Stiftungsaltenheim: "Die Vergabe wird schon geplant"

9.2.2021, 21:00 Uhr
Die Stadt Fürth will einen neuen Träger für das Altenheim an der Stiftungsstraße finden.

Die Stadt Fürth will einen neuen Träger für das Altenheim an der Stiftungsstraße finden. © Wolfgang Händel

Die Debatte um das jahrelange massive Defizit des städtischen Altenpflegeheims an der Stiftungsstraße geht in die nächste Runde: Die Stadt will nun von den Fürther Wohlfahrtsverbänden wissen, ob sie sich vorstellen können, die Einrichtung als Träger zu übernehmen – damit wäre die Kommune finanziell aus dem Schneider. Mit den Verbänden, die interessiert sind, "werden wir in die Verhandlungen einsteigen", sagte Sozialreferentin Elisabeth Reichert kürzlich im kommunalen Finanz- und Verwaltungsausschuss.


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Die Endgültigkeit dieser Aussage irritiert insbesondere die Grünen. "Die Vergabe wird schon geplant", bemängelt Fraktionssprecher Kamran Salimi, obwohl der Stadtrat doch bisher noch gar nicht dafür gestimmt habe. Dass das Heim defizitär ist, wisse man schon seit 2008.

"Und was hat man seitdem getan?", hakte Salimi nach, der selbst am Fürther Klinikum beschäftigt und ursprünglich gelernter Krankenpfleger ist. Die Antwort gab er sich in der Ausschusssitzung dann gleich selbst: Man habe die Pacht noch erhöht – die Jahresmiete betrug zuletzt 480.000 Euro.

Über die "sehr hohe" Miete hatte, wie berichtet, zuletzt auch Gabriele Siegeln, die Leiterin der Einrichtung, geklagt. Immerhin: Da viele Räume derzeit unbenutzbar sind, soll es nun 33.000 Euro Mietnachlass geben.

Je mehr Geld man verlange, desto schlechter gestalte sich die wirtschaftliche Situation, gab Salimi im Ausschuss zu bedenken. Und: Das Stiftungsaltenheim sei eines der teuersten in der ganzen Stadt, obwohl andere Einrichtungen nach seinen Erkenntnissen bessere Pflegemaßnahmen und bauliche Gegebenheiten anbieten – und das zu günstigeren Konditionen als das Haus an der Stiftungsstraße.


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"Jetzt stellen wir fest, dass wir das Ding nur noch verkloppen können", wetterte Salimi. Er schlug vor, stattdessen einen Managementvertrag abzuschließen. Will heißen: Man holt sich Expertise von außerhalb ins Heim. "Man muss ja nicht gleich das ganze Haus abgeben", findet er.

Niklas Haupt, Sprecher der Linken im Stadtrat, wünscht sich eine Grundsatzdiskussion über die Zukunft des Heims – am besten im kommunalen Sozialbeirat. Denn im Fall einer Privatisierung habe man "große Bedenken".

Kein Konzern als Betreiber

Oberbürgermeister Thomas Jung hatte Wohlfahrtsverbände bereits vor einiger Zeit als Betreiber ins Spiel gebracht und betont, dass es sich nach seinem Empfinden in diesem Fall nicht um eine Privatisierung im herkömmlichen Sinn handle – die Verbände seien schließlich allesamt gemeinnützig. Die Übernahme des Heims durch einen rein gewinnorientierten Konzern indes komme für ihn nicht in Frage.

Jungs Stellvertreter, der zweite Bürgermeister Markus Braun, gab nun unumwunden zu: "Die Probleme wachsen uns ein Stück weit über den Kopf." Er stellte außerdem klar, dass mit einem sogenannten Interessenbekundungsverfahren, wie es die Stadt jetzt mit den Wohlfahrtsverbänden anstrebt, noch keine Entscheidung getroffen werde.


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Maßgeblich ist in Brauns Augen, die optimale Lösung für Bewohner und Beschäftigte zu finden. Er sei "nicht überzeugt, dass die bisherige die beste ist". Fürths Sozialreferentin sieht das ähnlich. Das Stiftungsaltenheim, meint Reichert, hätte im Verbund mit mehreren Häusern eine gute Zukunft.

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