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Senioren im Blick: Viele neue Helfer in der Corona-Krise

Im Fürther Landkreis erleben Organisationen in diesen Tagen einen großen Zulauf - 28.03.2020 16:00 Uhr

Der Einkauf im Auftrag der benachbarten Nachbarn, auch das Gassi gehen mit dem Hund: In den Landkreis-Kommunen wollen die Menschen anpacken, damit sich keiner vergessen fühlt. Wer Bedarf hat, kann sich telefonisch an diverse Stellen wenden. © Hans Joachim-Winckler


"Wir lassen niemanden verhungern." Diese Worte von Thomas Seischab, Geschäftsleiter im Rathaus Großhabersdorf, stehen beispielhaft für eine aktuelle Entwicklung: Die Hilfsbereitschaft gegenüber älteren Menschen ist groß.


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Zahlreiche Freiwillige melden sich, um für sie Einkaufen zu gehen, den Hund Gassi zu führen oder einfach, um zu zeigen: Wir kümmern uns um euch. Zehn Alltagsbegleiter gibt es in Großhabersdorf auch in normalen Zeiten. Jetzt haben sich acht weitere Personen gemeldet, die anpacken wollen und 14 Kärwaburschen und -Madli wollen beweisen, dass sie mehr können als feiern.

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Auch ein Aufruf des Quartiersmanagements der Diakonie Oberasbach stieß auf erstaunliche Resonanz: In kurzer Zeit boten 32 Menschen an, Dienste für ältere Mitbürger zu übernehmen. Eine Zahl, die Organisatorin Renate Schwarz erstaunt hat: "Es waren viele dabei, die sich das erste Mal bei uns gemeldet haben." Doch sowohl in Großhabersdorf als auch in Oberasbach steht dem Angebot nicht allzu viel Nachfrage gegenüber. Renate Schwarz, die auch in Nicht-Corona-Zeiten Hilfe vermittelt, hat jetzt acht neue Kontakte hergestellt. In Großhabersdorf war noch keiner nötig. Thomas Seischab erklärt sich das damit, dass die älteren Bürger sich das, was sie noch tun können, nicht auch nehmen lassen wollen: "Das Einkaufen ist ihr einziger sozialer Kontakt."

Renate Schwarz erlebt ebenfalls "großen Redebedarf". Sie bekomme Anrufe von Menschen, die noch keine Hilfe wollen, aber sich absichern möchten, wo sie im Ernstfall Unterstützung finden. "Die Dunkelziffer", sagt sie, "ist sicher höher." Damit spielt sie auf die vielen an, die ohne Organisation einfach in ihrer Nachbarschaft anpacken.

"Wir halten die Hygiene-Regeln ein"

Zu ihnen gehört Dieter Sieber aus Zirndorf. Mit seiner Funktion als Sprecher des Seniorenrates hat es nichts zu tun, dass er einer älteren Nachbarin hilft. Die Helfergruppe, die der Seniorenkreis in der Bibertstadt betreibt, "köchelt derzeit auf Sparflamme", doch sie funktioniert noch. Die Einkäufe zumindest sind gesichert. Auch die Kärwajugend aus Weiherhof, Weinzierlein und Zirndorf bietet Einkaufshilfen für Hilfsbedürftige im ganzen Stadtgebiet an. "Dabei befolgen wir selbstverständlich alle Hygiene-Regeln", teilt Nadine Poxleitner als Koordinatorin mit. "Jeder, der Unterstützung braucht, kann sich an uns wenden, auch wenn es darum geht, den Hund Gassi zu führen."

Harald Fassel, Sprecher des Seniorenbeirats in Oberasbach, kümmert sich gemeinsam mit seiner Frau ebenfalls wie selbstverständlich um eine Nachbarin. Fassel kann der Krise sogar positive Seiten abgewinnen: "Es ist eine himmlische Ruhe draußen." Zu ruhig vielleicht für die Menschen, die in einem der Seniorenheime leben. Das Besuchsverbot trifft sie hart. Musik vor den Fenstern könnte eine kleine Abwechslung sein. Harald Fassel, der selbst Musiker ist, sieht derzeit aber ein Problem. Angesichts der niedrigen Temperaturen kann man im Freien nur Blasinstrumente spielen.

Was bei jeder Temperatur möglich ist: In Großhabersorf läuten jeden Abend die Kirchenglocken und danach wird zusammen gesungen. Eine schöne Idee hat auch Renate Schwarz. Gemeinsam mit den Schülern der Taschengeldbörse, die sonst kleine Dienste für Senioren übernehmen, schreibt sie fröhliche Postkarten, mal mit einer kleinen Zeichnung, mal mit einem Frühlingsgedicht. Schwarz verteilt die Postkarten dann an Senioreneinrichtungen: Wir vergessen euch nicht.

Wer Hilfe benötigt, kann sich in Oberasbach an das Quartiersmanagement wenden, Tel. (09 11) 80 19 35 69; in Zirndorf an das Rathaus, das an die Seniorenbeiräte weiter vermittelt: (09 11) 9 60 00; die Kärwaburschen und Madli sind unter diesen Nummern zu erreichen: Michael Paulus (01 76) 31 73 15 26 (Kärwaburschen und Madli Weiherhof; Orte: Weiherhof, Bronnamberg, Banderbach, Leichendorf), Axel Popp (01 52) 02 83 28 90 (Kärwajugend Weinzierlein; Orte: Weinzierlein, Wintersdorf), Nadine Poxleitner (01 75) 8 23 85 74 (Zirndorfer Kärwaburschen und Madli; Orte: Zirndorf, Anwanden, Lind). In Großhabersdorf vermittelt Simone Schwarz im Rathaus, erreichbar unter der Rufnummer (0 91 05) 9 98 39 17.

Beate Dietz

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