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Streit nach Drückjagd: Innereien und Rehköpfe blieben liegen

"Null Respekt vor der Kreatur": Spaziergänger und Jäger sauer - 26.01.2021 14:22 Uhr

Wird zur Jagd geblasen, ist das nichts für zart Besaitete. Die Hinterlassenschaften am Buttendorfer Wald schockten Unbeteiligte.

22.01.2021 © Foto: Friso Gentsch/dpa


Es ist nicht verboten, Wild im Wald auszunehmen. Aber die Hinterlassenschaften sollten die Jäger schon beseitigen. Sie achtlos liegen zu lassen, verstößt gegen das Tiergesundheitsgesetz.

Helmut Murmann aus Ammerndorf, Pächter einer angrenzenden Jagd und Senior-Chef der Brauerei am Ort, war nicht dabei, doch er findet klare Worte: "Wer so etwas zurücklässt, hat null Respekt vor der Kreatur." Der Jägerschaft, vielmehr ihrem ohnehin schwierigen Standing in der Gesellschaft, hätten die Jäger aus dem Staatsforst keinen Gefallen getan.

Frau erstattete Anzeige

Denn Magen, Gedärm und Tierköpfe erschreckten noch Tage später Unbeteiligte. Spaziergänger fanden abgetrennte Rehköpfe und Innereien, teils in großen, eigens zur Entsorgung aufgestellen Tonnen, teils lose im Wald herumliegend. Auf der Facebook-Seite "Roßtal vernetzt sich" hat eine Frau ihren Fund beschrieben – als "Gemetzel" und "große Sauerei". Sie hat bei der Polizei Anzeige erstattet.

Als sich die am Donnerstag vor Ort umsah, war der Inhalt einer Tonne am Waldboden ausgebreitet. Staatsforst-Förster Hetzer wurde alarmiert. Er kümmerte sich umgehend um die Entsorgung. Dass der Anblick unbedarfte Spaziergänger schockierte, kann Hetzer nachvollziehen, er sei selbst "perplex" gewesen. "So haben wir das keinesfalls hinterlassen", beteuert er. Alles sei in die Tonnen gekommen, eine davon "muss jemand mutwillig ausgeleert haben". Und das innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums, denn er, so Hetzer, habe sich täglich vor Ort umgesehen.

Dass die Behälter nicht zeitnah nach der Jagd verschwanden, erklärt er mit der Witterung. Es war glatt, der beauftragte Entsorger habe den Forstweg nicht befahren können.

Horst Küspert, Chef der Polizeiinspektion Zirndorf, reagiert auf den Vorfall gelassen. "Wir haben schon a weng g’schaut, als wir das gesehen haben." Die Waidmänner hätten die Tonnen offensichtlich so gestellt, dass sie von irgendwelchen Tieren umgestoßen und ihr Inhalt vertragen werden konnte. Nachdem der zuständige Förster die Kadaver-Reste entfernt hatte, "war für uns die Sache erledigt", sagt Küspert.

Die Jäger in den angrenzenden privaten Revieren nehmen die Angelegenheit allerdings etwas ernster. Sie haben die im Wald ausgebreiteten Rehköpfe, Gedärme und sonstigen Innereien fotografiert und grausige Fotos geschossen.

Massaker kurz vor der Schonzeit?

Walter Schwarz, der das angrenzende Roßtaler Revier gepachtet hat, sagt, "unmittelbar vor der Schonzeit, sozusagen auf den letzten Drücker" sei in den Staatsforsten "ein Rehmassaker" angerichtet worden. Weibliche Rehe dürfen nur bis 15. Januar geschossen werden, das war der Tag der Jagd. Außerdem hätten die Jäger in Staatsdiensten zwei Böcke geschossen - die aber haben bereits seit Mitte Oktober Schonzeit.

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"Dass ein Bock zur Strecke gekommen ist, wussten wir nicht", sagt Hetzers Chef Norbert Flierl, Leiter der Bayerischen Staatsforsten Rothenburg, zu denen das Cadolzburger Revier gehört. Man werde nun versuchen, den Erleger ausfindig zu machen und zu einer Selbstanzeige bei der Jagdbehörde zu bewegen. Das hat für den Betroffenen keine nennenswerten Konsequenzen, es sei denn, man könnte ihm Vorsatz nachweisen, was ziemlich unmöglich ist.

Für Hetzer ist der Fall klar: Aus seiner Sicht "war das eine ganz saubere Jagd", es sei "sauber geschossen" worden, und man habe sich corona-konform verhalten, was letztlich auch dazu führte, dass die Jäger ihr erlegtes Wild noch im Wald – auf Distanz – ausgenommen hätten.

Der Flurschaden ist nach Meinung der Privatjäger in der Nachbarschaft trotzdem enorm. Jörg Hertel, der im Roßtaler Revier mit auf die Pirsch geht, ist seit 21 Jahren Jäger, "aber sowas hab ich noch nicht gesehen".

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