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Sonntag, 18.08.2019

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Spannung, Dramatik und Klangschönheit

John Lidfors debütierte am Pult des Fürther Lehrerorchesters - 27.11.2013 13:00 Uhr

John Lidfors, potenzieller Nachfolger von Dace Timbare als Leiter des Fürther Lehrerorchesters, beim Mozart-Requiem in St. Christophorus. © Hans Winckler


Gespannt durfte man auf das Debüt von John Lidfors am Pult der Lehrer sein. Der Fürther Talentpreisträger ist im Gespräch als Nachfolger Dace Timbares, zumindest wird er bis Mai 2014 den Laden leiten. Seine Leistung, zumal mit Laienorchester und -chor, beeindruckte. Lidfors formte nicht nur überlegen den gewaltigen Apparat zu einer Einheit, sondern verstand es auch, Spannungsbögen aufrecht zu erhalten.

Wie ein Gewitter brach das „Dies irae“ herein, im „Confutatis“, im mächtigen „Sanctus“ und in der Schlussfuge stachen die dramatischen Akzente heraus. Mozart hat keine Trauermusik komponiert, diesem Anspruch wurde Lidfors gerecht. Aber auch der dem Werk innewohnenden dynamischen Feinheiten, etwa im „Lacrimosa“ und im „Hostias“, nahm er sich einfühlsam an.

Den stattlichen Chor hatte Eberhard-A. Appel auf diese große Aufgabe prima vorbereitet. Sichere Einsätze, Klangvolumen, rhythmische Präzision auch im hohen Tempo, Klangsteigerungen und dynamisches Ausdrucksvermögen in den Pianostellen waren hervorstechende Merkmale dieser Interpretation. Dazu kam ein Soloquartett, das hohen Ansprüchen genügte: Der in allen Lagen klangschöne Sopran von Andrea Zeilinger, Daniela Gunreben mit angenehm timbriertem Mezzo, Aljoscha Lennert, der mit tenoralem Schmelz aufwartete, und Bassist Sebastian Simon, der nicht nur beim „Tuba mirum“ kernigen Sound lieferte. Homogen gestalteten die vier das „Recordare“, und das „Benedictus“, das Lidfors in fabelhaft fließendem Tempo zelebrierte, hatte Klangschönheit und Ausdruckstiefe.

Das Lehrerorchester, verstärkt mit Bläsern und Pauken, bewältigte seinen anspruchsvollen Part mit Hin-

gabe, auch wenn gelegentlich Intonationsmängel und nicht immer nur seidiger Streicherglanz zu hören waren. Immerhin war diese Aufgabe, im Gegensatz zu reinen Orchesterkonzerten einen Chor und Vokalsolisten zu begleiten und doch auch zu gestalten, für die Musiker Neuland.

Lange Stille nach dem Schlusston, dann begeisterter Beifall in der proppenvollen Christophoruskirche. 

gre

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