Familienbetrieb

Selbstvermarktung: In Kirchfembach wird Tierwohl großgeschrieben

27.9.2021, 06:00 Uhr
Die erste Dame legt schon ein Ohr an. Zu nahe sollte man den Muttertieren der Rasse Deutsch Angus nicht kommen, die Familie Tiefel bei Kirchfembach auf der Weide hält. Wenn die Kühe Kälber haben, besteht für Menschen auf der Weide Lebensgefahr.

Die erste Dame legt schon ein Ohr an. Zu nahe sollte man den Muttertieren der Rasse Deutsch Angus nicht kommen, die Familie Tiefel bei Kirchfembach auf der Weide hält. Wenn die Kühe Kälber haben, besteht für Menschen auf der Weide Lebensgefahr. © Foto: Armin Leberzammer

Mit seinen Rindern ist nicht zu spaßen. Darauf macht Landwirt Michael Tiefel die Besuchergruppe gleich vorneweg eindringlich aufmerksam: "Wenn die Kühe junge Kälber haben, besteht für Menschen auf der Weide Lebensgefahr." Die Auswahl der Rasse fiel aber nicht wegen ihres ausgeprägten Mutterinstinkts auf "Deutsch Angus".

Es lag vor allem an der hohen Fleischqualität und der robusten Physis, erläutert der 39-Jährige. Bereits die Eltern haben vor Jahrzehnten begonnen, den Hof auf Weidehaltung umzustellen: Seit 40 Jahren halten die Tiefels Damhirsche und Mufflons, seit 25 Jahren Rinder und seit 17 Jahren Schweine – allesamt in extensiver Haltung und entweder ganzjährig oder mit Ausnahme der Wintermonate draußen im Freien.

Speiseplan ohne Soja

Dort ernähren sie sich weitgehend von dem, was auf dem Boden wächst, auf Mais- oder Sojaanbau verzichten die Landwirte komplett. Dass sie bereits 2001 den heute knapp 100 Hektar großen Hof auf die Vorschriften des Naturland-Verbandes umgestellt haben, habe sich als gute Entscheidung herausgestellt. Die Nachfrage nach seinen regionalen Produkten habe in letzter Zeit immer mehr zugenommen, sagt der Züchter.


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Dabei vermarkten sie ihr Fleisch komplett selbst. Der Verkauf findet nach Vorbestellung am Hof in Kirchfembach statt. "Wir haben auch verschiedene Salami- und Wurstarten aus eigener Produktion", so Michael Tiefel, der sowohl gelernter Metzger als auch ausgebildeter Landwirt ist. Übernommen hat er den Betrieb vor sieben Jahren von seinem Vater Leonhard (73), der weiter tatkräftig mit von der Partie ist.

Während die Rinder und Schweine im nahen Burgfarrnbach geschlachtet werden, erlegen die Tiefels das Damwild und die Mufflons selbst und nehmen sie im eigenen Schlachthaus aus. Zurzeit stehen auf den Weiden rund um Kirchfembach 16 Mutterkühe und ein Deckbulle, hinzu kommen 24 Weideschweine sowie 60 Wildtiere.

Landrat Matthias Dießl, der den landwirtschaftlichen Betrieb gemeinsam mit Vertretern der Initiative "Gutes aus dem Fürther Land" besuchte, freut sich "über die Renaissance der Weidehaltung auch im Landkreis Fürth".


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Dazu habe nicht zuletzt das Umdenken bei vielen Verbrauchern beigetragen, die wieder genau wissen möchten, woher ihre Lebensmittel kommen und unter welchen Bedingungen sie erzeugt werden. "Hier kann man sicher sein, dass das Tierwohl im Mittelpunkt steht. Außerdem garantiert diese Form der Landwirtschaft regionale Produkte höchster Qualität", meinte Langenzenns Bürgermeister Jürgen Habel bei der Betriebsbesichtigung.

Tiefels Kunden kommen aus dem Landkreis sowie aus dem Großraum und dem Nachbarlandkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Das Fleisch von Rindern und Schweinen wird dabei hauptsächlich in Mischpaketen von fünf oder zehn Kilogramm Gewicht verkauft, Hirschfleisch bereits ab geringeren Mengen. Hochwertiges Fleisch aus natürlicher Haltung ist also nur eine kurze Autofahrt entfernt. Bloß zu den Mutterkühen sollten die Kunden Abstand halten – wobei die zentnerschweren Tiere auch von weitem schon einschüchternd genug sind.

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