Dienstag, 12.11.2019

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St. Heinrich: Orgelklänge, die zum Himmel steigen

Renovierung des Instruments ist vollendet, Kantor König führte es in einem Konzert vor - 19.10.2019 16:24 Uhr

Fürths zweitgrößte Kirchenorgel: Heinrichskantor Andreas König an seinem Arbeitsplatz, erbaut und runderneuert von der Passauer Firma Eisenbarth.


Jetzt aber. Jetzt schaltet König von 140 auf 200 km/h, denn jetzt bedient er zu seiner Linken zwei kaffeebraune Schalter am Spieltisch. Und geht in die Vollen. In diesem Moment muss es eigentlich auch das taubste Gemeindemitglied merken. "Das Instrument hat eine neue Wucht, mit der man vorsichtig umgehen muss", sagt Regionalkantor König. Und um noch einmal den Auto-Vergleich zu strapazieren: "7er-BMW", antwortet der 53-jährige Westfale auf die Frage, mit welchem Wagen denn die Heinrichsorgel neuerdings vergleichbar ist.

Es sind nicht nur zwei neue Register - aber die vor allem sind es, die auch den interessierten Laien begeistern dürften. Eine weiche, aber tragende Flöte ist hinzugekommen und ein Trompetensound, der den Putz von der Decke der ehrwürdigen Südstadtkirche holt, wenn es sein muss. Nun, mit der "Flûte traversière" und der "Trompète harmonique", sind es 46 Register. Die Namen verraten es: "Mit den neuen Registern haben wir eine typische französische Klanglichkeit." Eine neue Setzeranlage ist hinzugekommen, außerdem sogenannte Fußkoppeln; wenn König mit der Schuhspitze diese Koppeln antippt, legt die Orgel im dritten Manual eine weitere Oktavschicht drauf oder drunter. Ein Sound zum Davonfliegen.

Das alles hat seinen Preis. "Im niederen sechsstelligen Bereich" seien die Fachleute der renommierten Passauer Orgelbaufirma Eisenbarth unterwegs gewesen. Das Bistum aber, so König, "habe uns von Anfang an unterstützt, man weiß dort um den Wert qualitätvoller Kirchenmusik". 1965 ging die Orgel in St. Heinrich an den Start, vor 25 Jahren wurde unter anderem der Spieltisch ausgewechselt - und schon damals fragten die Eisenbarth-Leute König, der gerade sein Fürther Amt angetreten hatte, ob denn noch Wünsche offen seien. Ja. Eine schöne, grundtönige Unterfütterung, zum Beispiel.

Da aber auch in St. Heinrich das Amt des Kantors kein Wunschkonzert ist und Orgelrenovierungen in aller Regel bestenfalls in Vierteljahrhundertschritten vonstatten gehen, musste sich der Chef in Geduld üben. Im Sommer 2018 begann die Reinigung der Pfeifen, im Februar und März dieses Jahres kam der Spieltisch auf die Intensivstation, wo ihm jene zwei neuen Register eingesetzt wurden. Mit 46 verfügt das katholische Gotteshaus in der Kaiserstraße nun über Fürths zweitgrößte Orgel; die größte, mit 54 Klangfarben, steht nach wie vor in St. Paul.

Seinen ersten großen Auftritt hat das runderneuerte Instrument an diesem Sonntag um 17 Uhr. Andreas König spielt neben französischen Werken Kompositionen von Bach, Mendelssohn und Rheinberger. Auch eine Woche darauf, ebenfalls um 17 Uhr, ist der Eintritt frei. Kantor König und sein Sohn Moritz König spielen Werke unter anderem von Reger und Karg-Ehlert. Die Kollekte ist bestimmt für, man ahnt es, die Orgelrenovierung.

Matthias Boll

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