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Spargelsaison: Wenige einheimische Helfer blieben

Fürther Landwirte sprechen von durchschnittlicher Ernte - Aufatmen nach der Katastrophe - 03.06.2020 06:00 Uhr

Fränkischer Spargel wird nur selten von Einheimischen gestochen. Ohne die Erntehelfer aus Osteuropa würde er nicht auf dem Markt landen. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Die Spargelsaison bedeutet auch in normalen Zeiten für viele Bauern: Wir haben eine Menge zu tun. Doch heuer ist nichts normal, zur Arbeit kamen beim Ernte-Auftakt jede Menge Stress und Unsicherheit hinzu. Die Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) meldet sogar, dass die Erntemenge deutlich zurückgegangen ist und Höfe ans Aufgeben denken.


Corona ist nur ein Grund: Spargelernte bricht ein - Betriebe stehen vor dem Aus


Peter Köninger, Kreisobmann des Bauernverbandes im Landkreis Fürth, hat davon allerdings nichts gehört. "Auch die kleinen Betriebe machen weiter", sagt er. Er könne sich höchstens vorstellen, dass es um jene Spargelbauern schlecht stehe, die sich auf die Großgastronomie spezialisiert haben.

Siegfried Tiefel, dessen Betrieb in Ritzmannshof liegt, spricht von einer "durchschnittlichen Spargelernte 2020". Und dass doch noch alles gut ausgegangen ist, darüber freut sich Georg Peter vom Spargelhof in Oberasbach. Danach sah es im April nämlich gar nicht aus. "Wir wussten nicht, wie wir unseren Spargel vom Feld bringen sollen", sagt Tiefel. Zunächst fehlten wegen der coronabedingten Einreisebeschränkungen die Arbeitskräfte.

Um das weiße Gold aus dem Boden zu holen, schlug Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner seinerzeit vor, Menschen in Kurzarbeit, Studenten oder Schüler anzuheuern. Tatsächlich haben beide Landwirte das versucht. Beim Spargelhof Peter gingen viele Anfragen von Menschen ein, die die Feldarbeit ausprobieren wollten. Doch Georg Peter sagt: "Das Spargelstechen wird unterschätzt. Wir brauchen Fachkräfte, die die Abläufe kennen." Die ungeübten Einheimischen, schätzt er, hätten vielleicht halb so viel Gemüse gestochen wie die Saisonarbeiter aus Rumänien, die er sonst einsetzt.

Katastrophe im April

"Die ersten drei Wochen waren eine Katastrophe", erinnert sich Tiefel. Fast täglich habe es neue Informationen gegeben – ob man Arbeitskräfte bekommen könne, woher sie einreisen dürfen, welche Auflagen zu erfüllen sind. Ernte unter extremen Stressbedingungen.

Nach etwa drei Wochen entspannte sich jedoch die Situation, als die Helfer aus Osteuropa einreisen durften. Sehr viel Geld musste Georg Peter ausgeben, um seine Stammbesatzung von 30 Leuten aus Rumänien einfliegen zu lassen. Sie landeten in Karlsruhe, von dort ging’s per Bus nach Oberasbach. Dann galt es, alle Hygienevorschriften zu erfüllen, etwa mit zusätzlichen Dusch- und WC-Containern sowie täglichem Catering fürs Mittagessen. "Es hat sich jeder Cent gelohnt," sagt Peter mit Blick auf seine Ausgaben, denn sonst wäre die Ernte vernichtet gewesen.

Von den Einheimischen ist ihm einer geblieben. Ein bisschen besser sieht es bei Siegfried Tiefel aus, bei ihm sind vier tüchtige Helfer aus seiner ersten Notbesatzung weiter beschäftigt. Ansonsten ist er froh, auf seine polnische Stammtruppe zurückgreifen zu können. "Unsere Leute haben sich erst nicht getraut. Sie hatten Angst, sich mit Corona zu infizieren." Nach rund drei Wochen kamen sie aber doch.

Weggebrochen ist zugleich ein wichtiger Absatzmarkt: Gastronomie und Kantinen. Der Spargelhof Peter bietet Großküchen geschälte Stangen an. Es ist die gleiche Qualität wie beim Spargel, der in den Einzelhandel kommt, nur optisch ist er oft weniger schön. Nach dem Schälen ist allerdings kein Unterschied mehr zu erkennen. "Hiervon mussten wir mehrere 100 Kilo wegwerfen", bedauert Peter, denn selbst im Hofladen kauft ihn niemand. Tiefel geht davon aus, dass der private Konsum die Verluste wieder wettgemacht hat. In normalen Jahren beliefert er Gaststätten. Immerhin hätten einige Lokale, die Essen zum Abholen anbieten, weiterhin bei ihm bestellt.

Die Bilanz? Am Saisonende 21. Juni wissen die Landwirte genau, ob sich ihr Einsatz heuer gerechnet hat.

Beate Dietz

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