Montag, 18.01.2021

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St. Martin setzt ein Fanal für Moria

Vor der Fürther Kirche steht ein symbolisches Camp - 29.11.2020 16:00 Uhr

Symbolträchtige Aktion: Die Kirchengemeinde von St. Martin will die Öffentlichkeit mit ihrem Camp aufrütteln.

27.11.2020 © Foto: Armin Leberzammer


Heillos überbelegt, abgebrannt und an anderer Stelle neu aufgebaut: Für Pfarrer Kuno Hauck und die Mitglieder der Kirchengemeinde St. Martin sind die Zustände im Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos "ein Skandal und ein Schandfleck für Europa". Vor der Kirche in der Schwand mahnt nun ein unbewohntes Zeltlager die menschenwürdige Behandlung und die Aufnahme der Menschen an.

Gut vier Wochen lang, bis nach den Weihnachtsfeiertagen, sollen die windigen Unterkünfte der Witterung trotzen. Wäsche auf der Leine, Müll und ein kokelndes Feuerchen zeichnen ein trostloses Bild des Jammers und sind doch weit entfernt von der harschen Realität auf Lesbos, so Hauck: "Schon das alte Lager haben seine Bewohner als Hölle auf Erden bezeichnet, das neue Camp kann man nur noch einen Ort des Schreckens nennen."


Moria: Auch die Stadt Fürth setzt nun Zeichen


Der Winter steht vor der Tür, doch auf Moria fehlen laut dem Pfarrer der Martinskirche Strom, Heizung und warmes Wasser. Von der drangvollen Enge in Pandemiezeiten ganz zu schweigen.

Das Coronavirus ist für Hauck zudem einer der Gründe, warum die Lage der Flüchtlinge kaum noch ins öffentliche Bewusstsein dringt. "Doch wir dürfen nicht die Menschen vergessen, denen es wesentlich schlechter geht und die weitgehend schutzlos sind", betont er. Mit der Aktion, die von der Seebrücke Fürth und dem Weltladen unterstützt wird, ist deshalb auch die Forderung "Evakuiert Moria!" verbunden.

Gegen die Menschlichkeit

Bundesweit hätten viele Städte und ihre Bürger große Unterstützung und die Bereitschaft signalisiert, Flüchtlinge aufzunehmen. "Leider wird dies durch die Maßnahmen des Bundesinnenministeriums verhindert und so kann nur eine beschämend geringe Zahl zu uns kommen", kritisiert Kuno Hauck. Das widerspreche nicht nur dem Gebot der Menschlichkeit, sondern auch dem "Urgedanken der Kirche, wie er in Matthäus 25 steht: ‚Ich war fremd und ihr habt mich bei euch aufgenommen.‘"

Nicht lange habe es übrigens gedauert, bis die ersten Nachbarn das symbolische Lager vor der Martinskirche entdeckt haben und fragten, ob hier denn Sach- oder Geldspenden gebraucht würden.


"Kulturbeutel": Die Menschen in Moria haben Angst


Doch als Sammelaktion will die Gemeinde ihr symbolisches Lager ausdrücklich nicht verstanden wissen: "Uns geht es darum, wachzurütteln und zu sensibilisieren", so Hauck. Dazu solle außerdem die jeden Nachmittag in Dauerschleife in der Kirche laufende Kurzdoku "A short story of Moria" beitragen.

Auch der Weltladen in der Gustavstraße greift die Thematik auf: Er verkauft "Safe Passage Bags", die aus einem privaten, selbstorganisierten Flüchtlingscamp namens Pikpa auf Lesbos stammen. Dort arbeiten Einheimische und Migranten gemeinsam in einer Nähwerkstatt und stellen die unterschiedlich großen Taschen aus alten Rettungswesten her, die geflüchtete Menschen an der Küste zurückgelassen haben.

"Durch das Projekt können sie ihren Lebensunterhalt sichern und sich selbst unterstützen", erklärt Welthaus-Referentin Sarah Brockhaus.

ARMIN LEBERZAMMER

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