Viele Roller, viel Ärger?

So läuft es mit den E-Scootern in Fürth

21.6.2021, 06:00 Uhr
E-Scooter, die quer in den Gehsteig ragen, sorgen immer wieder für Ärger.

E-Scooter, die quer in den Gehsteig ragen, sorgen immer wieder für Ärger. © Hans-Joachim Winckler, NN

Nach Berichten des WDR haben Taucher mehr als 500 Elektro-Tretroller im Rhein ausgemacht – offenbar von Randalierern in den Fluss geworfen. Laut WDR äußerte sich ein Bau-Taucher so: „Wir finden an jeder Stelle, an der wir auf dem Grund des Rheins arbeiten, solche Scooter. Bevor wir mit der Arbeit an Kaimauern oder Brückenpfeilern beginnen können, müssen wir erst mal den Schrott zur Seite räumen.“ Der Mann erklärt weiter, dass einige der Roller „eine klebrige Masse absondern“. Er mutmaßt, dass im Wasser die Akku-Ummantelungen undicht würden und Chemikalien austräten.

Fürth liegt nicht am Rhein, ist aber durchzogen von Flüssen. Verrottet darin womöglich auch der ein oder andere Elektro-Roller? Maximilian Hartl, Leiter der Verkehrsplanung im Stadtplanungsamt, weiß es nicht: „Wenn die im Fluss liegen, sehen wir sie ja nicht mehr.“

Klar sagen kann er auf Nachfrage nur, dass ihm noch kein solcher Fall bekannt wurde. An der Nachricht aus Köln hat ihn nicht überrascht, dass dort Scooter aus dem Rhein herausgefischt wurden: Man sehe ja auch daran, dass Einkaufswägen in Gewässern landen, wie rücksichtslos manche Menschen handeln, sagt er. Gestaunt hat er allerdings über das Ausmaß: mehr als 500.Mehr als 600 Leih-E-Scooter sind inzwischen im Fürther Stadtgebiet im Einsatz. Doch offenbar verursachen sie wenig Ärger. In Köln ist das anders.

Mit "Tier" und "Voi" kamen die Scooter nach Fürth

Seit Juni 2019 dürfen die Roller auf Deutschlands Straßen fahren. Mit „Tier“ und „Voi“ gingen im Januar 2020 die ersten beiden Verleiher in Fürth an den Start. Mitte 2020 kam der Sharing-Anbieter „Lime“ dazu und seit wenigen Wochen, seit Mai 2021, ist auch „Bolt“ in der Kleeblattstadt präsent.

Insgesamt bringen die vier Anbieter mehr als 600 Roller auf die Straßen der Kleeblattstadt. Doch auch wenn Nutzer manches der Kleinstfahrzeuge mitten auf dem Gehweg parken, gibt es allem Anschein nach nicht viel Ärger um die Flitzer.

Nach der Einführung Anfang 2020 war das anders. Da gingen im Schnitt zehn Beschwerden pro Woche bei uns ein, sagt Hartl. Die Klagen hätten sich vor allem um Roller gedreht, die – stehend oder umgekippt – Gehsteige und Parkplätze blockierten oder im Wiesengrund abgestellt waren, wo sie nicht hingehören.

Es folgten die Ausgangssperre und der Winter. Mittlerweile registriert die Verkehrsplanung – hier kommen letztlich auch Klagen an, mit denen Leute beim Ordnungsamt oder beim Straßenverkehrsamt vorstellig werden – gerade mal noch eine einzige Beschwerde im Quartal.

Wie Tobias Dienstbier, stellvertretender Leiter des Straßenverkehrsamts, erklärt, hat die Stadt faktisch keine Handhabe gegen das „Wildparken“. Man könne keinen Strafzettel ausstellen, also keine kostenpflichtige Verwarnung, „denn der Verursacher ist uns ja nicht bekannt“. Und die Eigentümerin der Fahrzeuge in die Pflicht zu nehmen, sei rechtlich nicht zulässig.

Beschwert sich jemand über falsch abgestellte E-Scooter, wendet sich seine Behörde oder die Verkehrsplanung also an die Verleiher und bittet diese, Abhilfe zu schaffen. Laut Hartl zeigen sich die Firmen in solchen Fällen erfreulich kooperativ. Quer liegende Roller, sagt er, „werden wirklich zackig wieder aufgestellt“, das sei ja für die Anbieter auch eine Imagefrage.

Abstellverbotszonen für E-Scooter

Sie haben eine freiwillige Selbstverpflichtungserklärung unterschrieben, derzufolge sie auch darauf hinwirken, dass ihre Kunden Abstellverbotszonen wie Park- und Grünanlagen oder die Fußgängerzone respektieren. Das tun sie auch, berichtet Hartl: mit Anreizen, Zeit- oder Geldgutschriften für korrektes Verhalten.

Der E-Scooter ist aus seiner Sicht "ein neues Verkehrsmittel, das sich nach einer gewissen Gewöhnungsphase ins Stadtgeschehen gut eingefügt hat."

Die Fürtherin Kerstin Hopf (53) hat sich selbst ein Exemplar angeschafft, weil sie für kurze Wege in der Stadt im Elektro-Tretroller eine umweltfreundliche Alternative zum Auto sieht. "Und wenn so ein Leih-Scooter mal im Weg steht", sagt sie, "dann stell ich den halt zur Seite."

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