Freitag, 16.04.2021

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Stillstand? Sorge um den Hotel-Bau an der Fürther Stadthalle

Kostensteigerungen bringen den Investor in eine schwierige Lage - 04.03.2021 06:15 Uhr

„Eine schwierige Zeit“: Der Bau des Hotels an der Stadthalle ist ins Stocken geraten. Der viergeschossige Bau entsteht über der Tiefgarage auf dem Paisleyplatz.

03.03.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Es sollte eigentlich ganz schnell gehen: Da die vier Geschosse weitgehend aus Betonfertigteilen bestehen, sollte das neue "Holiday Inn Express"-Hotel an der Stadthalle mit seinen 148 Zimmern rasch in die Höhe wachsen. Das Vorhaben aber ist ins Stocken geraten. Inzwischen fragen sich manche besorgt, ob es in Gefahr ist.


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Tatsächlich haben nicht nur die frostigen Temperaturen kürzlich die Arbeiten gebremst. Wie der Geschäftsführer des Düsseldorfer Investors RMA, Christoph Röhr, auf FN-Nachfrage bestätigt, steckt die Firma in zähen Gesprächen mit Banken.

Der Grund: Das Projekt wird deutlich mehr kosten, als man geplant hatte. Diese Finanzierungslücke muss gedeckt werden, und das sei in Corona-Zeiten alles andere als einfach.

Bundesweit sei die Lage für Hotelfinanzierungen zurzeit schwierig, erklärt Röhr. Die Pandemie hat eine große Verunsicherung ausgelöst, von den Banken werde alles hinterfragt: Braucht es überhaupt noch ein neues Hotel, zumal eines, das speziell Tagungsgäste anziehen soll? Werden Geschäftsleute in Zukunft noch reisen – oder sich eher in Videokonferenzen austauschen? Wird eine Stadthalle wieder einen vollen Veranstaltungskalender haben? Werden sich Messehallen wieder füllen?


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Alle hatten gehofft, dass man Anfang 2021 schon weiter ist, auch mit den Impfungen, so Röhr. "Es fehlt das positive Signal." Deshalb seien alle Beteiligten vorsichtig. Das wirkt sich auf die Fürther Baustelle aus: Der Investor konnte wichtige Aufträge für den Innenausbau oder die Fassade noch nicht vergeben; noch stecke man in "schwierigen Diskussionen" mit den Banken.

"Fürth ist ein toller Standort"

Für ihn hingegen, sagt Röhr, stehe außer Zweifel, dass Fürth ein "toller Standort" sei, dass es wieder Veranstaltungen geben und das Hotel "wunderbar laufen" wird. Umso mehr, ergänzt er launig, "wenn Fürth noch in die Erste Liga aufsteigt". Man habe einen prima Betreiber, ein super Konzept.

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Auch Fürths Wirtschaftsreferent Horst Müller, der seit 18 Jahren für ein Hotel an der Stadthalle kämpft, ist weiter vom Standort überzeugt: direkt an der Stadthalle, mit U-Bahn-Anschluss und guter Anbindung an die Messe Nürnberg. Er ruft in Erinnerung: Vor Corona hatte Fürth einen Übernachtungsrekord. Er ist überzeugt: Die Pandemie wird das Arbeiten verändern. Aber: "Wir werden nicht immer im Homeoffice bleiben."

Röhr vermutet: Wegfallen werden langfristig eher geschäftliche Kurztrips, die ohne Übernachtung unternommen wurden. Und: Der private Kurzurlaub - er dürfte durch die Pandemie gewinnen.

Eine Terrasse, die viel möglich macht

Die Kosten in die Höhe getrieben hat zunächst die Ertüchtigung der Säulen in der Tiefgarage, die das Hotel mittragen werden. Die Verstärkung der Säulen war aufwendiger als angenommen.

Die Lage stellte sich, wie oft bei Bauten aus den 70er oder 80er Jahren, anders dar als in den Plänen, so Röhr. Man musste sie tragfähiger machen, ohne sie zu verdicken, erklärt Müller. Die Stellplätze in der Tiefgarage der Stadthalle sind für heutige Autos ohnehin schon knapp bemessen.

Die Stadt wird sich wohl beteiligen

Teurer als anfangs kalkuliert war vor allem aber der Bau der ausladenden Terrasse, die als Ersatz für den Paisley-Platz entstand. Röhr: "Das ist ein völlig anderes Bauwerk geworden als geplant."


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Nämlich nicht einfach eine begehbare Außenfläche, sondern – was in Sachen Statik viel anspruchsvoller ist – eine "Schwerlastfläche", auf die Tourbusse und 40-Tonner hochfahren könnten. Erhalten hat man dabei die Bäume zur Straße hin, die die Freifläche nun hübsch einrahmen.

Weil die Terrasse, die auch als Veranstaltungsfläche genutzt werden soll, einen klaren "Mehrwert" (Müller) für die Stadt hat, wird der Stadtrat im März über eine Beteiligung an den Kosten entscheiden. Das, hofft Röhr, wird bei den Gesprächen mit den Banken helfen.

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