16°

Dienstag, 16.07.2019

|

Steiner SPD fordert Verkehrskonzept

Kreistag soll dabei den Blick auf den gesamten Landkreis richten — Gespräch mit Nürnbergs OB Maly - 29.10.2014 13:00 Uhr

Die Umgehung mit Tunnel oder doch lieber die Verlängerung der U-Bahn-Linie 2 nach Stein? Die Gäste der SPD-Veranstaltung waren sich nicht einig. © Archivfoto: Distler


Dass Politiker im Wahlkampf manchmal komische Slogans produzieren, ist ja nicht neu. Dennoch sorgt das von der SPD Stein vorgeschlagene Diskussionsthema zur Kreistagswahl erst mal für Verwunderung: „Stein – der Blinddarm des Landkreises“ ist der Abend im Deutenbacher Gasthaus Simon überschrieben.

Doch den Genossen geht es hier weder um die Gesundheit, noch um die sanitären Einrichtungen vor Ort, sondern viel mehr um alte Wunden: „Seit der Gebietsreform von 1973 gehört Stein zum Landkreis und nicht zur Stadt Nürnberg“, meint Ortsvorsitzender Daniel Stanin. „Aber unser Einfluss dort entspricht weder unserer Wirtschaftskraft, noch unserer Einwohnerzahl.“ So kam er auf die Metapher vom Blinddarm: „Wir gehören nicht dazu. Die Interessen von echten Landgemeinden wie Langenzenn oder Veitsbronn sind uns fremd, da wir uns mehr nach Nürnberg orientieren.“ Ähnlich sähe die Lage in Zirndorf und Oberasbach aus. Schlägt also in Stein die Stunde der Separatisten?

Infrastruktur der Städte

Mitnichten. Schon gleich zu Beginn der Veranstaltung wird zurückgerudert. Landtagsabgeordneter Harry Scheuenstuhl preist vielmehr die Vorzüge des Landkreises: „Wir haben eine Pro-Kopf-Verschuldung von unter 100 Euro – darum beneiden uns viele andere Kreise in Bayern. Das funktioniert, weil wir etwa bei Krankenhäusern auf die Infrastruktur der Städte Fürth und Nürnberg zurückgreifen und uns selbst diese teuren Einrichtungen sparen können.“

Dass die Gebietsreform auch nach 40 Jahren noch schmerzt, will aber auch er nicht verschweigen: „Der Landkreis entstand damals ja ganz neu. Vorher waren wir alle stolze einzelne Gemeinden. Wir in Wilhermsdorf haben uns dabei auch immer eher zu Neustadt zugehörig gefühlt und alte Liebe rostet ja nicht.“

Den Besuchern der Veranstaltung geht es aber nicht nur um alte Anhänglichkeiten, sondern auch um ganz praktische Dinge: „Wenn wir zu Nürnberg gehören würden, hätten wir die U-Bahn schon lange“, meint eine Frau – und bringt den Abend damit endgültig auf das Thema, um das es in Stein eigentlich immer geht: den Verkehr. Der aktuelle Vorschlag eines Tunnels zum Nürnberger Hafen wird kontrovers diskutiert.

Viele Besucher sehen darin eine sinnvolle Lösung, andere setzen weiterhin auf die U-Bahn-Verlängerung mit Park + Ride-Konzept. Sogar eine Schwebebahn wird ins Gespräch gebracht. „Sie sollten sich da rasch einig werden“, mahnt Scheuenstuhl. „Sonst sind die Gelder für den Tunnel weg.“

Um die Vorbehalte aus Nürnberg abzubauen, will die Steiner SPD baldmöglichst direkt mit Oberbürgermeister Ulrich Maly sprechen. „Da habt ihr als Genossen die besten Chancen“, meint sogar Bertram Höfer von der CSU, der an diesem Abend zu Gast ist.

Von den künftigen Kreisräten wünschen sich die Anwesenden vor allem ein stimmiges Verkehrskonzept für den gesamten Landkreis. Gewählt wird am 16. November und die SPD Stein schickt gleich fünf Kandidaten ins Rennen: Die langjährige Umweltreferentin Elge Gromball, die Stadträte Bernd Seeberger und Hannelore Pfetzing-Scheitinger sowie Kornelia Herrmann und Robert Brehm. 

Peter Romir

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Stein