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Sekundäres Ertrinken bei Kindern: Ein Experte klärt auf

Symptome zeigen sich verzögert - Im schlimmsten Fall kann es tödlich sein - 05.08.2020 12:28 Uhr

Wenn ein Kind vor dem Ertrinken gerettet wurde, sollte man auch danach noch auf alarmierende Symptome achten.

© Foto: DLRG


Prof. Dr. Jens Klinge ist Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik am Klinikum Fürth. Der 57-Jährige hat drei inzwischen erwachsene Kinder.

© Foto: Christian Horn


Die Gefahr ist weitgehend unbekannt. Wir haben mit Prof. Dr. Jens Klinge, dem Leiter der Kinder- und Jugendklinik am Fürther Klinikum, über das sekundäre Ertrinken, ein Unglück mit Verzögerung, gesprochen.


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Herr Prof. Klinge, was ist sekundäres Ertrinken?

Klinge: Vom sekundären Ertrinken oder dem Ertrinken nach einem Intervall ist dann die Rede, wenn ein Kind unfreiwillig mit dem Kopf untergetaucht ist und nicht auf Anhieb Symptome wie Husten, Kraftlosigkeit oder Bewusstlosigkeit zeigt. Symptome treten hier nicht plötzlich auf, sondern schleichend, mit einer Verzögerung von bis zu 24 Stunden, und sie steigern sich. Man muss sich das so vorstellen, dass bei dem Ertrinkungsunfall, der scheinbar glimpflich ablief, eben doch Wasser in die Lunge kam und sich nach und nach im ganzen Körper ein Sauerstoffmangel einstellt, der im schlimmsten Fall zum Tod führen kann.

Welche Symptome sind das, die erst Stunden später auftreten?

Klinge: Möglich ist, dass das Kind müde wird oder unruhig, dass seine Atmung zu rasseln beginnt, dass es sich erbricht, Durchfall oder Kopfschmerzen bekommt. Zwar kommt das sekundäre Ertrinken nur bei weniger als einem Prozent der jährlich 400 bis 500 Ertrinkungsunfälle in Deutschland vor. Die große Gefahr aber besteht darin, dass man die unspezifischen verspäteten Symptome nicht in einen Zusammenhang bringt mit dem vorangegangenen Ertrinkungsunfall.

Was sollten Eltern also tun, die ihr Kleinkind beispielsweise aus dem Gartenteich fischen mussten? Direkt zum Arzt fahren, auch wenn der Kleine munter wirkt?

Klinge: Natürlich ist es nicht nötig, alle Kinder, die mal kurz ungewollt mit dem Kopf unter Wasser waren und zweimal husten, zum Arzt zu bringen. Unter Umständen – je nachdem, wie viel Wasser in die Lunge eingetreten ist – kann der beim Abhören zu einem frühen Zeitpunkt noch gar nichts feststellen. Wichtig ist, dass Eltern ihr Kind nach einem solchen Unfall beobachten und spätestens dann die Praxis aufsuchen, wenn sich ungewöhnliche Symptome einstellen.

Hilft es, dem Kind auf den Rücken zu klopfen?

Klinge: Wenn es schlecht Luft bekommt und eine brodelnde Atmung hat, also eine, die ein blubberndes Geräusch verursacht, kann man so durchaus versuchen, den Hustenreiz zu unterstützen.


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Wie kann ein Mediziner helfen?

Klinge: Er hört die Lunge ab, misst die Sauerstoffsättigung im Blut und schaut sich die Lunge im Röntgenbild an. Bei einem Sauerstoffmangel kann eine Beatmung notwendig werden und lebensrettend sein. Geschieht das rechtzeitig, ist die Chance auf eine Rettung sehr hoch.

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