Stadt gibt dem Leiter des Rundfunkmuseums den Laufpass

30.6.2013, 16:00 Uhr
Museumsmacher Gerd Walther, der hier 2012 Besucherinnen die Weltkriegsausstellung „Die Bombe“ erläutert, ließ kurz vor dem Ende seiner Amtszeit mit einer Streitschrift zur Neuorganisation eine Bombe platzen.

Museumsmacher Gerd Walther, der hier 2012 Besucherinnen die Weltkriegsausstellung „Die Bombe“ erläutert, ließ kurz vor dem Ende seiner Amtszeit mit einer Streitschrift zur Neuorganisation eine Bombe platzen. © Armin Leberzammer

Zum Eklat hat eine Presseerklärung geführt, in der Walther gegen die vom Stadtrat beschlossene Neuorganisation des Museums nach seiner Ära gewettert hat. Für Kulturreferentin Elisabeth Reichert ein Tabubruch, der mit Walthers Versetzung ins Stadtarchiv geahndet wurde. Seine Funktion hat kommissarisch Stellvertreterin Karin Falkenberg übernommen. Der 63-Jährige sieht in der zum Jahreswechsel geplanten Fusion von Stadtmuseum und Rundfunkmuseum unter dem Dach des Stadtarchivs einen Aderlass für sein Haus und beklagt personelle Abstriche. Das bezeichnet die Kulturreferentin allerdings als unzutreffend.

Der zentrale Streitpunkt scheint auf einem Missverständnis zu beruhen: Während Walther davon ausgeht, dass seine Stelle durch eine Hilfskraftposition ersetzt wird, die beispielsweise auf Wärterinnen von Bedürfnisanstalten zugeschnitten ist, betont Reichert, dass an der Leitungsstelle – abgesehen von Walthers Sonderzulagen – keinerlei Abstriche gemacht würden.

Mit Rücksicht auf Walthers außerordentlichen Einsatz, der auch einfache Handlangerdienste umfasste, werde vielmehr eine zusätzliche Zuarbeiterstelle geschaffen. Wegfallen sollen im Gegenzug lediglich Walthers Überstundenpauschale und seine noch von der vorübergehenden Übernahme der Stadtmuseumsleitung 2007 herrührende Zulage von jeweils 15000 Euro im Jahr. Reichert betont, dass durch die Neuorganisation nur 738 Euro im Jahresetat des Rundfunkmuseum eingespart würden. Die sollen jedoch für unvorhersehbare Ausgaben im Kulturetat reserviert werden.

Nicht gelten lässt die Kulturreferentin Walthers Vorwurf, dass ein gut funktionierendes Museum zerstört werde, indem man bei jeder sich bietenden Gelegenheit Substanz entferne. Reichert: „Ich habe dafür gekämpft, dass die Museumsleiterstelle erhalten bleibt und die sechsmonatige Wiederbesetzungssperre nach Walthers Ausscheiden abgewendet.“ Während sich der 63-Jährige beim Entscheidungsprozess über die Neuorganisation nicht genug eingebunden sieht, meint Reichert, die früher selbst einmal Pflegerin des Rundfunkmuseums war: „Demokratischer geht’s nicht.“ Alle Betroffenen seien an der seit Frühjahr 2012 laufenden Planung beteiligt worden.

Dass Walther im Vorfeld der Entscheidung gegen die Pläne Sturm lief, nimmt Reichert ihrem langjährigen Weggefährten gar nicht krumm. Schließlich weiß sie, wie viel Herzblut er in das Museum investiert hat. Doch nach dem Beschluss seien alle Dienststellen nun mal gehalten, diesen ohne Wenn und Aber umzusetzen. Sonst funktioniere Demokratie nicht.

Im Konflikt mit Walther gibt sich Reichert deshalb kompromisslos. Gegen den langjährigen Museumsleiter wurde sogar ein Betretungsverbot seiner ehemaligen Wirkungsstätte verhängt. Seine persönlichen Gegenstände darf er nicht selbst herausholen. „Mit Rücksicht auf die Mitarbeiter“, wie Reichert meint.

Traurig über die Entwicklung ist die Vorsitzende des Museumsfördervereins, Grete Schwarz. „Ohne Gerd Walther gäbe es dieses für die Wirtschaftsgeschichte der Stadt so wichtige Museum nicht“, gibt sie zu bedenken. Allerdings hat sie auch Verständnis für die empfindliche Reaktion der Kommune. Eine Stadt dürfe sich von einem Mitarbeiter nicht vorschreiben lassen, wie sie ihre Stellen gestaltet. Walther sei mit seiner Kritik über das Ziel hinausgeschossen.

Dass sich der Zwist einvernehmlich beilegen lässt, glaubt die Vereinschefin nicht. Nächstes Frühjahr will sich die 76-Jährige von ihrem Amt zurückziehen. Für einen Nachfolger sei gesorgt. Auch um die Zukunft des Museums ist Schwarz nicht bange. Mit Karin Falkenberg verfüge die Einrichtung über eine sehr fähige Frau.

Während der Macher Walther vehement für die organisatorische Selbstständigkeit des Museums kämpfte und einen „bürokratischen Wasserkopf“ durch die Neuorganisation entstehen sah, erhofft sich Reichert von der Fusion Synergie-Effekte. Ob beide Museen einmal eine gemeinsame Leitung erhalten sollen, das müsse sich erst noch zeigen.
 

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