SpVgg-Fans: Rote Karte für Rechtsradikale

26.11.2011, 13:00 Uhr
Keine Chance bekommen Rechte im Fürther Fanblock.

Keine Chance bekommen Rechte im Fürther Fanblock. © Hans-Joachim Winckler

Er habe keine genauen Erkenntnisse über eine rechte Szene im fränkischen Fußball, „das habe ich nicht recherchiert“, hatte Ronny Blaschke bereits vorab im Interview mit den FN gesagt. Bei der Diskussionsrunde im Nachgang seiner Lesung meldeten sich die Kleeblatt-Fans selbst zu Wort. „Ich habe über Dritte gehört, dass die Rechten öfters gemeinsam zum Fußball gehen wollen“, sagte beispielsweise ein Zuhörer. Im Sportpark selbst würden sie sich aber zurückhalten.

Laut einem Sprecher der Gruppe „Horridos 1000“ — dem aktivsten Part im Block 12 — sei in der Nordkurve lediglich ein einzelner Fan mit rechtsradikaler Einstellung bekannt. Auch er würde im Stadion seine Gesinnung nicht offen zeigen. „Weil er weiß, dass er bei uns keine Chance hat.“ Nur einmal, vor ein paar Jahren bei einem Auswärtsspiel, habe der Mann seine Tätowierung offen gezeigt und sei prompt „von der Polizei eingekesselt worden“.

Danach habe es keine Zwischenfälle mehr gegeben. Urwaldgeräusche oder Bananenwürfe, wie man sie spätestens seit Tony Yeboahs aktiver Zeit als Bundesligaprofi vor allem aus ostdeutschen Stadien kannte, seien bis jetzt nicht in der Nordkurve vorgekommen und hätten ohnehin keine Aussicht auf Erfolg: „Wir würden dafür sorgen, dass derjenige den Block sofort verlassen muss“, sagt der Ultra-Sprecher. Matthias Schreppel, der Vorsitzende der Sportfreunde Ronhof, sieht ebenfalls keine rechte Tendenz in Fürther Fan-Kreisen: „So eine Einstellung wird in der Szene nicht geduldet. In unserem Stadion spielt die Bedrohung von rechts keine größere Rolle als sonst irgendwo in der Gesellschaft.“

Auch aus polizeilicher Sicht ist der Ronhof von Radikalismus – egal ob links oder rechts – kaum betroffen. „Es mag sein, dass rechte und linke Gruppen gleichermaßen ins Stadion gehen, aber von Zwischenfällen mit politischem Hintergrund ist uns nichts bekannt“, sagte Norbert Ditzel, Kommissariatsleiter beim Staatsschutz Fürth, auf FN-Anfrage.

Bei Auswärtsfahrten komme es aber hin und wieder zu Anfeindungen von SpVgg-Fans. Ein Zuhörer der Lesung will bei einem Testspiel in Schweinfurt im Juni dieses Jahres gehört haben, wie ein Fürther aufgrund seiner dunkleren Hautfarbe vom Schweinfurter Anhang als „Neger“ beschimpft wurde. Und durch den geschichtlichen Hintergrund der Stadt Fürth werde man öfter als „Juden Fürth“ tituliert.

Die Fanszene fühlt sich dadurch nicht verunglimpft, ein weiterer Zuhörer sagte in diesem Zusammenhang: „Wenn wir Juden Fürth genannt werden, macht mir das nichts aus. Auf den geschichtlichen Hintergrund unserer Stadt bin ich stolz“ — und erntete für seine Aussage geschlossenen Beifall.

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