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Steht Raitersaich vor dem Ausverkauf?

Aktion der Stromtrassen-Gegner zeigt: Mit der „Monstertrasse“ wären Häuser nicht mehr zu veräußern - 07.07.2015 13:00 Uhr

Etwa 30 solche Schilder finden sich im ganzen Dorf verteilt. Es kam auch schon zu Verkaufsgesprächen, doch das Interesse erlahmte schlagartig, wenn die Raitersaicher darauf hinwiesen, dass womöglich die Stromtrasse kommt. © Foto: Winckler


Die Aktion der Bürgerinitiative (BI) Stromtrassen-Widerstand läuft seit mehreren Monaten. Tatsächlich sind die Verkaufsabsichten der Raitersaicher so ernst nicht, doch mittlerweile sehen sich die Trassengegner aus diversen Gesprächen mit potenziellen Kaufinteressenten in einer ihrer Befürchtungen bestätigt: Wenn die Stromtrasse nach Raitersaich kommt, wären ihre Häuser unverkäuflich, ihr Wiederverkaufswert also gleich null, berichtete Michael Brak, Gemeinderat Roßtals und Initiator der Raitersaicher BI gegen die „Monstertrassen“.

Er spricht von einer „Offerte für Trassenliebhaber“, von denen sich allerdings noch keine gefunden hätten. An etwa 30 Häusern im ganzen Dorf seien die Verkaufsschilder zu finden. Und es wären auch schon Verkaufsgespräche geführt worden. „Doch spätestens dann, wenn wir den Leuten sagen, dass hier womöglich die Stromtrasse herkommt, springen sie ab.“ Denn wer wolle schon inmitten eines riesigen Strom-Umschlagplatzes wohnen?, fragen die Trassen-Gegner auf ihrer Homepage.

Im zuletzt im Raum stehenden Netzentwicklungsplan hätten zwei der Grobkorridore, der Süd-Ost-Link in seiner nach Westen verschobenen Variante und auch der Nord-Süd-Link, Raitersaich berührt. Letzterer würde zwar den Rest des Fürther Landkreises ungeschoren lassen, aufgrund eines Abzweigs mit Endpunkt am Umspannwerk von Raitersaich das Dorf aber regelrecht unter Strom setzen, klagt die Bürgerinitiative. Dazu bräuchte es in dem kleinen Dorf oder im Umkreis von zehn Kilometern auch eine riesige Konverterstation mit einem Flächenbedarf von bis zu 15 Hektar, um den Gleichstrom der Hochspannungstrasse in Wechselstrom zu transformieren.

Derzeit scheint in der Diskussion um den Verlauf der Stromtrassen zum Ausbau des Netzes allerdings wieder alles offen. Würde die jetzt von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel präsentierte Variante Süd-Ost-Leitung realisiert, blieben nicht nur Raitersaich, sondern auch der ganze Fürther Landkreis verschont, eine zweite Leitung durch Bayern über Grafenrheinfeld hinaus wäre nach Meinung Gabriels gar nicht erforderlich.

Doch in dem kleinen Raitersaich, das als Standort von Bayerns größtem Umspannwerk ohnehin schon reichlich Aussicht auf Strommasten hat, ist man misstrauisch: „Ich glaub’ mittlerweile gar nichts mehr“, sagt Brak. „Wir müssen letztlich abwarten, was rauskommt, wenn sich Bayern mit dem Rest der Republik geeinigt hat.“

Bayern kontra Bund

Andrea Platzer, ebenfalls aus Raitersaich und Sprecherin der Initiativen im Landkreis Fürth, würde auf Gabriels Vorschlag „gar nicht so viel geben, davon wusste ja nicht einmal Netzbetreiber Tennet etwas“. Bei allen bisherigen Diskussionen um Grobkorridore, so meint sie, dürfte noch viel Zeit ins Land gehen, bis eine endgültige Planung steht. Und auf die nach dem Energiedialog in Bayern von führenden Politikern formulierten Prämissen für den Netzausbau im Freistaat mag sie sich nicht verlassen. „Denn was Bayern oder Seehofer möchten, hat nichts damit zu tun, was der Bund will.“

Insoweit „haben wir jeden Grund, mit unseren Protest weiterzumachen, um zu unterstreichen, was wir als Bürger wollen: und zwar gar keine Stromtrassen, weil wir sie nicht brauchen“, sagt sie. Die nützten nur Netzbetreibern und Energieversorgern, „das Gegenteil hat uns noch keiner bewiesen“.

„Mangels Entscheidungen und Fakten“ (Brak) pausiert derzeit auch der Hochspannungs-Stammtisch, an dem sich die Trassengegner einmal monatlich in Raitersaich trafen, um ihren Protest und Aktionen zu planen. Informationsbedarf macht Brak allerdings nach wie vor aus, unter anderem zusehends unter den Landwirten, die um ihre Äcker und Wiesen fürchten.

Sabine Dietz

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