Freitag, 13.12.2019

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Sieben «Kleine» werfen Hut in den Ring

Stimmen für den Direktkandidaten sind im Gegensatz zu anderen Wahlen nicht verloren - 23.09.2008

Werner Scharl (FW)


Norbert Schikora heißt der Landtagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen. Kommunalpolitische Erfahrung hat er bereits reichlich gesammelt. In seiner Heimatstadt Oberasbach ist er 3. Bürgermeister. Zudem sitzt er im Kreisrat und ist dort Fraktionschef seiner Partei.

Seine politischen Schwerpunkte legt er auf die «Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft», Einführung eines Mindestlohns sowie eines Sozialtarifs für die Grundversorgung bei Strom und Heizung. Zudem spricht er sich nicht nur gegen die «Privatisierung grundlegender staatlicher Aufgaben» aus, sondern auch gegen Studiengebühren und Gentechnik. Schikora setzt sich für die «zügige Umstellung auf erneuerbare Energien» in Bayern ein, günstigere Tarife im öffentlichen Nahverkehr, kleine Schulklassen und den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz.

Der Vater zweier Kinder ist geschieden und gibt als Berufsbezeichnung «Geschäftsführer» an. In seiner Freizeit spielt er gerne Gitarre und Schafkopf oder sucht Entspannung beim Yoga.

Den Gymnasiallehrer Werner Scharl schicken die Freien Wähler (FW) ins Rennen um das Direktmandat. Scharl ist 57 Jahre alt, verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Er ist zweiter Vorsitzender der Gruppierung in Fürth. Aufsehen erregte Scharl in der vergangenen Stadtratsperiode, als er nach Querelen bei der Aufstellung der Stadtratsliste zunächst aus der CSU austrat und dann gemeinsam mit der damaligen Bürgerliste-Stadträtin Heidi Lau einen Ortsverband der Freien Wähler aus der Taufe hob. Pech für Scharl: Entgegen seiner optimistischen Prognose ergatterten die FW gerade mal ein Stadtratsmandat - und das ging an Heidi Lau.

Als politische Schwerpunkte gibt er Bildungspolitik, Umweltpolitik, Soziales und Sport an. «Politik», sagt Scharl, «muss wieder den Bürgern dienen und nicht den Parteien und Politikern.» Scharl ist außerdem staatlich geprüfter Berg- und Skiführer.

FDP-Kandidat Thomas Peter ist Landwirtschaftsmeister und bewirtschaftet in Alt-Oberasbach einen landwirtschaftlichen Vollerwerbs- und Ausbildungsbetrieb. Der 51-Jährige ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Für die FDP sitzt er seit 1990 im Oberasbacher Stadtrat, zudem ist er Mitglied im Landes- und Bundesfachausschuss der Liberalen.

Im bayerischen Landtag will er «der Arroganz und Überheblichkeit der schwarzen Übermacht die Stirn bieten» und zwar «durch eine freiheitliche Politik». Peter will sich für Chancengleichheit in Bildung und Ausbildung einsetzen, für eine Steuervereinfachung und die Senkung von Steuern und Abgaben. Zudem ist er Gegner einer «Bevormundung durch den Staat» und möchte stattdessen die Eigenverantwortung der Bürger stärken.

Als leidenschaftlicher Sänger ist Peter seit 33 Jahren Mitglied im Männergesangverein Oberasbach. Er besucht gerne Konzerte - «von Blasmusik bis Operette» - und engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Oberasbach und bei der Organisation von Hof- und Dorffesten in Oberasbach.

 Anny Heike hat ein Ziel: «Soziale Gerechtigkeit für Bayern», sagt die Kandidatin der Partei Die Linke. Gute Arbeit und ein Leben in Würde seien unveräußerliche Rechte für jeden und jede. Daher will sie im bayerischen Landtag für einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro kämpfen. Außerdem plant sie, sofort «ein Maßnahmenpaket gegen den Missbrauch der ausufernden Leiharbeit vorzulegen».

Die 60-jährige Fürtherin will für echte Chancengleichheit kämpfen und dafür, dass Beruf und Privatleben vereinbar sind. Deshalb setzt sie sich für mehr Kinderkrippen- und Kindergartenplätze ein, die aber auch finanziell erschwinglich sein müssen. Ihre Forderung: «Weg mit den Elternbeiträgen».

Heike ist Mitglied im Parteivorstand und im Landesvorstand der Linken. Nach eigenen Worten zieht sich gewerkschaftliches Engagement wie ein roter Faden durch ihr Leben. In ihrer Arbeit als Zweite Bevollmächtige der IG Metall Fürth kämpft sie «täglich für die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer». Als Hobbys nennt sie Politik,

Lesen, Tauchen und Laufen. Die wenige freie Zeit verbringt sie gerne mit ihrer Enkeltochter.

Für die ödp will der Fürther Wolfgang Ott in den Landtag einziehen. Der 33-jährige Verwaltungsbeamte ist verheiratet und hat zwei Kinder. Beim ödp-Kreisverband Fürth ist er für die Finanzen zuständig. Ott steht nach eigenen Worten für eine «verantwortungsvolle Politik, die unabhängig von Konzernspenden langfristig Zukunft gestaltet» - und eben nicht nur von Wahltermin zu Wahltermin, wie er sagt. Er setzt sich für regenerative Energien ein - «zwecks Versorgungssicherheit und Klimaschutz». Atomkraft hingegen lehnt er ab.

Außerdem liegt ihm «die Bewahrung der Schöpfung und ein verantwortungsvoller Umgang» mit ihr am Herzen. Ott, der privat gerne Zeit mit seiner Familie verbringt, liest und hört am liebsten Rolling Stones und Doors, macht sich außerdem für eine ökologische und gentechnikfreie Landwirtschaft stark. Familien und Kinder sollen nach seinem Willen noch mehr gefördert werden.

Im rechten Spektrum treten zwei Kandidaten zur Wahl an: Für die Republikaner kandidiert der Oberasbacher Rentner Werner Lippert. Die rechtsradikale NPD hat ihren Kreisvorsitzenden, den in Stadeln wohnhaften Maler Matthias Fischer, aufgestellt. Fischer war Gründungsmitglied der «Fränkischen Aktionsfront», die 2004 vom bayerischen Innenministerium verboten wurde, und ist wegen Volksverhetzung vorbestraft.

Bei der Kommunalwahl im März scheiterte Fischer mit seiner NPD in Fürth schon im Vorfeld: Die Rechtsextremen bekamen die für die Wahlzulassung erforderlichen Unterschriften nicht zusammen. fn

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