Seltene Schafe im Rednitztal

6.6.2013, 11:00 Uhr
Heidi Stafflinger und ihre Rotkopfschafe im Rednitztal: Die Tiere beweiden die Wiesen und pflegen damit Biotope.

Heidi Stafflinger und ihre Rotkopfschafe im Rednitztal: Die Tiere beweiden die Wiesen und pflegen damit Biotope. © Manuela Prill

Sie sind eine echte Seltenheit. Weniger als hundert Rotkopfschafe gibt es noch weltweit. 16 davon kann man seit gut einem Jahr hin und wieder beim Spazierengehen durch das Rednitztal beobachten. Immer dann, wenn Schäferin Heidi Stafflinger mit ihrer kleinen Herde unterwegs ist, um ein Stückchen der weiten Heidelandschaft am Hainberg zu beweiden.

Bis vor kurzem grasten die Tiere nur auf dem Gelände des Kraftwerkes, wo sie untergebracht sind. Die Idee, die seltenen Schafe für die Pflege des Sandmagerrasens im Rednitztal zu nutzen, stammt vom Umweltamt. Durch das selektive Fressverhalten der Schafe werden seltene Tier- und Pflanzenarten gefördert, eine ganz natürliche Art also, für mehr Biodiversität zu sorgen.

Noch sind die Tiere etwas scheu, an das freie Weiden müssen sie sich noch gewöhnen. Ihrer Hüterin folgen sie auf Schritt und Tritt. „Diese Rasse hat ein Hüte-Gen“, sagt Heidi Stafflinger lachend und tätschelt einem zweijährigen Bock den Hals. Die Schäferin möchte ihre Herde nach und nach vergrößern, unterstützt wird sie dabei vom Nürnberger Tiergarten, der für die Zucht seine Böcke zur Verfügung stellt. 1981 kamen 14 vor dem Schlachter gerettete Rotkopfschafe von Frankreich aus in den Nürnberger Zoo und bildeten den Grundstock für den Aufbau einer neuen Herde.

Rotkopfschafe, auch Rouge du Roussillon genannt, gelten als genügsam, besonders robust und anpassungsfähig. Sie stammen ursprünglich aus den französischen Pyrenäen. Vor 30 Jahren war die Rasse quasi ausgestorben. „Sie sind kleiner als normale Nutzschafe, weniger anfällig für Krankheiten und schmecken nicht nach Schaf“, erklärt Heidi Stafflinger.

Traum vom Käse

Das Schlachten der Tiere sei aber nur ausnahmsweise erlaubt, und ohnehin geht es der 52-Jährigen nicht um das Fleisch, sondern um den Erhalt einer vom Aussterben bedrohten Tierart. Ein kulinarisches Ziel hat sie aber: „Mein Traum ist es, einmal Schafskäse selber zu machen“, verrät sie. Bislang gehöre die Milch der Mutterschafe aber ausschließlich den Lämmern.

Zum Schäferdasein ist die Tierpsychologin mehr durch Zufall gekommen. Weil sie sich vor fünf Jahren einen Hütehund angeschafft hat, ist sie für dessen Ausbildung mit einem Schäfer in Kontakt gekommen. Nicht lange, und sie war von seinem Wissen und der alten Tradition des Schafehütens so fasziniert, dass sie mehr darüber lernen wollte. „Einmal war ich dann mit 500 Schafen des Schäfers allein auf der Weide. Einen ganzen Tag mit sich allein und der Natur, das ist ein Erlebnis, das man nicht vergisst“, schwärmt Stafflinger.

Ihren Beruf hat sie dafür zwar nicht aufgegeben, doch ihre Schafe sind für die Tierfreundin längst mehr als nur ein reines Hobby. Mehrere Stunden täglich kümmert sich Stafflinger um ihre Herde. Als Arbeit empfindet sie das nicht. „Für mich ist das absolute Entspannung, die Tiere erden mich.“

Das Weidekonzept im Rednitztal mit dem Erhaltungszuchtprogramm der Schafe, das auch von der Universität Gießen begleitet wird, ist Bestandteil eines Entwicklungsprogramms der Kultur- und Naturlandschaft des Rednitztals. Das gesamte Projekt läuft 15 Jahre und ist mit einer Million Euro finanziert. Gestartet wurde es im Jahr 2007. Die Gelder stammen übrigens aus Ausgleichszahlungen der Bahn für den Bau der S-Bahnstrecke nach Roth.

Neben der Beweidung durch Schafe steht der Erhalt von Lebensräumen seltener Tiere und Pflanzen im Rednitztal auf der Agenda des Konzepts. So werden unter anderem Wiesen gehegt, in denen Störche Futter finden, oder Teiche und Tümpel angelegt, in denen seltene Libellenarten ihre Eier ablegen können.

Ein besonderes Augenmerk haben die Biologen auch auf das Jahrhunderte alte Bewässerungssystem des Rednitztals, das auf jeden Fall erhalten werden soll.

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