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Sicheres Internet: Aufklärung für Schüler

Datenschutzbeauftragte sprachen mit Jugendlichen über die Gefahren im weltweiten Netz - 09.02.2012 09:00 Uhr

Soziale Netzwerke wie Facebook verleiten dazu, persönliche Daten preiszugeben. Experten warnen vor allzu viel Offenheit. © Fritz-Wolfgang Etzold


Welche Fallstricke das Internet bergen kann, mussten Annika und ihre Freundinnen vor nicht allzu langer Zeit erfahren. Von einer Mitschülerin wurden die Siebtklässlerinnen am Schliemann-Gymnasium ohne Vorwarnung in einem sozialen Netzwerk beschimpft und beleidigt. Erst als sie das Mädchen in der Schule darauf ansprachen, stellte sich heraus, dass die vermeintliche Übeltäterin gar nicht bei Schüler.CC registriert war; jemand anders hatte sich unter ihrem Namen angemeldet. Wer, das ist bis heute nicht geklärt.

Identitätsklau nennt Rudi Kramer dieses Phänomen. Kramer ist Datenschutzbeauftragter bei der Nürnberger Datev. Neben seinem Job engagiert er sich mit seiner Kollegin Beate Beißwenger ehrenamtlich. Ihr Anliegen: Unter dem Motto „Datenschutz geht zur Schule“ – einer Initiative des Berufsverbands der Datenschutzbeauftragten – klären sie Jugendliche über die Risiken des Internets auf.

Am Dienstag taten sie das vor fünf siebten Klassen des Schliemann-Gymnasiums. Zentrale Themen der Doppelstunden waren Passwortschutz, Cybermobbing, Musik- und Videodownloads – und die Tatsache, dass viele Schüler ungefiltert persönliche Daten oder Fotos von sich preisgeben. „Das Internet vergisst nichts“, sagt Rudi Kramer. Einmal in sozialen Netzwerken eingestellte Bilder und andere Daten können sich im weltweiten Netz verselbstständigen, unlöschbar und einsehbar für jeden.

Dabei geht es Kramer und Beißwenger nicht darum, soziale Netzwerke zu verteufeln. Viele Jugendliche könnten sich der Teilnahme sowieso kaum entziehen, weil ihre Freunde Verabredungen nur noch über derartige Plattformen treffen. Experten sprechen von einem „Kommunikationsdruck“, der besonders groß ist bei den „Digital Natives“, also jener Generation, die mit diesen Medien aufwächst. Konrektor Norbert Moßburger spielte bei einer Doppelstunde Mäuschen und war nach eigenen Worten ganz angetan davon, wie die Schüler an den Lippen der Datenschutzexperten hingen.

Hacker kapern Kameras

Beeindruckt von der Geschwindigkeit, mit der Hacker Passwörter knacken können, zeigte sich etwa der Siebtklässler Kilian. Seine Passwörter will er daher ab sofort komplexer gestalten. Für seine Mitschülerin Ina war es ein Aha-Erlebnis, dass es Internet-Kriminellen mittels Trojanern gelingt, die Webcams von Nutzern zu kapern, um dadurch Bilder aus deren Zimmern zu empfangen.

Thema der Doppelstunden waren auch alltägliche Datenschutzprobleme: Beispielsweise wenn Suchmaschinen die Begriffe, die ein Nutzer eingibt, speichern, um dessen Vorlieben zu sammeln und ihn künftig entsprechend mit Werbung eindecken zu können.

Gast am Schliemann war am Dienstag auch der Präsident des Landesamts für Datenaufsicht, Thomas Kranig, gleichzeitig Schirmherr der Aktion „Datenschutz geht zur Schule“. „Das Internet bietet viele Möglichkeiten, aber gerade das bringt eine gesteigerte Verantwortung für den Umgang mit den eigenen Daten und vor allem mit den Daten anderer mit sich“, sagt Kranig. Für die ehrenamtliche Arbeit von Rudi Kramer und Beate Beißwenger hat er daher viel Lob übrig. Kranigs Fazit: Junge Leute müssen im Umgang mit ihren Daten noch mehr sensibilisiert werden.

Schulen, die sich für einen Besuch der Datenschutzbeauftragten interessieren, wenden sich an bvd-gs@bvdnet.de

 

VON JOHANNES ALLES

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