melden. Wir können also davon ausgehen, dass der standorttreue Konrad durchgängig seit 2004 im Frühling jedes Jahr in den Fürther Norden kommt. Im Spätsommer hingegen zieht es ihn gen Süden. Offenbar fliegt er mit Vorliebe über die Schweiz und Frankreich nach Spanien. Im Februar 2004 hielt sich der Vacher Storch in der Nähe von Sevilla in Andalusien auf, im September 2005 am Genfer See und im November 2006 wieder in Sevilla.

Erst im September 2013 registrierte man ihn erneut in der Fremde – wieder in der Schweiz, diesmal in Luzern. Fünf Tage später wird Konrad bei einem Zwischenstopp im französischen Savoyen beobachtet. Ob er stets in Spanien überwintert oder wie viele Artgenossen über Gibraltar nach Afrika zieht, wissen wir nicht. Dazu liegen keine Meldungen vor.

Dafür können wir etwas über Konrads aktuelle Partnerin sagen, ihrer Ringnummer AE282 sei Dank. Sie ist Jahrgang 2010 und stammt aus dem Luisenpark in Mannheim, wo es ein Storchenparadies namens Stelzvogelwiese gibt. Noch im Mai 2014 wurde sie dort gesichtet. Nur ein Jahr später saß sie 178 Kilometer entfernt auf dem Vacher Brauereidach. Womöglich hatte Konrad damals seine vorherige Partnerin verloren und befand sich auf Brautschau. Das Weibchen wurde bis dato nur einmal im Ausland gesichtet: im September 2015 im Neeracherried unweit von Zürich.

Natürlich würden wir gerne auch die Lebensgeschichte der Gustavstraßenstörche nachzeichnen, dazu müsste es uns aber gelingen, deren Ringnummern zu identifizieren. Der Schlot, auf dem das Netz sitzt, ist leider verflixt hoch.

Ebenso gerne wüssten wir, was aus den Jungstörchen geworden ist, die in all den Jahren in Vach und in der Gustavstraße zur Welt gekommen sind. Geht aber nicht: Anders als beispielsweise in Langenzenn wird in Fürth nicht beringt. Naturschutzwächter Herbert Schlicht spricht von einem "Riesenaufwand" und gibt die Devise aus, die Tiere "so weit wie möglich in Ruhe zu lassen".

Bleibt noch einzuräumen: Das Geschlecht von Störchen ist nur schwer bestimmbar, meist ist der Schnabel des Männchens ein wenig länger. Beim Geschlechtsakt sitzt es oben, bloß haben wir Konrad dabei noch nie beobachtet. Es ist daher nicht ganz auszuschließen, dass er doch eine Konradina ist – und seine Partnerin ein Partner. Weil er aber größer wirkt, bleiben wir bei Konrad.

Mit seinen 17 Jahren durfte er schon mehr erleben als viele Artgenossen, bei acht bis zehn Jahren liegt das Durchschnittsalter von Weißstörchen. Es wurde aber auch schon ein Vogel entdeckt, der laut seiner Ringnummer 35 Jahre alt war. Von daher ist Konrads Geschichte in Vach hoffentlich noch lange nicht zu Ende. Komm nächstes Jahr doch einfach wieder, alter Knabe! 

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth